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New Yorker Auktionen mit Fotografie : Neue Heimat gesucht

Eine wahre Ikonenflut offenbart die Vorschau auf die New Yorker Fotografie-Auktionen. Die Häuser Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury geizen nicht mit großen Namen. Sensationelle Bilder kommen einmal mehr von Diane Arbus.

          Noch vor zwei Jahrzehnten belächelt und noch vor zehn Jahren ein Sammelgebiet vor allem für Spezialisten, hat sich die Fotografie in jüngster Zeit zu einem Lieblingskind des Kunstmarkts entwickelt. Hinter der Handvoll früher Sammler, die sich einander mit Vornamen ansprachen, hat eine Massenbewegung begonnen - die nun von jenen Pionieren profitiert. Denn immer häufiger trennen sich diese von ihren Bildern und setzen sich mit einem eigenen Auktionskatalog ein beständiges Denkmal, bevor sie sich neuen Themen zuwenden. Bei den Frühjahrsauktionen in New York sind sechs der insgesamt elf Kataloge der Häuser Christie's, Sotheby's und Phillips de Pury auf diese Art entstanden - jeder eine geschlossene Welt, deren Teile nun in einem Gesamtangebot von mehr als 1100 durchweg großartigen Losen nach einer neuen Heimat suchen.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Man könnte glauben, dies ist die Zeit, sich von Fotografien zu trennen. Richtiger aber ist: Lange schon war das Angebot nicht mehr so überzeugend wie diesmal. Unter dem sorgsam zusammengetragenen Material finden sich Ikonen sonder Zahl und einmalige Meisterwerke, von deren Existenz man bestenfalls vom Hörensagen wusste. Vielleicht nie war es einfacher, eine eigene Sammlung bestechender Bilder zusammenzustellen. Voraussetzung freilich ist, dass man vor Preisen zwischen 100.000 und einer Million Dollar nicht zurückschreckt. Die überzeugendste Sammlung ist die des privaten Investment-Unternehmens "Quillan Company", die am 7. April bei Sotheby's versteigert wird und für die die Kunsthändlerin Jill Quasha vor ungefähr zwanzig Jahren in kurzer Zeit 99 Abzüge einzig unter ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt hat.

          Mit Sensationen darf gerechnet werden

          Es sind stille Bilder: leere Landschaften und Architekturen, reduzierte Stillleben und Akte sowie einige melancholische Porträts. Für Paul Strands "Rebecca" und Edward Westons "Nude" werden von Sotheby's nach den Erfahrungen des vorigen Herbstes je 600.000 bis 900.000 Dollar erwartet. Die vergleichsweise moderat angesetzten Stillleben mit Eiern von Paul Outerbridge (Taxe 70.000/ 100.000 Dollar) und leeren Schüsseln von Jaromir Funke (60.000/90.000) haben das Potential, für kleine Sensationen zu sorgen. Schwerpunkt der von Gerd Sander - unter Anspielung auf die Fabel - zusammengetragenen Sammlung "Corbeau et Renard" ist die Zeit der Klassischen Moderne. Phillips de Pury versteigert einen ersten Teil des Konvoluts am 9. April in New York; die zweite Hälfte wird am 17. Mai in London angeboten. Spitzenwerk des Katalogs mit vielen Aufnahmen der Neuen Sachlichkeit ist das berühmte Porträt des Malers Heinrich Hoerle, aufgenommen von August Sander im Jahr 1928: Der große Abzug mit einem Format von fast fünfzig mal sechzig Zentimetern ist auf 150.000 bis 250.000 Dollar taxiert.

          Mit zahlreichen Arbeiten von Rössler und Sudek, Funke und Drtikol liegt ein Schwerpunkt auf der tschechischen Fotografie, die in Amerika ganz offensichtlich immer höher eingeschätzt wird. Die Sammlung von Gert Elfering, dem früheren Besitzer der Berliner Galerie "Camera Work" bei Christie's am 10. April, konzentriert sich auf Mode, Akt und Prominentenporträts. Helmut Newton und Peter Lindbergh, Irving Penn und Richard Avedon sind umfangreich vertreten. Avedons "Brigitte Bardot" von 1959, das Motiv, das Andy Warhol als Vorlage für seinen Siebdruck diente, soll - bei einer Auflage von 35 großformatigen Abzügen - 80.000 bis 120.000 Dollar kosten. Newtons Diptychon mit einer Gruppe von vier Fotomodellen, die mal bekleidet, mal nackt auf die Kamera zulaufen, ist trotz des kleinen Formats von nicht einmal vierzig mal vierzig Zentimetern auf 140.000 bis 180.000 Dollar geschätzt. Auffällig am Gesamtangebot der drei Häuser ist die Konzentration auf prominente Namen.

          Zwei der Privatsammlungen beschränken sich sogar auf je nur einen Fotokünstler: auf Ansel Adams bei Christie's am 11. April mit etwa 120 Losen (Taxen von 4000 bis 350.000 Dollar) sowie Diane Arbus, ebenfalls bei Christie's am 10. April, mit fünfzig Abzügen, meist aus Auflagen (6000 bis 60.000 Dollar). Diane Arbus festigt in diesem Frühjahr ihre Position als Star am Fotomarkt. Bei ihrer ersten großen Ausstellung im Museum of Modern Art in New York, 1972, wurden die Fotos von Freaks und Seelenkrüppeln noch bespuckt. Jetzt hingegen stilisiert Phillips de Pury am 8. April die Entdeckung eines Konvoluts von gut zwei Dutzend Aufnahmen, die Arbus in dem Kuriositätenkabinett "Huberts Museum" von Riesen und Zwergen, Artisten und Tänzerinnen gemacht hat, zur kunsthistorischen Sensation. Viele der Bilder sind banal, aber Unikate, weshalb die Taxen bei 20.000 Dollar beginnen. Die schockierenden Motive sollen bis zu 120.000 Dollar bringen. Eines ihrer berühmtesten Bilder freilich, der Junge mit der Handgranate, soll, trotz der Auflage von 75, bei Sotheby's und Phillips bis zu 150.000 Dollar einspielen, der signierte Abzug des sonnenbadenden Ehepaars bei Sotheby's sogar bis 300.000 Dollar.

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