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Moderne und Gegenwartskunst : Vernageltes Fußballtor

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Markante Spitzen muss man im Frühjahrsangebot von Van Ham in Köln suchen. Bei den Zeitgenossen gehört schon angesichts der Weltmeisterschaft in Afrika ein Nagelobjekt von Günther Uecker dazu - die Vorschau auf die Auktionen mit Gegenwartskunst und Moderne.

          Das Angebot an moderner und zeitgenössischer Kunst, das Van Ham in Köln für seine Auktion am 4. Juni akquiriert hat, besticht vor allem in der Breite: 850 Lose werden zum Aufruf kommen. Bei der Klassischen Moderne prägt ein Gemälde von Rudolf Bauer das Angebot, das durch schwebende geometrische Elemente besticht. „Pink Circle“ wurde erstmals bei der von der Mäzenatin und Künstlerin Hilla von Rebay zur Gründung der New Yorker Guggenheim Foundation organisierten Ausstellung „Art of Tomorrow“ im Jahr 1939 gezeigt, die sich ausschließlich nichtgegenständlicher Kunst widmete (Taxe 100.000/ 120.000 Euro).

          Eines seiner letzten Gemälde vor dem Verlassen der Gegenständlichkeit schuf der De-Stijl-Mitbegründer Georges Vantongerloo mit seinem flirrend-pointillistischen Selbstporträt aus dem Jahr 1916, das den zweiten Höhepunkt der Sektion bildet (120.000/160.000). Vertreten ist auch die russische Avantgarde: Von Kandinsky stammt ein ungewöhnlich dunkel eingefasstes, filigranes Aquarell (80.000/90.000), und ein paar „Rosa Alpenveilchen“ widmete sich Jawlensky (35.000/40.000). Die Arbeiten werden flankiert von einem kleinen Gemälde von Marianne von Werefkin aus dem Jahr 1909, das eine Szene im Café zeigt (50.000/70.000).

          Unter den Zeitgenossen sind eine ganze Reihe prominenter Namen mit ansprechenden Auftritten vertreten - in Form von ungewöhnlichen oder frühen Stücken, die für kaum kalkulierbares Bieterengagement sorgen könnten: Wie reagieren die Käufer etwa auf ein vernageltes Tor aus lose gezimmertem Holz, das Günther Uecker einst der Benefizauktion zur Rettung des Düsseldorfer Fußballclubs Fortuna stiftete (30.000/40.000)? Was wird für ein Fahrrad bezahlt werden, mit dem der afrikanische Künstler Meschac Gaba auf der elften Kasseler Documenta zur Fortbewegung anstiftete (1500/1800)? Und wer schätzt ein buntes Teppich-Unikat von Friedensreich Hundertwasser aus dem Jahr 1974 so hoch, dass es mehr als die angesetzten 15.000 bis 20.000 Euro einzuspielen vermag?

          Ungewöhnlich ist auch Ueckers „Stachelhaus für Stachelhaus“, ein Objekt, das genau seinem Namen entspricht: ein charmantes, stacheliges schwarzes Haus, auf dem sich ein wenig Morgenröte zwischen den wie Igelstacheln aufragenden Nägeln abzuzeichnen scheint. Das Werk, vom Künstler einst für den Kritiker Heiner Stachelhaus geschaffen, ist eines der Highlights bei den Zeitgenossen (90.000/120.000).

          Neo Rauchs „Der Sturz“

          Von Miquel Barceló fällt eine Arbeit von 1984 auf: Die collagierte Landschaft „Stille Tage in Portugal“ wird dominiert von haptischem Schwarz und leuchtendem Ultramarin (70.000/100.000). Vom Landsmann Eduardo Chillida stammt ebenfalls eine Collage, die sich naturgemäß zurückhaltender geriert. Zwei schwarze, an Hieroglyphen erinnernde Formen greifen von den Rändern her in den leeren Bildraum ein und sorgen für minimalistische Spannung; die „Collage Noir“ aus dem Jahr 1970 soll mindestens 30.000 Euro bringen.

          Einigermaßen überraschend dürfte für viele ein frühes Bild von Neo Rauch sein: Der „Sturz“, gemalt und eigenhändig gerahmt im Jahr 1989, atmet noch einen expressiven, rohen Gestus, dem die Verfeinerungen der letzten Jahre noch fremd zu sein scheinen - eine stürzende Figur, nur aufgefangen von einem dichten ziegelroten Hintergrund. Es bleibt abzuwarten, welche Begehrlichkeiten das auf 50.000 bis 60.000 Euro geschätzte, 1,9 mal 1,2 Meter messende Gemälde wecken wird.

          Eine nicht näher bezeichnete Firmensammlung des Titels „A Very Personal Collection“ versammelt schließlich größtenteils erschwingliche Auflagenwerke und Editionen, dabei einige der beliebtesten Namen der Gegenwartskunst: etwa eine großformatige Lithographie „Oedipus and the Sphinx“ von Francis Bacon aus dem Jahr 1984 (8000/10.000) oder auch markante Originale, wie zum Beispiel drei signierte Polaroids von Warhol (2000/3000).

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