https://www.faz.net/-gyz-79723

Mai-Auktionen bei Lempertz : Hoffen auf eine gute Ernte

  • -Aktualisiert am

Lempertz in Köln sieht den Höhepunkten des Frühjahrs entgegen. Ein Blick auf das Angebot mit Moderne und Gegenwartskunst, darunter ein Teil der Sammlung Rau. Das Spitzenlos aus China offenbart neue Tendenzen.

          3 Min.

          Den Auftakt der Versteigerung mit Werken der Moderne bei Lempertz in Köln macht am Vormittag des 25. Mai ein Konvolut mit 25 Losen aus der Sammlung des Arztes und Kunstsammlers Gustav Rau, das Unicef Deutschland versteigern lässt. Die Organisation hat die Kunstsammlung Raus nach dessen Tod im Jahr 2002 geerbt. Insgesamt 533 Gemälde und Skulpturen der Rau-Kollektion kommen in diesem Frühjahr zur Auktion, die weiteren Tranchen bei Sotheby’s und Bonhams in London.

          Neben Werken französischer und belgischer Pointillisten fallen in dem Lempertz-Konvolut insbesondere jene Künstler auf, die den Blick nach Asien richten. Im Jahr 1901 malte Max Slevogt das Porträt der japanischen Tänzerin Kawakami Sadayakko, die mit ihren Auftritten zu jener Zeit vor allem unter Künstlern für Aufsehen sorgte. Slevogt hielt sie und ihren Ziehsohn Raikichi in traditionellen Kimonos fest; Kawakami Sadayakko hat das Bild dann auch selbst japanisch beschriftet (Taxe 250.000/ 300.000Euro).

          Ein Selbstbildnis des aus Tokio stammenden, in Frankreich bekannt gewordenen Künstlers Léonard Tsuguharu Foujita mit seiner Katze Mickie scheint über der rosenholzfarbenen Seide, auf die es in Paris im Jahr 1926 gemalt wurde, zu schweben. Das so ikonische wie ironische Porträt mit der vorwitzigen Katze war das erste einer Reihe von Selbstporträts des 1968 gestorbenen Künstlers (100.000/150.000).

          Im weiteren Moderne-Angebot, das sich vorrangig im drei- bis fünfstelligen Bereich bewegt, markiert ein monumentaler „Sämann“ von Albin Egger-Lienz mit einer Erwartung von 280.000 bis 320.000 Euro bereits die Spitze. Deutlich gefälliger als diese 2,4 mal 1,7 Meter große, an Ferdinand Hodler angelehnte kantige Figur sind Max Liebermanns „Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten“ aus dem Jahr 1928, für die das Haus 240.000 bis 260.000 Euro erhofft.

          Es finden sich markante Arbeiten auf Papier in der Moderne-Offerte: Im Jahr 1947 zeichnete Henri Matisse eine Vorstudie des von ihm häufig variierten Themas der „Femme Assise“: Die lesende Frau am Fenster scheint die im selben Jahr entstandene „Jeune fille en vert dans intérieur rouge“ vorbereitet zu haben (140.000/ 150.000). An Wassily Kandinskys 1933 aquarelliertem Entwurf für sein Gemälde „Leicht Zusammen“ lassen sich bis heute Duktus und Bearbeitungsspuren des in jenem Jahr gerade nach Paris übergesiedelten Künstlers nachvollziehen. Die farbfrische heitere Komposition aus dem Besitz Nina Kandinskys soll 130.000 bis 150.000 Euro einspielen.

          Des Weiteren fällt die abstrakte Komposition „Konstruktivistisch (6)“ von Willi Baumeister auf (45.000/50.000): Im Werkverzeichnis lässt sich anhand einer Abbildung nachvollziehen, wie das Fragment, im Jahr 1920 als Teil einer größeren Komposition entstanden, herausgetrennt und formal isoliert wurde, um die Tragfähigkeit der einzelnen Elemente zu prüfen. Trotz einer Größe von nur 18 mal 24 Zentimetern besticht die Arbeit durch die Spannung aus schwarzem Farbfeld links, gelbem Quadrat und purpurfarbenem Dreieck.

          Das teuerste Los des Frühjahrs bei Lempertz kommt diesmal aus dem Bereich der Zeitgenossen, die am 24.Mai aufgerufen werden. Es markiert eine Premiere für das Haus und deutet zudem auf einen sich nach Asien öffnenden Markt auch in Deutschland hin: Mit einer Schätzung von einer bis 1,2 Millionen Euro ist Zeng Fanzhis knapp zwei Meter hohes Gemälde eine s stehenden Mannes beziffert; damit ist erstmals das Werk eines zeitgenössischen chinesischen Künstlers das höchstdotierte Los einer Lempertz-Auktion. Der als Kapitalist identifizierbare Anzugträger mit Zigarre aus Zeng Fanzhis „Mask“-Serie von 2000 hat sich für die Vorbesichtigung selbstbewusst einen Platz zwischen den üblichen hochpreisigen Anwärtern gesichert. In Asien und den Vereinigten Staaten ist der 1964 geborene, in Peking lebende „Zynische Realist“ schon länger ein Malerstar.

          In deutlichem Abstand zu ihm folgt - mit einer Erwartung von 200.000 bis 250.000 Euro - eine Arbeit Günther Ueckers: Die dichte Nagelung im „Feld 83/84“, entstanden Mitte der achtziger Jahre, erinnert an ein Feld mit vom Wind bewegten Ähren. Zusätzlich aufgeladen wird die Arbeit durch die Patina der mit der Zeit matt gewordenen Nägel, die weniger metallisch denn organisch anmuten. Von Gerhard Richter wird eine „Pyramide“ aus dem Jahr 1966 angeboten: Unter Verwendung eines Lexikonbilds schuf der Künstler im Jahr 1964 erst sein Gemälde „Kleine Pyramide“ und in der Folge zehn unterschiedliche Belichtungen des eigenen Motivs auf Fotoleinen (100.000/150.000).

          In der Sektion Fotografie, die ebenfalls am 24.Mai versteigert wird, bestimmen zwei Porträts die Spitze: Jeweils mit einer Erwartung von 20.000 bis 25.000 Euro versehen sind eine um 1929 entstandene Variante des berühmten Porträts der Ellen Frank von László Moholy-Nagy und das Porträt „B.Jünger“ von Thomas Ruff aus dem Jahr 1985. Zum Aufruf kommt außerdem eine Auswahl körperbetonter Fotografien aus der Sammlung von Lutz Teutloff, darunter Werke von Diane Arbus oder Valie Export, Jürgen Klauke und Erwin Wurm (Taxen von 600 bis 20.000 Euro).

          Weitere Themen

          Gestern und heute

          Kölner Ergebnisse : Gestern und heute

          Yves Klein entfacht ein Bietergefecht, und eine Waschgarnitur für eine königliche Mätresse findet neue Liebhaber: Die Ergebnisse der Sommerauktionen bei Lempertz in Köln.

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.