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Moderne Kunst, Design und Afrikana : In der nächtlichen Stadt

  • -Aktualisiert am

Von alter kongolesischer Kunst über Sozialistischen Realismus bis in die chinesische Gegenwart: Eine umfangreiche und hochwertige Offerte wartet bei Neumeister in München auf breites Interesse. Ein Blick in die Kataloge.

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          Neumeister in München wickelt am 26. Mai ein interkontinentales Programm ab. Noch vor dem Aufruf einer Sammlung chinesischer Kunst bei den Zeitgenossen und von Afrikana im eigenen Katalog sehen wir gleich eingangs, bei Design und Kunsthandwerk, den legendären Transatlantik-Liner „Normandie“ die Neue Welt erreichen: Gemalt auf einem zwölfteiligen Paravent gleitet er die Skyline von New York entlang.

          Dorthin brauchte das in Le Havre gestartete Superschiff auf seiner Jungfernfahrt 1935 nur vier Tage und drei Stunden - und sieben Meter misst dieser damals in Frankreich bemalte Raumteiler (Taxe 12.000/15.000 Euro), das Hauptlos einer kleinen Art-déco-Sammlung des Travestiestars Bob Lockwood. Das Plakat, worauf Tina Turner dem 1989 tödlich verunglückten Entertainer attestierte, „the only other Tina“ zu sein, liegt bei 150 bis 200 Euro. Aus anderen Einlieferungen stammen eine Stehlampe mit Bronzefuß und grünem Glasschirm der New Yorker Tiffany Studios (8000/12.000) und viel europäischer Jugendstil.

          Papierarbeiten und Plastiken dominieren die ausgewählten Werke: Ganz oben rangiert Matisses mit dem Bleistift skizzierte, ein Buch auf dem Schoß haltende „Jeune femme assise dans un interieur“von 1947; sie ist auf 190.000 bis 220.000 Euro beziffert. Farbfrisch zeigt sich Kirchners Aquarell seiner Schweizer Wahlheimat am „Wildboden“ in Davos. Das Blatt gehörte einst seinem Arzt Fréderic Bauer und soll 130.000 bis 150.000 Euro kosten.

          Etwa im gleichen Bereich liegen Noldes Bauernhof in der Marsch unter schweren Gewitterwolken, mit zwei Echtheitsbestätigungen der Nolde-Stiftung in Seebüll und Hannah Höchs Aquarell römischer Erinnerungssplitter an Architektur, Palmen und Priester. Otto Dix schenkte seiner Tochter Nelly einen aquarellierten Weitblick auf den Hegau zum 23. Geburtstag (8000/10.000); sein hockender weiblicher Rückenakt von 1932 stammt aus dem ehemaligen Besitz des Kölner Sammlers Josef Haubrich (36.000/40.000).

          „Melkerinnen“ Long Liyou

          Von Arnold Topp steht eines der seltenen Ölbilder zum Verkauf: Die reizvolle, kubistisch komponierte „Nächtliche Stadt“ liegt bei 45.000 bis 48.000 Euro. Eine Zeichnung und zwei Aquarelle von Baselitz (von 15.000 Euro an) repräsentieren Zeitgenössisches, desgleichen Plastiken von Gerhard Marcks, Michael Croissant und Lothar Fischer sowie ein 1997 genageltes „Feld“ von Günther Uecker (100.000/120.000).

          Folgen Long Liyous in Wattejacken gepackte „Melkerinnen“ (20.000/25.000) noch der Maxime des sozialistischen Realismus, so reflektieren die meisten Bilder einer Sammlung chinesischer Gegenwartskunst aus der Umbruchphase nach Maos Tod und vor den brutalen Ereignissen 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens die Auseinandersetzung mit westlicher Abstraktion, mit Surrealismus und Pop-Art. Künstler wir Liang Quan, Zhou Changjiang oder Gu Liming stehen für diese Vielfalt; Spitzenlos der Kollektion ist Sun Liangs von Monstern und Skeletten bevölkerter Kerker-“Albtraum“ mit einer Erwartung von 130.000 bis 150.000 Euro.

          Nur fünf Masken des kongolesischen Stamms der BenaLulua sind laut Afrika-Katalog bekannt, eine davon schmückt seinen Titel. Metallener Nasenring und helle brillenförmige Umrahmung der Augen geben dem dunklen Gesicht seinen besonderen Ausdruck (40.000/50.000). Auch ein großer Dorffetisch der Songye (40.000/ 60.000), ein Karyatidenhocker der Hemba mit René-Rasmussen-Provenienz (38.000/ 40.000) oder eine expressive stehende Männerfigur der Dogon (35.000/50.000) dürften einiges Interesse an der hochwertigen Offerte wecken.

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