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Sammlung Joop in Paris : Lust auf Leere um sich herum

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Der Modeschöpfer Wolfgang Joop will fortan nur noch Künstler sein. Deshalb trennt er sich von Mobiliar aus seiner „Villa Wunderkind“ in Potsdam.

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          In diesem Herbst hat Wolfgang Joop in Paris einen zweifachen Auftritt. Nachdem er Anfang Oktober die jüngste „Wunderkind“-Kollektion für Frühjahr und Sommer im Carrousel du Louvre über den Laufsteg schickte, bekommen seine Fans noch ein Aperçu des Kunstsammlers Wolfgang Joop. Am 26. November versteigert Christie's rund dreißig „Œuvres Choisies“ mit Angewandter Kunst des 20. Jahrhunderts, die sich durch Möbel und Objekte von Jean Royère, Eugène Printz, André Arbus und Alexandre Noll auszeichnen.

          Wolfgang Joop hat in der „Villa Wunderkind“ in Potsdam - einem Bau von 1908, der von Josef Kleihues der ursprünglichen „Villa Metz“ getreu wiederhergestellt wurde - seine über die Jahre hin zusammengetragene Sammlung von klassischen Möbeln, Gemälden Alter Meister, modernem Design und zeitgenössischer Kunst in einer subtilen Mischung vereint.

          Doch nun möchte er Abschied nehmen von einigen Dingen, um Platz und Luft zu schaffen für Neues: „Jetzt habe ich Lust, Leere um mich herum zu verspüren“, sagt Joop, „ich entdecke jetzt meine eigenen Werke.“ Nach dem Verkauf seines Modehauses und Namens hat der ehemalige Kunststudent sich vor allem der Bildhauerei zugewandt: Seit dem 17. November zeigt die Galerie Michael Schultz in Berlin seine Ausstellung „Death & Faith“.

          Beim Aufbau seiner Sammlung sei er immer seinem Erkenntnisstand und seinem Budget gefolgt, so Joop im Gespräch. Mit seinem Taschengeld kaufte er als Erstes „ein Stückchen Potsdam“ und mit dem ersten selbstverdienten Geld eine Rokoko-Standuhr mit Kronosfigur, die er heute noch habe, sowie einen Rokokospiegel und Möbel von Hoppenhaupt.

          Eine Champagner-Bar im Baumstamm

          Später entdeckte er in New York, wo er sich Anfang der neunziger Jahre niederließ, die Möbel des französischen Bildhauers Alexandre Noll. Die Mischung aus Kunst und Kunsthandwerk - seiner Arbeit als Modeschöpfer verwandt - habe ihn fasziniert. Bei De Lorenzo in New York kaufte er eine „Sitzskulptur“ für 80.000 Dollar; anschließend ging er in Paris bei den Galeristen Pierre Passebon und Anne-Sophie Duval, bei Auktionen und sogar bei Sammlern auf die Jagd nach den Werken von Noll.

          Alexandre Noll, eine einzigartige Erscheinung des französischen Art déco, widmete sich ganz dem Holz, am liebsten als rohem Baumstamm. Die zeitlose Eleganz seiner Möbel und Objekte entspringt dem Zusammenwirken der Naturform mit handwerklicher Raffinesse und künstlerischer Vision. Von seiner Champagner-Bar „Armoire à Magnum“ von 1947 soll Noll drei Exemplare in Varianten hergestellt haben: Joop ersteigerte sein Exemplar „Etat N. 2“ 1991 im Pariser Drouot, aus der Sammlung des Händlers Alan.

          Materialverschwendung inspiriert ihn

          Jetzt schätzt Christie's die Möbelskulptur aus Ebenholz auf 250.000 bis 350.000 Euro. Ein aus massivem Mehlbeerbaumholz gefertigtes Buffet und eine kleine Kommode aus Birnbaumholz werden mit je 40.000 bis 60.000 Euro veranschlagt. Für Nolls in massivem Sipo-Mahagoni gearbeiteten Esstisch sind schätzungsweise 90.000 bis 120.000 Euro anzulegen, und für eine kleine schwarz gebeizte Dose mit Deckel steht die Taxe bei 3000 bis 4000 Euro.

          „Es gibt keine andere Epoche mit einer solchen Materialverschwendung wie den Art déco“, schwärmt Joop; sie inspiriere ihn auch heute noch. Eugène Printz zum Beispiel, der „durch Form und Material eine Wirkung hatte, als sei er aus der Zukunft zurückgeschickt worden“, gab die Anregung zum Ornament eines Modells der Wunderkind-Winterkollektion von 2009.

          Kuscheliger Samt und spartanisches Leder

          Printz' palmenholzfurniertes Sideboard mit vier Doppeltüren, von Jean Dunand mit Metallfurnier samt Tiermotiven versehen und von Jean Lambert Rucki mit Blätterwerk (Taxe 300.000/500.000 Euro), hatte in der Villa Wunderkind seinen Platz unter Antoine Pesnes Porträt von Friedrich dem Großen als Fünfjährigem. Das Sideboard ist ebenso emblematisch für Printz und Dunand wie die kugelförmigen „Boule“-Sitzmöbel für Jean Royère. Sofa und Sessel als kuschelige violette Samtgarnitur (150.000/200.000) stehen im Gegensatz zu den spartanischen Ledersitzen „Shah d'Iran“ mit Sonnenblende (15.000/20.000).

          Er lerne gerade, von vielen Dingen Abschied zu nehmen, sagt Wolfgang Joop und gibt freimütig zu, dass ihm die Trennung von der Sammlung schwerfällt. Besonders das Kabinett für die Magnumflasche von Alexandre Noll ist ihm ans Herz gewachsen. Aber er sei kein Sammler, sondern Künstler: „Ich will gar nichts sammeln müssen, sondern meine Kraft fürs Schaffen bewahren.“

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