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Kunst und Kunstgewerbe : Das letzte Bild vom Meister Marten

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Es muss nicht immer Paris sein: Seine wuchtige Straßenszene verortete der Maler Ludwig Deutsch in Ägypten. Jetzt versteigert das Auktionshaus Neumeister in München das Gemälde - die Vorschau.

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          Konkurrenz aus Hessen verdrängt die Münchner Maler des 19. Jahrhunderts, die bei Neumeister immer ihre sichere Bastion haben, diesmal überraschend von den vorderen Rängen. Zwar ist in der Auktion am 24. Juni auch wieder ein Spitzweg dabei, aber die kleine Ölskizze eines „Gehöfts im Hochtal bei Aschau“ wendet sich in ihrer reizvollen Spontaneität kaum an Liebhaber seiner hochpreisigen Humoresken - und bleibt entsprechend bei einer Taxe von 12.000 Euro. Einen Blick auf das alte Frankfurt hingegen, für den Adolf Hoeffler 1872 bei Sommerwetter auf den Mühlberg am jenseitigen Mainufer marschierte, schätzte man in München als bemerkenswertes Werk des Frankfurter Künstlers auf 100.000 Euro.

          Wie Hoeffler gehörte auch der Landschafter Eduard Wilhelm Pose dem Kronberger Malerkreis an, zuvor hatte er bei Schirmer in Düsseldorf studiert und Carl Rottmann in München assistiert. Auch bereiste er Italien, wovon „Am Golf von Neapel“ zeugt, ein großes Format, das vor der berühmten Bucht rastende Hirten und Ruinen zur perfekten Italienidylle vereint (Taxe 100.000 Euro). Wie beider Zeitgenosse Heinrich Bürkel eine wilde, karge Gegend in den Sabiner Bergen erlebte, veranschaulicht dessen Studie auf Karton (8000).

          Der Kontrast zur lauten „Ägyptischen Straßenszene“ mit kleiner Anbandelei könnte kaum größer sein: Wo der Markt ist, der für dieses Trumm, das Ludwig Deutsch 1912 in grellen Farben malte, eine Schätzung von 78.000 Euro rechtfertigt, wird die Auktion zeigen. Die Ostasien-Abteilung hält mit neun Tapeten für ein Gartenzimmer schönste Dekoration bereit. Über die Bahnen wachsen Bambus, Rosen und Kirschbäumchen, auch Vögel und Falter geben ihr Bestes in dieser Aquarell- und Gouachearbeit, die um 1800 in China für den europäischen Markt entstand (14.000).

          Van Valckenborchs Flucht nach Ägypten

          Das Hauptlos des Tages hängt bei den Alten Meistern: Auf die tiefe, in der Ferne verblauende Flusslandschaft setzte Marten van Valckenborch 1610 sein Monogramm mitsamt Altersangabe: „Aet. 75“. Es soll das letzte Bild des gebürtigen Löweners gewesen sein, der hier mit einer Flucht nach Ägypten und weiteren Staffageszenen angestrebt haben soll, mit einer jüngeren Künstlergeneration gleichzuziehen (150.000).

          Auf die säuerlichen Aspekte des Lebens spielt ein langes Stück Zitronenschale an, das sich auf Pieter de Rings erlesenem Stillleben mit Früchten und Austern unverhofft um ein venezianisches Glas kringelt (28.000). Ein flämischer Künstler, der Pieter Coecke van Aelst zum Vorbild hatte, schuf das Triptychon „Anbetung der Könige“ mit Stifterpaar und setzte auf die Außenflügel Grisaillebilder des heiligen Königs Ludwig IX. von Frankreich und eines Bischofs (45.000).

          Ein Reisealtar aus Flandern

          Einen Reisealtar, der ebenfalls von den Königen in Anbetung sowie von Christi Grablegung unter gotischem Maßwerk erzählt, schnitzte ein Unbekannter bald nach 1400 in Flandern (45.000). Hundert Jahre später entstand dort eine gekonnt auf kleinem Raum gestaffelte und durch differenzierte Physiognomien qualifizierte Szene, die vermutlich Judas beim Aushandeln der Summe für den Verrat Jesu darstellt; das Stück hat Julius-Böhler-Provenienz und soll 40.000 Euro einspielen.

          Andere Spitzenstücke stellen bei den Skulpturen ein heiliger Wenzel, um 1500 in Franken mit lockigem Haar und der unvermeidlichen Traube ausstaffiert (34.000), oder eine Maria mit Kind auf der Mondsichel, etwas früher von derselben Kunstlandschaft hervorgebracht (45.000). Der Star beim Silber, wie überhaupt beim Kunsthandwerk, zeigt Amazonen zu Pferde: Warum Europa, Asien und Amerika auf den Medaillons im feinen Akanthusgeranke der Manschetten seines um 1690 geschaffenen Kugelfußbechers reiten, nicht aber Afrika, hinterließ uns der Augsburger Silberkünstler Adolf Gaap als ein Rätsel (40.000).

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