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Mai-Auktionen in New York : Die Milliarde muss doch drin sein

  • -Aktualisiert am

New York fiebert zwei heißen Auktionswochen entgegen - mit Christie’s und Sotheby’s im Überbietungsspiel mit Werken von Richter, Picasso und Pollock. Phillips will auch mitmachen und hat Warhols „Four Marilyns“ zu bieten.

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          An Aufregung herrscht derzeit auf dem New Yorker Kunstmarkt wahrlich kein Mangel. Und das hat erst mal nichts mit Kunst zu tun. Zuletzt gingen die Wogen hoch, als das FBI die Galerie von Helly Nahmad auf der Madison Avenue heimsuchte und ihn selbst, Spross aus wohlbekanntem, weltweit operierendem Händlerclan, mit Geldwäsche, Glücksspielen und anderen Übungen der russischen Mafia in Verbindung brachte. Anklage wurde inzwischen am Bundesgericht in New York erhoben.

          Dann war und ist da die Sache mit Steven Cohen, einem der märchenhaft reichen Hedgefondsmanager und entsprechend aktiven Kunstsammler, dem offenbar Insidergeschäfte zugetraut werden. Während Mitarbeiter schon angeklagt wurden oder sich sogar schuldig erklärten, entzieht sich Cohen bisher mit einem hübschen Settlement in dreistelliger Millionenhöhe den Nachstellungen aus Washington. Aber wie lange noch?

          Lieber kaufen als verkaufen

          Die nächste Frage heißt, wie sich das alles auf die Frühjahrsauktionen auswirken mag. Werden die Nahmads lautstark, wie gewohnt, Leben und Geld in die Auktionssäle bringen? Wird Cohen sich zumindest über Telefon oder einen genauestens präparierten Stellvertreter bemerkbar machen? Für die Auktionshäuser bieten sich zudem Herausforderungen in einer Zeit, in der Kunst als Geldanlage hochgeschätzt ist, der Enthusiasmus der Käufer darum aber den der Verkäufer locker übertrifft. Wer nicht verkaufen muss, behält lieber seinen Rothko oder Pollock, und belebt wird das Geschäft diesmal auch nicht durch den Nachlass eines legendären Sammlers.

          Trotzdem kann sich sehen lassen, was in den nächsten zwei Wochen bei Christie’s und Sotheby’s unter den Hammer kommt. Ein Gesamtumsatz, der wie im Herbst die Milliardengrenze übersteigt, ist durchaus denkbar, auch wenn die Kritik an den Garantien, die das Geschehen nicht eben transparenter machen, keineswegs verstummen will.

          Als einen der Stars im Impressionismus- und Modernereigen hat Christie’s sich für den 8. Mai André Derains „Madame Matisse au Kimono“ gesichert, ein 1905 entstandenes Porträt, das im Fauves-Farbrausch praktisch von der Leinwand springt. Dabei sitzt Amélie Matisse, Henris Frau, in sich versunken neben einem Tisch, gehüllt in einen blau gemusterten Kimono, den sie oft trug, in der Hand einen roten Fächer - aber dahingeworfen mit Dynamitstäben, wie Derain sie in seiner Palette aufzuspüren meinte. Zwei Sommer verbrachte er mit den Matisses am Mittelmeer beim Angeln und Malen. Der Skandal, den ihre Farbexplosionen im Pariser Salon d’Automne auslösen sollten, stand noch bevor. Jetzt liegt der Schätzpreis des Bildes zwischen fünfzehn und zwanzig Millionen Dollar.

          Noch höher taxiert, nämlich auf sechzehn bis 22 Millionen Dollar, ist Chaim Soutines „Le petit pâtissier“, ein kleiner trauriger Zuckerbäcker, der den Christie’s-Katalog ebenso zieren darf wie den Catalogue raisonné des Künstlers. Mit diesem und fünf weiteren Konditoren, die Soutine expressionistisch unter Spannung setzte, schaffte er in den zwanziger Jahren den internationalen Durchbruch, kräftig unterstützt von Albert Barnes, dem exzentrischen amerikanischen Sammler, der ihm 21 Gemälde abkaufte.

          Zwischendurch werden bei Christie’s elf Picassos aufgerufen, darunter „Mandoline et portée de musique“, ein fast monochromes Stillleben in Brauntönen von 1923 (Taxe 8/12 Millionen Dollar) und „Femme assise en costume rouge sur fond bleu“, ein Porträt seiner Geliebten Françoise Gilot, deren kubistischem Profil er das seine hinzufügte (7/10 Millionen). Mirós biomorphe Abstraktion „Peinture“ soll zehn bis zwölf Millionen bringen, Légers „Nature morte (Les camées)“ vier bis sechs Millionen und seine „Deux figures“ drei bis fünf Millionen Dollar: Diese zwei antik anmutenden Frauenfiguren, die eine hell-, die andere dunkelhäutig, hatten sich bislang in der Villa des klassischen Hollywood-Stars Gregory Peck und seiner Gemahlin Véronique Passani umarmen können.

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