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Rekord für Lawrence Alma-Tadema : Die Ufer des Nils liegen im viktorianischen Salon

Sagenhafte 35,9 Millionen Dollar hat bei Sotheby's in New York ein Großformat aus dem Jahr 1904 gekostet: Das Breitwand-Format „Die Auffindung des Moses“ hat der viktorianische Salonheros Lawrence Alma-Tadema gemalt.

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          Als Sir Lawrence Alma-Tademas „The Finding of Moses“ im Mai 1995 bei Christie’s in New York für 2,5 Millionen Dollar zugeschlagen wurde – die Taxe stand da schon bei 2,5 bis 3,5 Millionen –, war das ein Rekordpreis für den Maler, der mehr als fünfzehn Jahre lang Bestand haben sollte.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Damals war das Großformat schon einmal in dieser Zeitung abgebildet und seine Historie beschrieben: Alma-Tadema malte die Szene am Nil mit der von Sklaven getragenen Sänfte der Tochter des Pharao im Jahr 1904, nachdem er von seiner Expedition zur Einweihung des Staudamms von Assuan 1902 zurückgekehrt war, für dessen Konstrukteur, den englischen Ingenieur Sir John Aird. Dieser bezahlte das Werk mit damals enormen 5000 Guineas. Zu seinen Reisegefährten hatte übrigens der junge Winston Churchill gehört.

          Nun aber ist die üppige alttestamentarische Phantasie des 1836 in Holland geborenen Vorzeige-Viktorianers völlig durch die Decke gegangen: Bei der New Yorker Sotheby’s-Auktion mit europäischer Kunst des 19. Jahrhunderts bewilligte ein ungenannter Bieter sagenhafte 32 Millionen Dollar dafür, gegenüber einer Schätzung von gerade mal drei bis fünf Millionen. Wenn ein Auktionshaus, wie in diesem Fall, den telefonischen Käufer völlig unkenntlich macht („Anonymous“) bleibt nur die Spekulation, dass er weder in Europa noch in den Vereinigten Staaten – dem inzwischen schon klassischen Terrain für den marmorleibigen und detailgesättigten „Salon“ – zu finden wäre.

          Es bleibt ja noch ganz Asien (wohin sich inzwischen selbst hochkarätiger deutscher Expressionismus verflüchtigen kann). Oder doch dieses: Warum nicht sollte der kleine Moses im Körbchen heimkehren zu seinem Ursprung in der arabischen Welt? Dort wäre das Gemälde bestimmt mindestens so behütet wie bei einem seiner Vorbesitzer, Allen Funt nämlich, dem amerikanischen Vater aller Fernsehprogramme mit „versteckter Kamera“, der sich aber schon 1973 davon trennte. So lässt sich inzwischen eine ganze Menge Geschichte – nicht nur des Markts, sondern auch des Geschmacks und allfälliger finanzieller Umbrüche – aus der Provenienzen-Kette eines Auktionskatalogs ablesen.

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