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Kunst und Antiquitäten : Mädchen und Männer mit Tauben

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Aus dem Nachlass von Oskar Martin Amorbach kommt bei Ruef in München nicht nur Malerei zum Aufruf. Zu einem Akt des Malers gibt es dort auch den passenden Sekretär. Eine Vorschau.

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          Zum Taubenfüttern auf der Fensterbank hat ein biedermeierlich gekleidetes Mädchen Körner ausgestreut: Wie nun der Vogel mit ausgebreiteten Flügeln landet und von einem ängstlicheren Artgenossen neidisch beäugt wird, schildert Ferdinand Küss mit größter Detailtreue. Im umfangreichen Kunstaufgebot, das Ruef am 2. Juli in München versteigert, tritt Küss prominent mit der 1839 gemalten Täubchenszene auf, in die der hauptsächlich für seine Stilleben bekannte Wiener Maler auch Weinranken und eine Vase mit Rosen setzte. Nachdem erst vor kurzem ein Küss-Gemälde in der Schweiz umgerechnet 12.000 Euro erzielte, wirkt das Limit von 5500 Euro für das Taubenmädchen moderat.

          Ruef gibt grundsätzlich statt Schätzungen die Mindesterwartung an, was stets für Hoffnung auf günstigen Einkauf sorgt und entsprechend Bieter motiviert. Positiv dürfte sich diese Taktik auch bei Landschaftsmalerei aus Süddeutschland auswirken, etwa bei Ludwig Willroiders erdtoniger Flusslandschaft (1200) oder Ludwig Sckells romantischer „Partie am Ammersee“, die nur eine kleine Schafherde bevölkert (3500). Auch Ernst Heyn erlebte den Blick vom Gipfel der Kampenwand auf den Chiemsee noch ungestört von Bergbahnstation und Wandertourismus (2500).

          Ein unbekanntes Aquarell von Schmidt-Rottluff

          Drei „Männer mit Tauben“, diesmal ist es ein ganzer Schwarm, malte Karl Hubbuch auf Holz, das bestätigen Nachlassstempel und Tochter Myriam Hubbuch (14.500). Des Weiteren kann der Abschnitt zur Moderne ein bislang unbekanntes, jahrzehntelang in Privatbesitz bewahrtes Aquarell von Karl Schmidt-Rottluff vorweisen, das eine südliche Landschaft zeigt und mit 9000 Euro aufgerufen werden wird. Oskar Martin-Amorbach, der bei Franz Stuck studierte und seine stilistische Wandlungsfähigkeit vor allem in den Dienst kirchlicher Aufträge stellte, starb 1987, hundertjährig. Neben zwanzig Bildern aus seinem Nachlass kommt auch Mobiliar aus dem Künstlerhaushalt zur Auktion.

          Der schlichte barocke Aufsatzsekretär etwa, der mithalf, den neusachlichen „Mädchenakt mit Kopftuch“ (1400) in ein altniederländisch angehauchtes Ambiente zu postieren, steht zum Startpreis von 1200 Euro für neue Aufgaben bereit. Die Möbel-Sektion, nach den Gemälden größte Abteilung, enthält eine Reihe voluminöser Barockstücke, darunter einen Schrank süddeutscher oder österreichischer Machart mit feinem Bandelwerkdekor (6000). Beim Silber erregt neben zwei Nürnberger Deckelhumpen mit Herzbuckeldekor (je 4500) ein Tafelbesteck mit 165 Teilen Aufsehen, eine französische Arbeit des 19. Jahrhunderts mit Wappen des Principe Ruffo (3200).

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