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Mai-Auktionen: Villa Grisebach : Blicke, die es in sich haben

Die Frühjahrsauktionen der Villa Grisebach in Berlin - jetzt im eigenen Domizil - schüren einige Erwartungen. Wie sollte es auch anders sein, wenn Max Beckmann, Emil Nolde und Otto Mueller zum Aufruf kommen?

          Rund 1300 Positionen hat die Berliner Villa Grisebach in ihren acht Katalogen für die Auktionen vom 29. Mai bis zum 1. Juni festgehalten, mit einer Gesamtschätzung von mehr als siebzehn Millionen Euro. Das ergäbe einen durchschnittlichen Hammerpreis von 13.000 Euro pro Los, um einmal eine kuriose Rechnung aufzustellen. Solchen Erwägungen stehen selbstredend die Spitzenwerke entgegen, die das Haus zuschlagen kann, jetzt im eigenen Domizil. Denn gerade haben Bernd Schultz und seine Gesellschafter gemeinsam mit einer Stiftung zugunsten von Hans Pels-Leusden die zwei Gebäude in der Fasanenstraße - die Villa Grisebach selbst und daneben das Käthe-Kollwitz-Museum - von der Deutschen Bank erworben.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Wie bisher in der Villa kommt das eindrucksvolle Frühjahrsprogramm mit Moderne und Gegenwart, mit 19. Jahrhundert und Fotografie zum Aufruf, samt der jungen Spezialität „Orangerie“. Spitzenstück des gesamten Angebots ist - da ist das Berliner Haus ganz in seinem Element - eine, was Wunder: gewittrig dramatische „Landschaft (mit Regenwolke)“ in Öl auf Leinwand, gemalt von Emil Nolde 1925 und aus zuletzt süddeutschem Privatbesitz, die schon vom Frankfurter Städel für die Nolde-Retrospektive im kommenden Jahr angefragt ist; die Schätzung von einer bis 1,5 Millionen Euro trägt dem zu erwartenden Interesse, längst nicht mehr nur aus Deutschland, angemessene Rechnung.

          Doch da sind noch andere Augenfänger: Ein eigener Katalog gilt diesmal „Max Beckmann. Aus dem Atelier des Künstlers. Druckgraphik für Quappi“, der für viel Aufmerksamkeit sorgt. Es handelt sich um 82 feine Blätter, oft Probeabzüge, deren überwiegenden Teil Beckmann seiner zweiten Frau Mathilde von Kaulbach handschriftlich zugeeignet hat und aus deren Nachlass sie kommen. Darunter findet sich als Spitzenlos der einzig bekannte Abzug des dritten Zustands vom Holzschnitt „Gruppenbildnis Edenbar“ aus dem Jahr 1923, taxiert auf 40.000 bis 60.000 Euro. Hinschauen lassen auch die - laut Katalog einzig bekannten - Abzüge zweier Kaltnadelradierungen um 1929/33: eines beinah verträumten „Selbstbildnisses“ und einer sinnenden jungen „Liegenden Frau“, neben ihr ein Buch, auf dem in Spiegelschrift „frank“ zu entziffern ist, Hinweis vielleicht auf den Entstehungsort (Taxen je 8000/12.000 Euro).

          Ganz andere lockt Liebhaber der „Orangerie“-Katalog mit seinen Spielarten des Kunsthandwerks: Bis heute gedankt sei jener unter „Provenienz“ verzeichneten, unbekannten Person, die aus Josef Zottis, des Schülers von Josef Hoffmann, Inneneinrichtung des Wiener „Café Museum“ beim Abriss 1930 eine der dort hängenden „Kugelleuchten“ rettete. Diese erscheint nun als gewissermaßen Vorläuferin aller Disco-Kugeln, freilich kostspieliger (10.000/12.000).

          „Berlinisch“ wird’s auch mehrfach, etwa mit einem hübschen Câchepot der Königlichen Porzellanmanufaktur, den ein Grisaillefries mit der „Erziehung des Bacchus“ ziert (14.000/16.000). Wer schließlich ein Lovis-Corinth-Feeling um sich haben will, der kann die Staffelei des Meisters aus, im Katalog dokumentiertem, Familienbesitz erwerben (2000/3000). Derartige Sachen sind nicht selten charmante Zeugnisse und Zeugen schöpferischer Kraft, aus der heraus (auch) entsteht, was der Hauptkatalog „Ausgewählte Werke“ am Nachmittag des 30. Mai bereithält.

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