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Kunstauktion bei Bassenge : Des Kanzlers Kummer, des Künstlers Katze

Politische Marksteine und hohe Liebhaberwerte: Die Auktion mit Alter und Moderner Kunst bei Bassenge in Berlin punktet bei der Druckgraphik. Insgesamt liegen die Erwartungen aber recht niedrig. 

          Mit ihrem Spitzenlos, der Skulptur „Pietà“ von Käthe Kollwitz, nährt Bassenge in Berlin, dessen Frühjahrsauktionen vom 30. Mai bis zum 1. Juni dauern, Hoffnungen auf einen hohen Zuschlag. Am 31. Mai 2008 hatte ein auf 35.000 Euro taxiertes Exemplar aus der Fülle postumer Güsse 75.000 Euro gebracht und war an einen privaten Bieter abgegeben worden. Die 1937/38 konzipierte, nur 38 Zentimeter hohe „Pietà“ wurde 1993 auf Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, entgegen ästhetischer Bedenken der Fachwelt, kurzerhand monumentalisiert, um in Schinkels Neuer Wache Unter den Linden an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern.

          Abgesehen von Günther Ueckers mit Nägeln gespicktem Zeitungsblock, einem „Eingekauerten Rind“ des Tierbildhauers Ewald Mataré und einer gläsernen „Wasserträgerin“ von Pablo Picasso, annonciert das Haus am Rand des Grunewaldes diesmal ein eher bescheidenes Kontingent an raumgreifenden Kunstwerken der Moderne. Die Schätzungen sind vergleichsweise niedrig.

          Exquisit bestückt ist der druckgraphische Bereich, zum Beispiel mit einem für 20.000 Euro abrufbaren venezianischen Motiv von James Abbott McNeill Whistler oder mit einem giftgrünen „Schatten“ des gebürtigen Inders Anish Kapoor, versehen mit einer Erwartung von 4500 Euro. Ein großformatiges Silberstift-Porträt, das Oskar Kokoschka einer jungen Gräfin mit Krankenschwester-Ambitionen 1916 zum Geschenk machte, ist mit 20.000 Euro beziffert. Der 1923 edierten „Meistermappe“ des Weimarer Bauhauses entstammt das Farblitho einer „Konstruktivistischen Komposition“ von László Moholy-Nagy zur Taxe von 30.000 Euro.

          Zwei Jahre früher entstand Paul Klees für 12.000 Euro angebotene „Heilige vom inneren Licht“, die mit den starren Profilen zweier Nonnen des Niederländers Jan Toorop korrespondiert, dessen Frühwerk „Bildnis eines alten Bauern vor einer Kathedrale“ im Spätherbst 2011 für horrende 425.000 Euro bei Bassenge verkauft werden konnte. Liebhaber der üppigen Pflanzenwelt, die den „Barmherzigen Samariter“ auf Rodolphe Bresdins Lithographie von 1861 umgibt, dürften vor ihrer Schätzung auf 4500 Euro nicht zurückschrecken. Rein zahlenmäßig bleibt, mit nur acht Losen, Max Beckmanns Graphik hinter 82 Blättern aus dem „Quappi“-Nachlass zurück, mit dem zeitgleich die Berliner Villa Grisebach aufwarten kann.

          Dafür enthält das bescheidener ausgestattete Bassenge-Konvolut das 1921 entstandene „Selbstbildnis mit Katze und Lampe“ (Taxe 25.000 Euro) und den Holzschnitt „Toilette“ zum Schätzpreis von 10.000 Euro, die der Konkurrenz ermangeln. Sammler von Probedrucken kämen bei den Radierungen „Billardspieler“ und „Fleischerladen“ von Otto Dix für 18.000 beziehungsweise 20.000 Euro zum Zuge.

          Bei der Altmeistergraphik wird Rembrandt mit 46 Losen einmal mehr zum Marktführer. Sein berühmtes „Hundertguldenblatt“ (Christus heilt die Kranken) erwartet den Einsatz von 30.000 Euro, die „Kreuzabnahme bei Fackelschein“ kostet 18.000 Euro, der „Heuschober und die Schafherde“ 15.000 Euro. Dürers Porträt des Nürnberger Humanisten Willibald Pirkheimer wird für 7500 Euro angeboten. Den Einsatz der gleichen Summe fordern sechs „Römische Helden“ des Hendrick Goltzius sowie Jan Mullers von Bartholomäus Spranger vorformulierte mythische Übergabe der Waffen an Perseus, dargebracht von den theatralisch agierenden Gottheiten Minerva und Merkur.

          Dem Prinzip manieristischer Übertreibungen huldigt Jacques Bellanges „Madonna mit dem Spinnrocken“ in Gesellschaft eines gnomenhaften Engels (7500). Zum Schmuck des Umschlages für die Gemälde-Offerte ausersehen wurde eine Schinkels Vorbild nacheifernde „Gotische Kirche am Meer“ des auf Architekturdarstellungen spezialisierten Berliner Malers Karl Friedrich Hampe ausgewählt (12.000). Lediglich 6500 Euro einspielen soll das Porträt eines Kairoer Kaufmannes, das die außergewöhnlichen malerischen Qualitäten des Wiener Orientalisten Leopold Carl Müller belegt.

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