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Spanische Auktionen im Rückblick : Tendenz zum Gemischtwarenladen

  • -Aktualisiert am

Der spanische Auktionsmarkt im Tief: Selbstkritik soll fruchten, damit die Sammler wieder im Land kaufen.

          Eine spanische Halbjahresbilanz entfällt diesmal - mangels Resultaten. Zwar hat der spanische Staat für die Regionalregierung von Aragon und das Museum der Schönen Künste in Saragossa zwei gotische Tafeln des Pere García de Benavarri erworben und sich mit 140.000 Euro im oberen Marktsegment plaziert, doch so wenige Abschlüsse in der Preisklasse oberhalb von 100.000 Euro wie in diesem Frühjahr waren selten zu konstatieren: Da standen die Auktionatoren des Hauses Odalys aus Venezuela, die vom zahlungskräftigen Publikum der Kunstmesse Arco in Madrid profitieren wollten, im halbleeren Saal des Hotels Ritz; oder sie blieben - bei Alcalá - auf Boteros „Venus vor dem Spiegel“ für 300.000 Euro sitzen und - bei Ansorena - auf Bildern von Oscar Domínguez oder Santiago Rusiñol für je 150.000 Euro.

          Dabei finden sich für mit lückenlosen Provenienzen versehene Werke spanischer Künstler durchaus Sammler, wie sich jüngst in London zeigte, wo Alte Meister wie Jusepe de Ribera, Tomás Hiepes, Pedro de Camprobín, Francisco de Zurbarán und Goya erfolgreich waren. Die Stillleben von Camprobín und Hiepes waren von spanischen Sammlern nach Großbritannien eingeliefert worden, und sie kehren möglicherweise nach Spanien zurück. Das Vertrauen in die internationalen Häuser ist schlichtweg größer als in den spanischen Markt.

          Warten auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte

          Juan Várez von Christie's Ibérica sieht in der mangelnden Konkurrenzfähigkeit und Internationalität das große Manko der spanischen Auktionshäuser. Es sei schwieriger, gute Einlieferungen zu bekommen, als zahlungskräftige Käufer zu finden; die spanischen Häuser müssten strenger auswählen und sich auf die Suche nach wirklich gutem Material machen. Auch in der Fachzeitschrift „Subastas“ klingt durchaus eine gewisse Selbstkritik von Madrider Auktionatoren in der Einschätzung der Lage durch: Es gebe zu viele Firmen in Spanien, und nicht immer gehe es seriös genug zu, gibt Mariano Blasco, Direktor des Auktionshauses Goya, zu verstehen. Die Authentizität der Werke müsse belegt sein, wie das bei den internationalen Firmen der Fall sei. Allerdings sorge die Wirtschaftskrise dafür, dass mehr Ware auf den Markt kommt und die Preise realistischer sind, deshalb sei jetzt ein guter Moment zum Kaufen.

          Allgemein geht die Zunft davon aus, dass bis zum Jahresende eine Erholung vom momentanen Geschäftseinbruch eintreten wird; man rechnet mit einem guten Jahresende: Allein aufgrund der Tatsache, dass sich mancher Anleger oder Sammler von seinen Kunstwerken trennen müsse, sagt nicht nur Jaime Mato von Ansorena für den kommenden Herbst einen Aufschwung voraus. Denn viele Häuser reagierten auf die Krise, indem sie die Taxen senkten, in der Hoffnung, das Interesse der Käufer anzufachen; im Falle eines „Viehmarkts in Salamanca“ von Francisco Iturrino ist das auch schon gelungen: Die 95 mal 120 Zentimeter große Szene schnellte im Juni beim Auktionshaus Durán von 4000 auf 70.000 Euro.

          Auf niedrigem Niveau

          Im Zuge der erwähnten Selbstkritik bemängelt zum Beispiel José Pedro Bailén, Direktor der Sala Retiro, es gebe zu viele kleine Auktionshäuser in Spanien, bei zu wenigen regelmäßigen Käufern. Es fehlten Professionalität und Vertrauen. Und auch Gonzalo Mora, Mitgründer von Alcalá und seit April Direktor für Kunstauktionen bei Fernando Durán, diagnostiziert eine spanische Tendenz zum Gemischtwarenladen; die Häuser seien zu wenig spezialisiert, das Angebot überschneide sich, das Niveau sei oft zu niedrig.

          Gute Werke seien von zu vielen mittelmäßigen umgeben, weshalb die Sammler lieber auf den qualitätvollen internationalen Markt gingen. Und das müssen sie nun wohl wieder tun; denn Christie's hat seine Auktion mit spanischer Kunst, die alljährlich im Oktober im Madrider Hotel Palace stattfand und zwischen 5,2 und 15,2 Millionen Euro einspielte, für diesen Herbst abgesagt.

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