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Nachbericht: Auktionen in der Villa Grisebach : Der junge Mann geht ins Museum

Die Villa Grisebach in Berlin verzeichnet für ihre Auktionen einen Gesamtumsatz von 24 Millionen Euro. Hier ein Blick auf die wichtigsten Ergebnisse.

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          Die 150. Auktion im zweiundzwanzigsten Jahr ihres Bestehens bescherte der Villa Grisebach in Berlin 99 verkaufte Lose von 103 Werken in der Abendveranstaltung. Rege Beteiligung im Saal und per Telefon machten die drei Stunden mit dem konzentrierten Peter Graf zu Eltz am Pult zum immer wieder spannenden Geschehen. Gleich Losnummer 2 sah reges Engagement, obwohl die Schätzung nach oben auf mindestens 150.000 Euro korrigiert wurde. Und obwohl für das Ölgemälde nach der Einlieferung zur Auktion die Aufnahme in die Liste des nationalen Kulturguts beantragt worden war, was eine Ausfuhr untersagt: Carl Eduard Biermanns „Borsigs Maschinenbau-Anstalt zu Berlin“ aus dem Jahr 1847 ging dennoch für 245.000 Euro in den norddeutschen Handel. Berlins Stadtmuseum, in dem das großformatige Bild von 1981 bis 2007 als Dauerleihgabe der Eigentümer hing, hatte diese Inkunabel deutscher Industriedarstellung nicht finanzieren können - traurige Realität deutscher Museen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Immer wieder sind es die privaten Sammler, die das Geschehen bestimmen, kenntnisreich oder einfach kunstverliebt. So gingen Liebermanns kleine bezaubernde „Birken am Wannseeufer nach Osten“ in Öl auf Holz, bewertet mit 200.000 bis 300.000 Euro, für 420.000 Euro nach einem Gefecht im Saal an eine nordrhein-westfälische Privatsammlung. Eine ebenfalls dort beheimatete Kollektion sicherte sich Paula Modersohn-Beckers gerade 33,5 mal 27 Zentimeter messenden, intensiven „Kopf eines blonden Mädchens mit Zöpfen“ für starke 380.000 Euro (Taxe 200.000/ 300.000). Zuvor fiel in diese Auftaktphase der einzige Wermutstropfen überhaupt, der sang- und klanglose Rückgang von Menzels Gemälde „Zwei Friderizianische Offiziere im Gespräch“, ein melancholischer Austausch angesichts bevorstehender Schlacht (200.000/250.000).

          Macke für eine Privatsammlung

          Mit 430.000 Euro ließ Jawlenskys um 1905 gemalte, glühende „Sommerlandschaft - Korngarben“ ihre Schätzung von 200.000 bis 300.000 Euro deutlich hinter sich, dank des telefonischen Engagements eines Sammlers aus New York. Dennoch macht sich, so sagt Bernd Schultz, der schwache Dollar bemerkbar. Sein Haus habe das aber durch deutsches, schweizerisches und österreichisches Engagement kompensieren können. Das mag auch beim - mit 2,5 bis 3,5 Millionen Euro - höchsttaxierten Bild des Abends gelten, August Mackes „Frau mit Papagei in einer Landschaft“, entstanden im Juli 1914. Bei zwei Millionen Euro, wohl zum Limit, erhält der Kunstberater Jörg-Michael Bertz im Saal, gegen schweizerisches Untergebot vorn beim Auktionator, den Zuschlag für das charakteristische Werk, im Auftrag einer rheinischen Privatsammlung.

          Die übernächste Losnummer macht dann Furore: Drei Saalbieter eifern um Georg Tapperts japonisierend-expressionistische „Geisha-Revue“ von 1913. Als Sieger geht aus dem Ringen jener inzwischen wohlbekannte Grieche hervor, der immer wieder deutsche Auktionshäuser beglückt, indem er, stets für komödiantische Einlagen gut, für einen kunstliebenden Landsmann einkauft: 610.000 Euro heißt der Zuschlag an ihn, weit oberhalb der Taxe von 300.000 bis 400.000 Euro - ein Weltrekord für den Künstler, jawohl.

          Tischgesellschaft von Oskar Schlemmer

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