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Kunst und Antiquitäten : Hoch zu Ross ins Gefecht

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Eine Anleitung zur Wohltätigkeit: Ferdinand Georg Waldmüllers „Die milde Gabe“ ist das Hauptlos der Auktionen im Wiener Dorotheum - die Vorschau.

          Eine Lektion in Wohltätigkeit erhält das kleine Mädchen auf Ferdinand Georg Waldmüllers Gemälde „Die milde Gabe“ von 1850. Seine Mutter leitet das zentral von der Sonne illuminierte Kind dazu an, einem blinden alten Bettler die Suppe zu reichen. Waldmüller integrierte in viele seiner Genreszenen solche moralischen Appelle, strebte aber dennoch stets nach einer möglichst wirklichkeitsnahen Darstellung.

          Das elaborierte Gemälde auf Holztafel wurde seinen ursprünglichen Besitzern 1939 für das Führermuseum in Linz abgepresst. Seit der Restitution 1951 befand es sich in deutschem Familienbesitz und bildet jetzt mit einer Taxe von 250.000 bis 350.000 Euro das Toplos der ersten Auktionswoche des Dorotheums. Seit 2005 hält das Dorotheum mit 1,32 Millionen Euro den Weltrekordpreis für den Biedermeier-Maler, dem derzeit der Louvre eine Ausstellung widmet.

          Die Comtesse im Porträt

          Im Salon du Louvre wurde 1842 auch das lebensgroße Porträt der Comtesse Rosalie Paulee Duchâtel mit ihrem Sohn präsentiert, das der im Schwarzwald geborene Franz Xaver Winterhalter schuf. Der weitgereiste Hofmaler porträtierte Napoleon und seine Gattin Eugenie ebenso wie Österreichs Kaiserin Elisabeth, insofern verwundert die Schätzung auf 150.000 bis 200.000 Euro für das Gemälde nicht. Ein elegantes Damenporträt der Jahrhundertwende liegt vom ungarischen Maler Paul Joanowitsch vor (30.000/40.000).

          Den Katalog der Sparte des 19. Jahrhunderts schmückt hingegen eine luftige Darstellung des Markttreibens auf der Piazza Navona von Carlo Bossoli aus dem Jahr 1848 (40.000/ 50.000). Unter den angebotenen Werken österreichischer Künstler sticht einzig der farbschöne Gemüsegarten von Olga Wisinger-Florian als vollendet hervor (40.000/60.000). Dafür könnte das auf 70.000 bis 90.000 Euro geschätzte Schlachtenbild des Polen Antoni Piotrowski überzeugen, das den Reitern eines Gefechts von Fürst Alexander von Battenberg im bulgarisch-serbischen Krieg äußerst realistisch und nahe folgt.

          Italienische Ansichten

          Mehr als 250 Lose werden bei den Alten Meistern aufgerufen, der Großteil davon im fünfstelligen Eurobereich. Der bunte Reigen führt hier abermals nach Rom, wo von Antonio Joli um 1756 eine mit Kutschen und Figuren bevölkerte Ansicht des Petersplatzes mit Taxe 120.000 bis 150.000 Euro eingeliefert wurde. Eine Vedute des Canale Grande von der Hand des Marieschi-Schülers Francesco Albotto wird auf 120.000 bis 140.000 Euro geschätzt.

          Friedliches Tagwerk der Hirten und Fischer demonstriert die „Gebirgige Flusslandschaft“ von Andrea Locatelli (60.000/80.000), während Giuseppe Bernardino Bison seine „Winterlandschaft am Tagliamento“ mit einem weißen Schleier überzieht (40.000/60.000). Von dem Manieristen Cesare Nebbia stammt die lebendige Szene „Die Heilung des blinden Tobias durch seinen Sohn“ von 1580/90 (70.000/90.000).

          Insekten en detail

          Ungeheure Präzision zeichnet die mit Tempera auf Pergament gemalten Schmetterlinge der beiden Werke der Künstlerin Giovanna Garzoni (1600 bis 1670) aus, für die 10.000 bis 14.000 Euro erwartet werden. Unter den Niederländern findet sich ein mit Gemüse reich garniertes Stillleben von Jan Fyt (80.000/100.000) sowie das auf Holz gemalte Kleinformat „Überfall auf ein Bauernpaar“, das laut Expertise aus der Hand von Pieter Brueghel dem Jüngeren stammt (50.000/ 70.000).

          Zum üppigen Füllhorn der Sparte Antiquitäten zählt eine Madonna mit Kind aus der Steiermark um 1390, die in anmutiger S-Linie aus Sandstein gemeißelt wurde (80.000/90.000). Ein meisterliches Relief der Göttin Minerva aus Florenz Mitte des 16. Jahrhunderts (12.000/ 14.000) überzeugt ebenso wie die Heiligen Petrus und Paulus als barocke Halbfiguren aus dem Raum Süddeutschland/Tirol (26.000/28.000).

          Aus russischen Werkstätten stammen eine Cloisonné-Schale mit zwei Bärenköpfen des Emailleurs Fedor Rückert (18.000/24.000) sowie ein goldener Flakon aus Sankt Petersburg von 1900 (12.000/ 15.000). Das kostbarste Glanzstück der Juwelen-Auktion bildet ein Platincollier mit einem fünfkarätigen Tropfdiamanten um 220.000 bis 360.000 Euro, der auch an einem Ring getragen werden kann.

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