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Kunst und Antiquitäten : Schon fünfzehn Jahre

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Zum Jubiläum ist es dem Wiener Auktionshaus Im Kinsky gelungen, exquisite Werke zu akquirieren - ein Blick auf das Angebot.

          Mit einem „Künstlerfest“ feierte Im Kinsky gerade sein fünfzehnjähriges Jubiläum. Zahlreiche Künstler erschienen, deren Werke am 24. Februar versteigert werden. Die Gesellschafter Otto Hans Ressler, Michael Kovacek und Ernst Ploil freuten sich über die Gratulanten und das beachtliche Angebot an Kunstwerken für die kommende Auktion, deren Gesamttaxe zwischen sechs und 10,4 Millionen Euro liegt.

          Und was ist mit der Krise? „Es ist nicht das erste Mal, dass ich so eine Situation erlebe“, erklärte Ressler, der vor der Gründung von Im Kinsky lange im Dorotheum tätig war: „Mindestens neunzig Prozent des Angebots akquirieren wir aktiv selbst. Unser Problem besteht in der großen Zurückhaltung der Einlieferer.“

          Eine Leidensszene von Oppenheimer

          Trotz der Marktflaute konnten Resslers Überzeugungskräfte doch etliche Besonderheiten gewinnen. Hochdramatisch gestaltete der in Wien geborene Künstler Max Oppenheimer das Gemälde „Die Geißelung“: In Berlin im Jahr 1913 integrierte der Maler kubistische Elemente in sein Werk, wie sie auch die dargestellten nackten Männerkörper hochexpressiv rahmen.

          Diese fast kristallin aufgefächerte Komposition einer Leidensszene kommt mit einer Taxe von 350.000 bis 700.000 Euro aus Wiener Privatbesitz zur Auktion. Eine weitere interessante Arbeit stammt von Franz West, der 1982 aus Pappmaché, Karton und Strohmatten den „Direktionstisch“ kreierte. Das Los war noch kürzlich in einer Museumsschau zu Wests Möbelobjekten zu sehen und wird mit einer Taxe von 250.000 bis 350.000 Euro angeboten. An die Wand über den Tisch würde sein Collagenzyklus „Miete/Rent“ recht gut passen (Taxe 150.000/250.000 Euro).

          Zwei Allegorien von Angelika Kauffmann

          Weitere Spitzenlose fallen diesmal in die Sparte mit Alten Meistern. Zwei Allegorien der Kardinaltugenden Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit von Angelika Kauffmann werden als Paar auf 250.000 bis 450.000 Euro geschätzt. Schon mehrmals konnten in Wien gute Preise für Werke der Künstlerin erzielt werden; im vergangenen Jahr schaffte es ein vom Fürsten von Liechtenstein erworbenes Gemälde unter die österreichischen Top Ten.

          Begleitet wird das Gemäldepaar im vergoldeten Stuckrahmen von vier Graphiken, in denen Gabriel Skorodomoff die vollständige Serie im Jahr 1777 für Zarin Katharina II. nachgestochen hat, sowie von einem Gutachten Bettina Baumgärtels, der Verfasserin des Kauffmann-Werkverzeichnisses. Auf ungewöhnlichem Längsformat hat der Wiener Meister des Aquarells, Rudolf von Alt, den Konstantinsbogen und das Kolosseum 1872 in Rom festgehalten (130.000/200.000).

          So ist zwar die Naht des Papiers erkennbar, aber die enorme Präzision, mit der die Details der antiken Bauten und der Figuren dargestellt sind, entschädigen dafür. Mit dem „Markusplatz in Venedig“ gelangt ein weiteres Aquarell des Künstlers zur Versteigerung (70.000/120.000).

          Carl Molls Ansicht der „Villa Primavesi“

          Den Garten und die Terrasse der von Josef Hoffmann entworfenen „Villa Primavesi“ hat Carl Moll an einem Sommertag um 1915 festgehalten (80.000/150.000). Das 85 mal 180 Zentimeter große Bild „Papageien“ von Oskar Mulley überzeugt durch die hohe Plastizität, die der Künstler in den zwanziger Jahren durch Spachteltechnik erreicht hat. Von Otto Rudolf Schatz stammt das im Stil der fünfziger Jahre mondäne Bild „Blick auf den Stephansdom vom ersten Wiener Hochhaus“ (130.000/200.000). Fünf Zeichnungen von Gustav Klimt bietet die Auktion mit Taxen zwischen 60.000 und 120.000 Euro an.

          Die Antiquitäten des Jugendstils führen eine von Josef Hoffmann reduziert gestaltete Rauchdose aus versilbertem Alpacca (80.000/160.000) und eine klassizistisch-elegante Dose (90.000/150.000) an. Aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts stammt eine Serie von Vasen und Tellern mit orientalisierender Bemalung, mit der die Wiener Glasmanufaktur Lobmeyr auf den Weltausstellungen in Wien und Paris auftrat; die Taxen für die reich mit Golddekor verzierten Objekte liegen zwischen 3000 und 30.000 Euro.

          Starke Kontraste von Arnulf Rainer

          Auf die Kontrastwirkung von Gelb und Blau setzt die gelungene Kreuzübermalung, die Arnulf Rainer 1991 mit Öl auf Holz geschaffen hat (100.000/ 200.000). Auch Eduard Angeli setzt auf diese Farben: Für sein abstraktes Bild „Das blaue Tor“ hat er eine vier Meter hohe Leinwand verwendet. Während Fritz Wotrubas Bronze „Große Stehende Figur II“ der kubischen Blockform huldigt, bringt Erwin Wurms humorvolle Skulptur „Guggenheim-melting“ von 2005 das New Yorker Museum um seine Schneckenform (30.000/50.000).

          Insgesamt bietet Im Kinsky bei den Zeitgenossen eine breite Auswahl. Schade jedoch, dass von der bald neunzigjährigen Maria Lassnig, die gerade mit einer großen Schau im Museum Moderner Kunst gewürdigt wird, lediglich ein Aquarell von 1958 (10.000/20.000) aufgetrieben werden konnte.

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