https://www.faz.net/-gyz-14l7b

Schweizer Kunst : Die Geliebte malte mit

  • -Aktualisiert am

Mit Werken von Hodler aus der Sammlung seiner Muse Jeanne Ceranis will Sotheby's in Zürich punkten. Die Vorschau auf das Angebot mit Schweizer Kunst.

          Am 7. Dezember beschließt Sotheby's das Schweizer Auktionsjahr 2009. Die Gesamttaxe der 123 Lose beläuft sich auf fünf bis sieben Millionen Franken, Kernstück ist ein Block von dreizehn Werken Hodlers. Jeanne Charles Cerani, Modell und Geliebte des Malers, trug in der fünfzehn Jahre dauernden Beziehung der beiden mehr als 200 Arbeiten Hodlers zusammen. Das Gros dieser Sammlung wird heute in Sarajevo bewahrt, aber es kommen einige Zeichnungen und Gemälde unter den Hammer, die mehr als fünfzig Jahre bei den Erben verblieben.

          Am attraktivsten ist das Ölbild „Stockhornkette mit Thunersee“ (Taxe 350.000/450.000 Franken), um 1913 entstanden. Bis zu 150.000 Franken geschätzt ist das frontale „Bildnis Mathias Morhardt“. Jeanne hegte selbst künstlerische Ambitionen, was sich auch darin äußerte, dass sie Hodlersche Tusch- und Bleistiftzeichnungen eigenhändig kolorierte, mitunter ergänzte und in einigen Fällen mit dem Namen ihres Liebhabers signierte (2000 bis 30.000 Franken). Drei weitere frühe Hodler-Gemälde kommen aus Schweizer Privatbesitz: Das „Segelschiff“ (80.000/120.000), ein „Thunersee mit Blüemlisalp und Niesen“ (250.000/300.000) und die reizvolle kleinformatige Landschaft „An der Jonction“, mit einer unteren Taxe von nur 50.000 Franken.

          Amiet versetzt den Himmel in Bewegung

          Félix Vallotton ist der zweite große Name in der Offerte. Der stark nach Frankreich und England orientierte Schweizer malte 1916 einen Blick über die Seine bei Les Andelys, vergleichbar eindrucksvoll ist „La Dordogne à Beynac“ (je 500.000/700.000). Ein dritter Vallotton, „Le Réverbère“, 1895 in Öl auf Karton, bedarf der besonderen Zuneigung: Das kleine Nachtbild eines Passanten im fahlen Laternenlicht kommt so dezent daher, dass man seine ergreifende Mischung von Stille und Intensität leicht versäumen könnte (50.000/60.000).

          Wuchtig wie der späte van Gogh oder die Fauves führte Cuno Amiet um 1915 „Die Wolke“ aus. Den Himmel, der fast das ganze Bild einnimmt, setzte er in wilde Bewegung. 1960, ein Jahr vor seinem Tod, verkaufte Amiet das Bild an die Familie der heutigen Einlieferer; seine Marktfrische soll mit bis zu 300000 Franken honoriert werden. Schließlich tragen auch die Giacomettis ihren Teil bei: Augusto, für dessen farbverspielte „Rote Rosen“ von 1933 bis zu 700000 Franken erwartet werden, und Giovanni, der sechs „Kartenspieler“ (400.000/ 500.000) auf eine große Leinwand bannte.

          Weitere Themen

          Trostlos an der Grenze

          „Polizeiruf“ aus Brandenburg : Trostlos an der Grenze

          Hier wird nicht nur das Thema verspielt: Der „Polizeiruf 110: Heimatliebe“ präsentiert dem Publikum Verlierer und Verlorene, nur auf das große Schauspiel wartet man vergebens.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
          Die Union hat in Dresden die Kohle im Blick

          Union und Kohleausstieg : „Es gilt das, was vereinbart ist: 2038“

          Die Verunsicherung unter den Bergleuten war groß, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jüngst einen Ausstieg aus der Kohle 2030 ins Spiel brachte. Annegret Kramp-Karrenbauer verspricht nun, am Kohle-Ausstiegstermin 2038 nicht mehr zu rütteln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.