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Moderne und Alte Kunst : Ein Deutscher in Florenz

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Das Porträt eines jungen Artistenpaars von Otto Mueller ist das Hauptlos der Auktionen mit Moderne und Alter Kunst bei Ketterer. Womit das Auktionshaus außerdem nach München lockt, zeigt die Vorschau.

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          Otto Muellers „Artistenpaar“ ist das herausragende Los der Kunstauktion bei Ketterer am 12. Dezember in München. Das Bild zeigt ein junges schwarzes Paar, nackt bis auf den Lendenschurz des Mannes, das sich in schutzsuchender Vertrautheit aneinanderschmiegt. 1910/11 gemalt, stammt das Werk aus bester „Brücke“-Zeit Muellers, die sich mit Gemälden auf dem internationalen Auktionsmarkt extrem rar macht; da wirkt die Taxe von 600.000 bis 800.000 Euro nicht überzogen. Dieselbe Technik, nämlich Leimfarbe auf Rupfen, benutzte Mueller 1928 auch für „Wald und Fluß“ (Taxe 90.000/120.000 Euro), während er einen „Stehenden weiblichen Akt“, der vor einem Gewässer am Baum lehnt, mit Aquarell und Kreiden auf einem ausgezeichneten, auf rund 80.000 Euro geschätzten Blatt fixiert.

          Wenige Jahre bevor auch Kandinsky mit seinen „Blauer Reiter“- Freunden die Malerei expressionistisch aufmischte, entstand sein „Park im Herbst“ als dichtes Gespachtel feuergoldener Töne (190.000/220.000), Gabriele Münter notierte „Kandinsky“ aufs Bild - und wenn nicht alles täuscht, hat sich sein Fingerabdruck in der Farbe erhalten. Lange nach dem gemeinsamen „Blauer Reiter“-Abenteuer hingegen malte Jawlensky seine formelhaft verdichteten abstrakten Köpfe: Das angebotene, dunkel leuchtende Exemplar von 1932 trägt eine Widmung an Lisa Kümmel, die Gefährtin der späten Jahre in Wiesbaden (100.000/ 150.000). Der Schwedin Adga Holst in „inniger Verehrung“ überließ Herzensbrecher Jawlensky dann eine seiner noch weiter, zur Reihe der „Meditationen“ reduzierten Gesichtsikonen (30.000/40.000).

          Ein frühes Gemälde von Beckmann

          Max Beckmann hat 1913 „Idioten“ gemalt, eine rätselhafte, expressiv aufgebrachte Szene mit zwei Kranken im Vordergrund. Klaus Gallwitz bemerkte zu diesem Frühwerk, wie es sich deutungssüchtigem Lesen entziehe, weise es bereits den Befund auf, der Beckmanns Ikonographie bis zu seinen späten verschlüsselten Bildern kennzeichne (140.000/180.000). Zeichnungen von Klimt, von Kirchner und George Grosz nobilitieren den Papierbereich, doch krönt ihn ein Exemplar von Noldes seltener Farblithographie der nackten „Tänzerin“ in wilder Ekstase (100.000/150.000). Wieder dabei ist Hans Bolz, für den Ketterer schon mehrfach Spitzenergebnisse verbuchte, allerdings für Bilder, mit deren Kaliber jetzt weder die hübsche Straßenszene vom Montmartre noch das Bildnis einer Frau mit Hut mithalten kann.

          Das Angebot an Kunst von 1945 bis heute umfasst knapp hundert Lose und startet inhaltlich bei Baumeister, Winter, Schumacher, Hartung, Goetz und Geiger und faktisch mit einem „Weißen Relief mit blauen Zonen“ von Heinz Mack (14.000/18.000). Sein Zero-Gefährte Günther Uecker benagelte 1977 ein Quadrat von 120 Zentimeter Kantenlänge zu einem optisch wogenden „Feld“ (80.000/ 120.000), und Hanne Darboven bricht Ende der sechziger Jahre mit einem großformatigen Zeichnungspaar in minimalistische Ordnungssysteme auf (24.000/28.000).

          Das Motto des Tages: „Kunst ist zu verkaufen“

          Frühe Kopffüßler und eine Taube bevölkern Horst Antes' „Großes blaues Bild“ von 1963 (100.000/150.000); ein blonder Akt mit Rose schmückt Wesselmanns Aquarellstudie für eine Lithographie, und verso prangt eine persönliche Widmung an seine Frau Claire (60.000/ 80.000). Aus Kippenbergers Grisaille-Serie „Uno di voi, un tedesco in Firenze“ kommt eine Ansicht des Ponte Vecchio plus Straßenlaterne zum Aufruf, zur Taxe von 40.000 bis 60.000 Euro. Das Motto des Tages schrieb Ben Vautier schon 2000 in Rot auf Leinwand: „Kunst ist zu verkaufen“ (15.000/18.000).

          Den Auktionstag eröffnet die Ältere Kunst, die eine Premiere auf dem deutschen Markt präsentiert: Medardo Rossos „Bambina che ride“, das Köpfchen des lachenden kleinen Mädchens, das Rosso 1889 in Wachs porträtierte, seinem ureigenen Material. Eigenhändig goss er es in Bronze - wohl nur ein einziges Mal, vermutet der Katalog, der das kostbare Stück aus sächsischem Privatbesitz bei 30.000 bis 50.000 Euro ansetzt. Teurer soll ein Kampf der Gewalten werden: Friedrich Wilhelm Kuhnerts vor Ort und selbst beobachtetes Löwenpaar beim Angriff eines Kaffernbüffels wirkt auf seiner zwei mal drei Meter großen Leinwand wie Kino (90.000/120.000).

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