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Bücher : Mondfinsternis

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Newton mit Platznot und im Streit mit Leibniz: die Vorschau auf die Buchauktionen bei Hartung & Hartung in München.

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          Peter der Große war nicht nur Zar und Zimmermann, sondern befasste sich auch aktiv mit diversen Wissenschaften und empfing führende Forscher zum Gedankenaustausch. Einen London-Aufenthalt 1698 nutzte er, um Isaac Newton zu treffen, der am Tag zuvor die Einladung für „tomorrow before 12“ erhält. Solche Post bekam auch der berühmte Physiker und Mathematiker nicht täglich; er hob das Schreiben auf.

          Zwei Jahre später muss er dringend ein Stück Papier für Notizen gebraucht haben, jedenfalls stellt er auf dem hohen Brief astronomische Berechnungen an und listet Mondfinsternisdaten darauf. Doch Newton ist sichtlich bemüht, um den Brieftext herum zu schreiben. Bei Hartung & Hartung in München, die vom 3. bis zum 5. Mai Bücher, Manuskripte und Graphik versteigern, kommt das der Forschung angeblich noch unbekannte Autograph mit einer Taxe von 20.000 Euro unter den Hammer. Bei 10.000 Euro liegt ein neunzeiliges Fragment zu den „Questiones“, das Newtons erbitterten Streit mit Leibniz um die Urheberschaft der Infinitesimalrechnung anspricht.

          Auffallend schöne Miniaturen schmücken ein nordfranzösisches Stundenbuch der Zeit um 1475. Das Bild von Johannes, wie er im Beisein des Adlers auf einem winzigen Eiland ein Schriftband füllt, hat es bis auf den Katalogtitel geschafft (Taxe 26.000 Euro). Vom „Missale. . .Pragensis“, das Michael Wohlgemut bebilderte und Stuchs 1503 in Nürnberg druckte, ist nur noch ein weiteres vollständiges Exemplar in der Bibliothek Otto Schäfer bekannt. Im großartigen zeitgenössischen Einband veredelt dieses Los die Abteilung Alte Drucke, es erfordert um 30.000 Euro. Zwei der antijüdischen „buchlin“ von Johannes Pfefferkorn, der als Jude geboren wurde, konvertierte und als theologischer Eiferer massiven Ärger auf sich zog, sind vermutlich Erstdrucke von 1508 und liegen bei 4000 Euro.

          Im Angebot geographischer Bücher stecken alleine 71 Positionen zu Arktis und Antarktis aus einer Privatsammlung, darüber hinaus auch Mentelle und Chanlaires „Atlas universel“ mit mehr als hundert kolorierten physischen und politischen Karten von 1797 bis 1805, geschätzt auf 15.000 Euro. Dumont de Carlskroons „Batailles gagnées“ feiern die Siege des Prinzen Eugen, die Schlachtenmaler Huchtenburg auf prächtigen Kupferstichen verewigen konnte, denn er war dabei gewesen (6000).

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