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New Yorker Auktionen : Wenn der Bogen der Schätzungen überspannt wird

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Lag es an der Krise des amerikanischen Kreditmarktes oder an zu hoch angesetzten Taxen? Die New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne bei Christie's und Sotheby's erlebten nur wenige fesselnde Bietgefechte. Christie's präsentierte sich immerhin solide, Sotheby's enttäuschte.

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          Die New Yorker Auktionen mit Kunst des Impressionismus und der Moderne haben gemischte Ergebnisse gebracht. Sehr solide präsentierte sich der Abend bei Christie's mit 91 Losen, von denen zwölf Werke Hammerpreise im zweistelligen Millionenbereich einspielten; siebzehn blieben unverkauft. Der Umsatz von rund 395 Millionen Dollar lag innerhalb der Gesamtschätzung und stellt das zweitbeste Ergebnis überhaupt in der Geschichte der Auktionshäuser dar. Nur ein einziges Mal wurde ein noch höherer Umsatz verzeichnet: Das war vor einem Jahr bei Christie's in New York, als Klimts spektakuläre Adele-Bloch-Bauer-Werke unter den Hammer kamen.

          Bei Sotheby's am folgenden Abend lief es weniger gut: Mit 270 Millionen Dollar lag hier das Ergebnis weit unterhalb der unteren Gesamttaxe von 355 Millionen. Woran lag es? Ob schwächelnde Weltwirtschaftsdaten infolge der amerikanischen Kreditmisere sich direkt auf diese enttäuschende Abendauktion ausgewirkt haben, ist fraglich. Tatsächlich mangelte es vielen Losen im Angebot an der nötigen Marktfrische, und in vielen Fällen waren die Schätzungen extrem hoch gegriffen. So blieben volle zwanzig der 76 Lose unverkauft, viele von ihnen mit besonders hohen Taxen.

          Doch auch bei Sotheby's gab es neue Rekorde für Künstler wie Franz Marc, Camille Corot und Max Ernst und immerhin sechs Werke, die mehr als zehn Millionen Dollar einspielten. Wie erwartet, wurde auch das teuerste Bild der Woche, Paul Gauguins „Te Poipoi“, wieder bei Sotheby's verkauft. Ansonsten war der Prozentsatz der asiatischen Käufer geringer als erwartet. Trotz des schwachen Dollar waren an beiden Abenden fast die Hälfte aller Käufer Amerikaner, ein Viertel Europäer und ein Viertel auf den Rest der Welt verteilt.

          Fesselndes Bietgefecht um Matisse

          Wegen der vielen Lose fing die Christie's-Abendauktion eine halbe Stunde früher an als üblich. Allein die zeitliche Ausdehnung hat den Unterhaltungswert der Aufführung strapaziert, aber es gab hin und wieder fesselnde Bietgefechte. Besonders umkämpft war das Spitzenlos des Abends, ein Bild aus dem Jahr 1937: Die nur sechzig Zentimeter hohe Leinwand „L'Odalisque, harmonie bleue“ von Henri Matisse wurde von der Familie des Kunsthändlers Paul Rosenberg eingeliefert, der sie direkt von Matisse erworben hatte. Zu Beginn beteiligten sich mindestens fünf Bieter, während nach der Zwanzig-Millionen-Marke nur noch zwei Konkurrenten übrig blieben.

          Der Direktor der Impressionismus-Abteilung, Guy Bennett, vertrat einen Kunden am Telefon gegen den New Yorker Kunsthändler Franck Giraud, der mit Mobiltelefon in der Mitte des Saals saß und Gebote für einen zögerlichen Millionär machte. So langsam erfolgten die Schritte von 500.000 Dollar, dass sogar dem geduldigen Auktionator Christopher Burge schließlich die Zeit reif schien für eine spaßige Bemerkung: „Irgendwann werde ich dieses Bild aber verkaufen müssen.“ Der Hammer knallte bei dreißig Millionen Dollar zugunsten von Guy Bennetts Kunden aufs Pult. Den neuen Rekordpreis für Matisse quittierte das Publikum mit Applaus. Einen weiteren Rekord gab es für Signac. Die in warmer Abendsonne leuchtende Küstenlandschaft „Cassis. Cap Canaille“ aus dem Jahr 1889 stammt aus dem Besitz von Paul Josefowitz, dem Verleger der Zeitschrift „Apollo“, und wurde zur oberen Taxe von zwölf Millionen Dollar an einen anonymen Käufer am Telefon zugeschlagen.

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