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Moderne und Zeitgenossen : Kurt Schwitters fordert zum Tanz auf

  • -Aktualisiert am

Die Werke aus der Moderne sind stark, dagegen können die Zeitgenossen kaum was entgegen setzen: Das Angebot bei Lempertz ist deutlich durchwachsen. Doch eine Skulptur überstahlt alles.

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          Drei Kataloge präsentieren insgesamt 804 Lose, die bei Lempertz vom 30. Mai bis zum 1. Juni in der Frühjahrsauktion mit Moderne und Gegenwartskunst und Fotografie zum Aufruf kommen werden. Viele große Namen sind darunter, die jedoch meist mit kleinen Formaten oder mit Arbeiten auf Papier vertreten sind, so dass auffallend viele Höhepunkte bereits deutlich unter 100.000 Euro beboten werden können. Der Schwerpunkt liegt beim Angebot mit Klassischer Moderne und markanten Losen bei der Fotografie.

          Die Malerei wartet mit wenigen Überraschungen auf, dafür gibt es Gediegenes mit prominenter Signatur: Von Lovis Corinth kommt ein Blumenstrauß mit „Amaryllis, Flieder und Anemonen“ zum Aufruf, entstanden 1920. Aus der Nähe besehen, verschwimmt das Motiv in freiem Farbenspiel. Es ist mit einer Erwartung von 400.000 bis 500.000 Euro versehen und dürfte für reges Interesse sorgen. Auffällig ist zudem ein Blumenstillleben mit Fackellilie von Karl Schmidt-Rottluff aus dem Jahr 1956 (Taxe 120.000/130.000 Euro).

          Das Spitzenlos, eine Darstellung zweier strenger Kirchenfiguren, ein Mann und eine Frau in Frontalansicht aus dem Jahr 1913 von Emil Nolde, verlangt stolze 550.000 bis 650.000 Euro. Die beiden, nach sakralen Vorbildern entstandenen Figuren, seit dem Ende der fünfziger Jahre in rheinischem Privatbesitz, wurden für kommende Nolde-Ausstellungen angefragt.

          Zu den weiteren Höhepunkten der Gemälde-Offerte zählt eine „Straße auf Helgoland I“ aus dem Jahr 1924 von Arthur Segal. Das prismatisch aufgebrochene Motiv, das sich von der Leinwand auf den Rahmen ausdehnt, soll 100.000 bis 120.000 Euro einspielen. Von Lyonel Feininger kommt eine im Zusatz „Pulu’s Easter Egg“ genannte, spitzwinklige Architekturdarstellung vor einem türkis durchglühten Himmel; ein 1952 entstandenes Osterpräsent, dass sicher einen neuen Liebhaber finden dürfte (160.000/170.000).

          „Tänzer“ von Kurt Schwitters

          Eine echte Rarität wartet im Bereich Skulptur auf die Bieter: Im Jahr 1943 schuf Kurt Schwitters eine seiner wenigen Skulpturen, einen in sich verdrehten, taumelnden „Tänzer“ mit vier Armen und einer Art rotglühendem Wurmfortsatz statt eines Kopfes, halb Amöbe, halb Giraffe, halb Mensch. Die häufig ausgestellte, fast achtzig Zentimeter hohe, groteske Form erscheint aus jedem Winkel anders. Die Schätzung liegt bei 200.000 bis 250.000 Euro und dürfte ein spannendes Bietgefecht auslösen.

          Im Angebot mit Arbeiten auf Papier können die Bieter aus einer Fülle von Werken aller Epochen wählen. Hochrangige Einlieferungen bestücken den Surrealismus: Von Salvador Dal stammt das eindringliche Motiv „Industrial Life – Prémonition de la Guerre Civile“ aus dem Jahr 1937 (150.000/180.000), während Max Ernst sich verspielt zeigt mit einer „Loplop“-Variante mit Auster (50.000/55.000) sowie der Collage „Portrait d’Ami“ (35.000/40.000), Weitere Blätter werden von Jawlensky, Kandinsky, Müller, Rodtschenko und Louis Soutter angeboten.

          Höhepunkte bei der Fotografie

          Bei den Zeitgenossen, die am 1. Juni aufgerufen werden, vermisst man so viel Dichte. Die Höhepunkte sind auch hier im Bereich Skulptur zu finden. Ein „Achrome“ von Piero Manzoni streckt seine silbrigen, synthetischen Tentakel in alle Richtungen – diesmal jedoch, anders als vom Künstler vorgesehen, unter Plexiglas (450.000/ 500.000). Vom gern gehandelten Günther Uecker stammen zwei ungewöhnliche Objekte: ein geborstener Spiegel, in den der Künstler einen mehr als dreißig Zentimeter langen Nagel eingeschlagen hat (30.000/40.000) und ein geradezu technoid anmutender, von innen beleuchteter Stahlkasten (40.000/ 60.000).

          In der Sektion Malerei soll ein Rasterbild von Sigmar Polke aus dem Jahr 1993 130.000 bis 150.000 Euro einspielen. Prominent ist schließlich die Fotografie besetzt. Dreizehn der knapp 200 Lose haben es daher bis in die Zeitgenossen-Auktion geschafft: Nachdem Andreas Gurskys „Furkapass“ kurzfristig zurückgezogen wurde, stammen die wichtigsten Einlieferungen von Bernd und Hilla Becher, die zwei Sets mit Fördertürmen zeigen (je 20.000/ 40.000).

          Aber auch die Lose der historischen Fotografie, die bereits am 30. Mai aufgerufen werden, können sich sehen lassen: mit Abzügen von Lucia Moholy (Taxen von 500 bis 2000 Euro), T. Lux Feininger (600/800) und Umbo (2500/ 3000) ist Fotografie aus dem Bauhaus gut vertreten. Von Aenne Biermann wurde der einzige, bekannte Abzug eines „Knabenkopfes“ aus den Jahren 1929/30 eingeliefert (3900) und wartet nun auf zahlreiche Gebote.

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