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Medaillen der Renaissance : Vorn das Porträt, hinten die Grazien

  • -Aktualisiert am

Medaillen sind ein ganz besonderes Sammelgebiet. Jetzt werden einige der wertvollsten in London versteigert. Ihre Preise scheinen keine Obergrenzen zu kennen.

          Im Gegensatz zu Münzen, die meist klein und flach sind, damit sie bequem ins Portemonnaie passen und sich leicht stapeln lassen, sind Medaillen ausladend und bieten dem Medailleur die Möglichkeit, seine Kunst im höheren Relief zur Schau zu stellen. Die Entwicklung der Porträtkunst seit der Renaissance lässt sich an Medaillen auf's Schönste verfolgen, aber auch die Rückseiten entfalten ihren Zauber. Da finden sich wundersame Allegorien und Tempelarchitekturen, Ritter und Elefanten, Engel und Einhörner.

          Eine sensationelle Gruppe italienischer, französischer, deutscher und holländischer Renaissance-Medaillen kommt am 9. Dezember bei Morton & Eden in London zur Auktion. Sie stammen aus der Sammlung des New Yorker Münzhändlers und Sammlers Lawrence R. Stack und werden sämtlich ohne Limite angeboten. Zusammen sollen sie rund zwei Millionen Pfund erzielen. Es handelt sich um die bedeutendste Auktion ihrer Art, seit Christie's in London 1936 die in Fachkreisen berühmte Henry Oppenheimer Collection versteigerte.

          Erwerbungen aus den vergangenen zehn Jahren

          Unter den rund 350 Stücken sind viele Inkunabeln der Medaillenkunst, zum Beispiel vier Bronzegüsse von Pisanello, der das Medium der Medaille in den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts zu neuem Leben erweckte. Pisanello hat verschiedene Protagonisten der italienischen Frührenaissance porträtiert, etwa Leonello d'Este, den kunstsinnigen Markgrafen von Ferrara und dessen Schwiegervater Alfonso V. von Aragon, König von Sizilien, oder den Humanisten Vittorino de Feltre. Die Schätzungen bewegen sich dafür im Rahmen von 50.000 bis 100.000 Pfund. Aber schon für wenige hundert Pfund sind hinreißende Frauenbildnisse auf kleinen ovalen Medaillons im Angebot, die aussehen, als seien sie Gemälden von Botticelli oder Ghirlandaio entstiegen.

          Die meisten Stücke, die Lawrence Stack nun einliefert, hat er erst in den vergangenen zehn Jahren erworben - und dabei nicht gespart. Als zum Beispiel im Dezember 2005 bei Morton & Eden hochkarätige Stücke aus dem Nachlass von John R. Gaines versteigert wurden, suchte er sich die besten aus. Stack bewilligte 170.000 Pfund für die prächtige Silbermedaille, die Albrecht Dürer und Hans Krafft der Ältere 1521 im Auftrag der Stadt Nürnberg für den geplanten Besuch Kaiser Karls V. geschaffen haben. Von ihr sind nur elf Silbergüsse bekannt; neun von ihnen befinden sich in Museen wie der Staatlichen Münzsammlung München und dem Kunsthistorischen Museum in Wien (150.000/200.000).

          Ein Porträt der Königin aus dem Hochzeitsjahr

          Hans Reinharts große Silbermedaille mit der filigranen Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit wurde 1544 in Leipzig gegossen. Sie geht auf einen Auftrag des Kurfürsten Moritz von Sachsen zurück, der versuchte, zwischen Protestanten und Katholiken zu vermitteln. Es ist eine der detailfreudigsten und berühmtesten deutschen Medaillen des 16. Jahrhunderts, nun geschätzt auf 100.000 bis 150.000 Pfund. Vor vier Jahren hat dieses Stück aus der Gaines Collection, bei einer Taxe von 40.000 bis 60.000 Pfund, 140.000 Pfund erzielt.

          Das Spitzenlos ist eine äußerst seltene Goldmedaille mit dem Porträt der englischen Königin Maria I. Tudor, auch „die Blutige“ genannt, von Jacopo da Trezzo aus dem Jahr 1554, dem Jahr ihrer Hochzeit mit dem zukünftigen König Philipp II. von Spanien. Nur ein einziges weiteres Exemplar der Medaille ist bekannt, es liegt im British Museum in London. Das leicht verbissene Profil und die strenge Haube der katholischen Königin stehen im Gegensatz zu ihrem üppigen Schmuck und Prachtgewand. Auf der Rückseite wird sie mit einer waffenverbrennenden Allegorie des Friedens gefeiert und verspricht in der Umschrift „CECIS VISUS - TIMIDIS QVIES“: den Blinden Sehkraft, den Ängstlichen Ruhe. Mit 210.000 Pfund erzielte sie vor vier Jahren den höchsten Hammerpreis, der je für eine Medaille bewilligt wurde. Jetzt steht die Taxe bei 200.000 bis 300.000 Pfund.

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