https://www.faz.net/-gyz-xtnk

Modefotografie und Bücher : Für die betuchte Pariserin

Gewagte Hüte, ausladende Röcke: Neben seltenen und schönen Büchern sind Modefotografien ein Schwerpunkt der Auktion bei Hauff & Auvermann in Berlin - und Aufnahmen der schönsten Frau der dreißiger Jahre.

          2 Min.

          Als „Ikone der Print-Werbung im Art déco“ kündigt das Berliner Auktionshaus Hauff & Auvermann ein Spitzenlos im Rahmen der Versteigerung von knapp fünfhundert „Seltenen und schönen Büchern“ am 15. Januar an. Im Jahr 1927 bei den legendären Draeger Frères in Paris gedruckt, wendeten sich die sieben Reproduktionen nach Originalen von Jean Dupas mit einem vertraulichen „Toi“ an die betuchte Kundin des

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Haute-Couture-Pelzhauses Max A. Leroy. Ein Windhund, der sich in das weiche Fell eines großzügig geschnittenen Capes schmiegt, gehörte zu den Statussymbolen der modebewussten Pariserin und schmückt das Titelblatt von „Toi“. Mit einfühlsamen Texten der damals vielgelesenen Literatin Colette komplettiert, ist diese Rarität auf 4500 Euro geschätzt.

          Zwei elegante Hunde begleiten 1913 auf dem von Auguste Roubille entworfenen Titelblatt der Zeitschrift „Das Plakat“ (Taxe 600 Euro) ihre in eine Bluse mit Trompetenärmeln gehüllte Herrin. Für dasselbe Periodikum schuf Emil Preetorius einen Beau mit schleifengeschmücktem Vierbeiner, während der Porzellandesigner Paul Scheurich einen mephistophelisch blickenden Kaffeehausbesucher in pechschwarzem Habit festhielt.

          Die modischen Kapriolen der fünfziger und sechziger Jahre bezeugen sechs auf jeweils 600 Euro geschätzte Vintages der seinerzeit hochgefragten Fotografin Regine Relang. Ein Abendkleid von Roberto Capucci, ein adrettes Straßen-Ensemble von Jacques Fath und ein ausladender Sommerrock von Emilio Pucci begleiten zwei gewagte Hutkreationen von Elsa Schiaparelli und Hubert de Givenchy.

          Von Dora Kallmus alias Madame D'Ora in einem rückenfreien „Kleinen Schwarzen“ porträtieren ließ sich Anfang der dreißiger Jahre die Baronesse Gisela von Krieger, eine der zehn schönsten Frauen ihrer Zeit. Sechs Originalfotos aus ihrem Nachlass sind für 800 Euro im Konvolut enthalten.

          Freiherr von Minutoli berichtet aus Ägypten

          Weitaus teurer angesetzt ist mit 18.000 Euro eine Zusammenfassung des Raupen- und Blumenbuches der Frankfurter Kupferstecherin Maria Sibylla Merian in der holländischen Ausgabe aus dem Jahr 1730. Mehr als zweihundert Abbildungen teilweise exotischer Pflanzen offeriert der „Hortus Medicus“ des Johannes Commelin. Es soll 15.000 Euro einspielen. Prächtige Exemplare „ausländischer und seltener“ Vögel enthält das auf 7500 Euro geschätzte ornithologische Kompendium des Johann Michael Seligmann, Nürnberg, 1749/51.

          Unter den siebzig Losen der Sektion „Geographie und Reisen“ gebührt die höchste Aufmerksamkeit dem Expeditionsbericht des Freiherrn von Minutoli. Noch vor Richard Lepsius war der gebürtige Italiener im Auftrag des preußischen Königshauses nach Ägypten gereist, um sich nach Altertümern für die Berliner Museen umzusehen. Sein für 15.000 Euro angebotenes Hauptwerk, die Beschreibung des Jupiter-Tempels in der libyschen Wüste, erschien bereits 1824.

          Ein Spätwerk von Max Ernst

          Den Textband ergänzen 38 Lithographien mit Darstellungen von Bauwerken, Reliefs, Sarkophagen, Mumien und Grabbeigaben. Den landschaftlichen Schönheiten der Nil-Region galt drei Jahrzehnte später die Aufmerksamkeit der Reisegefährten Adalbert von Barnim und Robert Hartmann, die einen Textband und ein Tafelwerk mit Darstellungen der Naturwunder und Antiken hervorbrachte (zusammen 6000 Euro).

          In der Abteilung „Moderne Literatur und Kunst“ fällt mit einem Schätzpreis von 15.000 Euro ein Exemplar der Vorzugsausgabe von Max Ernsts Illustrationen zu Georges Ribemont-Dessaignes „Ballade vom Soldaten“ auf, einem 1972 in Vence erschienenen Spätwerk des Schöpfers der Kunstfigur „Loplop“. Ein Album mit 32 Fotos der partiell von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich gestalteten, 1934 bereits nationalsozialistisch instrumentalisierten Ausstellung „Deutsches Volk - Deutsche Arbeit“ ist mit 4500 Euro ausgezeichnet.

          Weitere Themen

          Wiedererweckung eines Genres Video-Seite öffnen

          Filmkritik „1917“ : Wiedererweckung eines Genres

          Mit dem Kriegsfilm „1917“ belebt Regisseur Sam Mendes ein Genre wieder, dem durch seine Erzählweise ein neuer Zugang zum Ersten Weltkrieg ermöglicht wird. F.A.Z.-Redakteur Andreas Kilb beschreibt, wie Mendes dieser Spagat gelingt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.