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Madoffs Kunst wird versteigert : Große Namen, kleiner Wert

  • -Aktualisiert am

Um die Opfer von Bernard Madoffs milliardenschwerem Finanzbetrug zu entschädigen, wird sein persönlicher Besitz versteigert: Nun sind die Kunstwerke, die einst die Büros des Maklers schmückten, an der Reihe.

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          Nach den Yachten, den Golfschlägern und den Pantoffeln des Milliardenbetrügers Bernard Madoff wird nun auch seine Kunstkollektion versteigert. Mit dem Auftrag betraute Irving Picard, der Sachverwalter des U.S.Bankruptcy Court im Fall Madoff, Sotheby’s und das in Hudson, New York, ansässige Unternehmen Stair. Dieses lehnte den Verkauf aber erst vor wenigen Tagen ab; auf Nachfrage war bisher keine Begründung dafür zu erfahren. Sotheby’s hat die bevorstehende Auktion bisher weder bestätigt noch dementiert. 61 Lose sollen Ende des Jahres unter den Hammer kommen, die insgesamt für 575.000 Dollar versichert sind.

          Die Summe scheint angesichts der großen Namen, die in Madoffs Sammlung vertreten sind, verhältnismäßig klein: Josef Albers ist dabei, Picasso, Christo, ebenso die Pop-Art-Größen Andy Warhol, Jasper Johns und Robert Rauschenberg. Der bescheidene Wert erklärt sich dadurch, dass Madoff keine Unikate erworben hat, sondern Arbeiten auf Papier, die in hohen Auflagen existieren. Ein unbetitelter Siebdruck von Ellsworth Kelly, entstanden 1973, liegt gar in dreihundert Exemplaren vor.

          Auffällig oft taucht das Motiv des Stiers auf: sei es in Form von Rosa Bonheurs kleiner Bronze „Taureau beuglant“ aus der Zeit um 1840 oder als sechsteilige Lithographiereihe „Bull Profile Series“, Auflage 100, von Roy Lichtenstein; diese Blätter aus dem Jahr 1973 gehören zu den Spitzenstücken der Sammlung. Sie zeigen in Anlehnung an Picassos berühmte Abstraktionsstudie „Le Taureau“ von 1945/ 46 die Entwicklung von der Figur eines Stiers zu rein geometrischen Formen. Im Mai verkaufte Sotheby’s in New York eine komplette „Bull Profile Series“ für 125.000 Dollar (inklusive Aufgeld).

          Die Kunstwerke, zu denen neben einer Zeichnung von Matisse aus dem Jahr 1952 auch Picassos Lithographie „Le Taureau Noir“ von 1947 zählt, schmückten einst die Räume von Madoffs Büros in den New Yorker Stadtteilen Manhattan und Queens. Seit 2009 wird die Sammlung vom Unternehmen Cirkers Fine Art Storage& Logistics verwahrt - dafür werden jährliche Gebühren in Höhe von 16.000 Dollar fällig. Katalogisiert und betreut wurde die Kollektion des Betrügers von der Kunstberaterin Helen D.Lally. Sie empfahl nach den erfolgreichen New Yorker Frühjahrsauktionen jetzt den Verkauf der Werke, da der Kunstmarkt sich von der Krise erholt habe. Am 2. Juli gab das amerikanische Insolvenzgericht seine Zustimmung zur Versteigerung.

          Der Erlös der Auktion soll den Opfern von Madoffs jahrzehntelangem Betrug zugutekommen. Nach eigenen Angaben hat der ehemalige Börsenmakler mit seinem nach dem Schneeballsystem betriebenen Investmentfonds einen Schaden von rund fünfzig Milliarden Dollar verursacht. Für seine Verbrechen wurde Madoff im Sommer 2009 von einem amerikanischen Gericht zu 150 Jahren Haft verurteilt.

          Seit Madoffs Verhaftung Ende 2008 hat der Sachverwalter Picard 9,3 Milliarden Dollar aufgebracht, um die Betrugsopfer zu entschädigen. Das Geld stammt unter anderem aus Auktionen mit Madoffs persönlichen Besitztümern, die von der amerikanischen Polizei beschlagnahmt wurden. 2009 spielte eine Versteigerung mit Objekten des heute Fünfundsiebzigjährigen - darunter Möbel, Kleider und Accessoires - eine Million Dollar ein (F.A.Z. vom 16.November 2009). Eine zweite Auktion, bei der in New York unter anderem 250 Paar Schuhe von Madoff zum Aufruf kamen, erzielte 2010 zwei Millionen Dollar (F.A.Z. vom 15.November 2010). Gemessen an den immensen Schäden, die Madoff, der größte Betrüger der Finanzgeschichte, verursacht hat, ist die Versteigerung seiner wenig aufsehenerregenden Kunstsammlung nicht mehr als ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein.

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