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Moderne Kunst, Afrika, Design : Saint-Tropez noch ohne die Bardot

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Ein spielerisch-luftiges Aquarell von Wassily Kandinsky wird beim Auktionshaus Neumeister in München zum teuersten Los. Ein Mädchenakt zwischen Baumstämmen von Otto Mueller schafft es auf den zweiten Platz: der Nachbericht.

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          Rund fünfzig „Ausgewählte Werke“, die man aus den Einlieferungen an Moderner Kunst für einen Sonderkatalog extrahiert hatte, versteigerte Neumeister in München nach der Afrikana-Offerte und vor der Hauptauktion, die auch Design anbot. Volle Fahrt voraus nahmen Kandinskys Schiffchen Kurs auf Platz eins, wohin es das kleine rosagrundige Aquarell mit einem Hammerpreis von 220.000 Euro auch tatsächlich schaffte, als ein deutscher Privatsammler für das spielerisch luftige Spätwerk von 1940 noch über die obere Taxe ging.

          Mit Otto Muellers aquarellierter Kreidezeichnung eines nackten Mädchens zwischen Baumstämmen, einem echten Motivklassiker des Brücke-Künstlers, belegte eine weitere Papierarbeit Platz zwei bei 135.000 Euro, die rheinischer Handel im unteren Schätzungsbereich bewilligte. Auch bei Corinths „Urteil des Paris“, einer quirligen Hommage an weibliche Erotik, hielt sich der Zuschlag an den Handel mit 65.000 Euro an die Erwartung.

          Konstantin Gorbatov, ein Vertreter des russischen Postimpressionismus und gefragt für sonnensatte Italienbilder, verbuchte 22.000 Euro (Taxe 20.000/30.000) für seinen leuchtenden „Monte Solaro auf Capri“. „St. Tropez“, das 1918 bei Moise Kisling noch aussieht wie das alte Fischerdorf, das es blieb, bis Brigitte Bardot & Co. dort Spaß haben wollten, zog, stark umworben, auf 23.000 Euro (12.000/ 15.000) an. Unerwartet gut kam später eine vitale informelle Tuschezeichnung Georges Mathieus aus dem Jahr 1958 an, die von 800 auf 7000 Euro preschte. Das Hauptlos im Zeitgenossen-Bereich, ein von Günther Uecker 1998 genageltes „Feld“, blieb bei einem Vorbehalt von 140.000 Euro hängen.

          Aus der heutigen Demokratischen Republik Kongo stammen beide Preissieger der Afrika-Auktion, und gemeinsam ziehen die mit Linienschnitten bedeckte Maske der Kifwebe-Gesellschaft der Songye, die 42.000 Euro (40.000/50.000) einspielte, und die männliche Zauberfigur der Teke, die auf 13 500 Euro (8000/12.000) stieg, in eine Sammlung nach Österreich. Künstlerentwürfe beherrschten den Angewandten Bereich zu Auktionsbeginn: Franz von Stucks noch ganz dem 19. Jahrhundert verpflichteter metallener „Nautiluspokal“ erzielte hier 5700 Euro (3200/ 3500) und das Unikat einer weiblichen Aktfigur von Max Laeuger, der als Keramiker zwischen Gefäß- und freier Kunst navigierte, 5500 Euro (4500/5000).

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