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Kunstauktion bei Hauswedell & Nolte : Nicht größer als eine Briefmarke

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Winziges von den Nürnberger Kleinmeistern und Autobiografisches von Max Beckmann: Ein Blick auf das Angebot der Frühjahrsauktionen von Hauswedell & Nolte in Hamburg mit Alter und neuer Kunst.

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          Rund tausend Lose in fünf Katalogen bieten Hauswedell & Nolte am 5. und 6. Juni in Hamburg zur Versteigerung an. Gesondert kommt eine 26 Blätter umfassende private Sammlung aus Süddeutschland mit graphischen Selbstporträts von Max Beckmann zum Aufruf. Der 1884 in Leipzig geborene Maler machte das eigene Bildnis immer wieder zu seinem Thema. Ein beachtlicher Teil der Kollektion wurde innerhalb der vergangenen dreißig Jahre auf Auktionen des Hauses erworben - jetzt kommt die komplette Sammlung, die zwischen 1903 und 1946 entstand, zu Taxen zwischen 3000 und 10.000 Euro unter den Hammer.

          Nur sechs Exemplare von Kirchners hinreißender Farblithographie „Dodo mit japanischem Schirm“ aus dem Jahr 1909 sind bekannt - gedruckt in fünf Farben von einem Stein und schon deswegen eine Rarität, für die der Schätzpreis von 300.000 Euro gerechtfertigt erscheint. Dodo Große, Kirchners Muse, saß auch Modell für die Kaltnadelradierung „Dodokopf“, auf 25.000 Euro geschätzt wie auch die schwarzgrüne Lithographie „Sonnende Badende“. Edvard Munch beschäftigte sich einige Jahre lang mit dem Thema „Zwei Menschen - Die Einsamen“: 1899 entstand dazu ein zweifarbiger Holzschnitt. Das Blatt, im zweiten Zustand, gedruckt mit einem in drei Teile zersägten Holzstock, ist jetzt auf 250.000 Euro geschätzt.

          Aus einer amerikanischen Privatsammlung kommt ein Frühwerk von Franz Marc, eine auf Karton gemalte alpine Landschaft mit Schafherde von 1903, noch ganz akademisch und realistisch, beziffert mit 70 000 Euro. Im Tessin entstand 1927 Schmidt-Rottluffs intensiv farbige „Gasse in Ascona“ (40.000) und in chinesischen Gewässern Emil Noldes sparsam schön getuschtes Aquarell „Dschunke mit grünem Segel“ von 1913 (35.000). Charakteristisch für Otto Muellers Œuvre ist seine Aquarell-Kreide-Zeichnung „Weiblicher Halbakt (Maschka Mueller)“, um 1924 (40.000).

          Bei den Skulpturen werden die Sammler wohl nach den kleineren Objekten greifen, etwa Ewald Matarés „Kleine liegende Kuh“ (30.000). Von eindringlicher Dichte ist der „Turm der Mütter“ von Käthe Kollwitz, eine bei Noack gegossene Bronze (38.000). Adolph von Menzels allererstes Gemälde „Die Schachpartie“ von 1836 galt schon bald nach seiner Entstehung und bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein als verschollen. Jetzt ist das Bild aus einer süddeutschen Kollektion erstmals wieder öffentlich zu sehen; es ist bei Hauswedell & Nolte mit einer Schätzung auf 250.000 Euro ausgezeichnet. Francisco de Goyas komplette achtzigteilige Aquatinta-Folge „Los Desastres de la Guerra“ soll 70.000 Euro kosten.

          Exquisit ist die Sammlung Nürnberger Kleinmeister des 16. Jahrhunderts, darunter sind zum Teil nur briefmarkengroße Radierungen, die in einem separaten Katalog mit rund 150 Blättern zusammengefasst sind. In der abschließenden Kategorie mit Kunst nach 1945 glänzt Richard Oelzes surreales Gemälde „Heimliche Komödianten“ von 1966 (60.000), daneben Willem de Koonings erotische Zeichnung „Orgy“, um 1985 (25.000), und Thomas Ruffs C-Print des „Porträt (C. Rother)“ von 2001 (29.000).

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