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Kunst und Antiquitäten : Eisvergnügen

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Mehr und mehr norddeutsche Malerei: Das zeigt der Katalog der Frühjahrsauktionen von Stahl in Hamburg. Der Sohn von Paul Gauguin Pola tritt dort ausnahmsweise aus dem Schatten seines berühmten Vaters.

          Der nach dreizehn Jahren endlich einmal wieder zugefrorenen Hamburger Alster scheint eines der reizvollsten Gemälde der Februar-Auktion bei Stahl gewidmet zu sein: Im Umkreis des Niederländers Hendrick Avercamp entstand die detailreich-vielfigurige Szene „Eisvergnügen vor einer Stadt“, gemalt auf eine Holzplatte, die dendrochronologisch auf 1601 datiert ist (Taxe 8000 Euro). Wohl an die hundert Kavalleristen stürmen mit gereckten Säbeln durch einen Schneesturm auf dem Querformat „Die Schlacht bei Narva“ des schwedischen Offiziers und erfolgreichen Autodidakten Henrik August Ancarcrona (2400).

          Bei den neueren Meistern locken gleich zwei Gemälde des Dresdner Impressionisten Gotthard Kühl: das „Grüne Tor“ eines barocken ländlichen Hauses (2800) und ein junges bäuerliches Paar bei einer „Unterhaltung am Fenster“ aus einer Hamburger Privatsammlung (8000). In der von Katalog zu Katalog wachsenden Folge von norddeutschen Malern ist eine Worpsweder Sommerlandschaft mit Birken des populären Udo Peters auf 2800 Euro geschätzt und ein reizvoll skizzenhafter Fuchs, einen Vogel beobachtend, von Thomas Herbst auf 2500 Euro.

          „Pour Honoré de Balzac“

          Eine schon fast expressiv farbige „Kate am Waldrand“ im satten Abendlicht, um 1918 von Arthur Illies gesehen, soll 2400 Euro kosten. Pola Gauguin blieb als malender Sohn stets im Schatten des überlebensgroßen Vaters Paul Gauguin: Er mied die Südsee und wandte sich nach Kopenhagen und Oslo, wo er eine angesehene Malerschule gründete. Sein nah ins Bildfeld gerücktes inniges Porträt „Mutter mit Kind“ kann sich jedenfalls sehen lassen und ist auf 3000 Euro geschätzt. Ganz anders sah Franz Radziwill die Welt: Sein charakteristisch schmal-hochformatiges, realistisches Blumenbild mit Margeriten vor rotem Grund, datiert 1952, wartet auf einen Zuschlag um 14000 Euro.

          Bei den Möbeln trifft ein reich dekorierter Halbschrank im Boulle-Stil, Paris um 1870/80, mit dem rätselhaften handschriftlichen Vermerk unter der Marmorplatte „Pour Honoré de Balzac“ (1200) auf ein sparsam rundeckiges französisches Art-déco-Esszimmer in schwarzlackiertem Holz mit verchromten Applikationen (2800). Meissen wartet mit einer seltenen Teekanne mit lupenfeiner Kauffahrteimalerei und Maskaron auf (9000) und mit einem außergewöhnlich schönen Walzenkrug mit Höroldt-Chinoiserien (8500).

          Bei den Asiatika findet sich schließlich eine ungewöhnliche Sammlungsauflösung von chinesischen Cloissonné-Email-Figuren aus der Qing-Dynastie des 18. und 19. Jahrhunderts. Das bemerkenswerteste Objekt ist ein reich emaillierter großer dreirädriger Wagen von 85 Zentimetern Länge (3900), das prunkvollste ein Paar vierzig Zentimeter hoher Pferde auf Holzsockeln (4500).

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