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Kunst und Antiquitäten : Ein Gelehrter macht das Rennen

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Russische Kunst war ebenso begehrt wie ein Bacchus aus Süddeutschland. In Rekordlaune zeigten sich die Bieter bei Koller in Zürich aber erst als ein Bild der Klagemauer aufgerufen wurde - die Ergebnisse.

          Bei den Frühjahrsauktionen von Koller in Zürich bewährten sich alte Bekannte. Einige Ausreißer nach oben und eher überraschende Rückläufe sorgten dennoch für Aufmerksamkeit, wobei die Preziosen aus der Sammlung eines europäischen Gelehrten besonderen Glanz verbreiteten. Das Haus konnte ein Ergebnis von sechzehn Millionen Franken verbuchen; die zahlreichen Rekorde des vergangenen Jahres blieben - bis auf eine Ausnahme - aus.

          Die Russen sind bei Koller allgegenwärtig, sowohl bei den Einlieferungen als auch weiterhin unter den kauffreudigen Kunden. Der höchste Zuschlag der Auktionswoche galt nicht unerwartet Wassili Dmitrijewitsch Polenows „Spaziergängerin auf einem Waldweg“ von 1883: Das Gemälde erreichte mit 830.000 Franken beinah das Dreifache seiner oberen Schätzung und wird künftig einen aus Russland stammenden Sammler in Deutschland erfreuen.

          Eines der Seestücke, mit denen Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski Erfolge feierte, wechselte für eine halbe Million Franken (Taxe 400.000/700.000) von einem deutschen Einlieferer in die Kollektion eines Käufers in Moskau. Als dritter Russe schaffte es Wiktor Michailowitsch Wasnezow unter die Top ten: Seine „Beweinung Christi“ war seit ihrer Entstehung in Privatbesitz und stieg von der niedrigen Taxe bei 60.000 bis 90.000 auf erstaunliche 250.000 Franken.

          Rekord für ein Werk von William Gale

          Auch das Interesse an Werken Carl Spitzwegs erwies sich als ungebrochen, seine „Scharwache“ geht für 220.000 Franken (80.000/120.000) zurück nach Deutschland. Eine kleine Suite mit zehn orientalischen Motiven von unterschiedlichen Händen hatte im Katalog einen eher unspektakulären Auftritt. Allerdings versetzte die 1863 von William Gale gemalte „Klagemauer in Jerusalem“ mehrere Bieter in Spannung, unter denen sich ein israelischer Kunsthändler durchsetzte.

          Der Preis für diesen Erfolg war hoch; denn auf die bescheidene obere Schätzung von 18.000 folgte ein spektakulärer Hammerpreis von 265.000 Franken - Weltrekord für Gale. Solide, aber diesmal ohne großes Aufsehen behaupteten sich die Alten Meistern, darunter die Holländer des 17. Jahrhunderts, die Pieter Claesz mit einem Stillleben dominierte, das von maximal geschätzten 150.000 auf 240.000 Franken kletterte. Zuvor hatte Balthasar van der Asts Blumenstillleben mit 225.000 Franken seine untere Taxe knapp verfehlt.

          Prominente Rückgänge

          Die Verkaufsquoten für die Alten Meister und Gemälde des 19. Jahrhunderts lagen zwischen fünfzig und sechzig Prozent. Zu den prominentesten Ausfällen gehörten ein Blumenstillleben von Roelant Savery (Taxe bis 1,2 Millionen), Jacob van Ruisdaels „Bergige Landschaft“ (600.000/ 800.000) oder sechs Tafeln zu Adam und Eva von Jan Brueghel d. J. (550.000/ 650.000). Mit hohen Erwartungen der Einlieferer war auch Théodore Rousseaus „Lisière de bois“ (180.000/220.000) ins Rennen geschickt worden, fand aber, wie Peter Birmanns „Blick auf Basel“ (150.000/ 200.000), keine Interessenten.

          Zwei Auktionstage hatte man in Zürich reserviert für die 840 Lose der Sammlung des 1984 verstorbenen Basler Pharmakologen Franz Gross. Dieser Teil avancierte durch seine hohe Quote von achtzig Prozent verkaufter Objekte zum eigentlichen Höhepunkt der Frühjahrsauktionen. Der Umsatz dieser Spezialauktion lag bei beachtlichen 2,3 Millionen Franken, was die untere Gesamttaxe beinah verdoppelte. Zwei kleine italienische Marmorlöwen setzten gleich zum Auftakt Maßstäbe: Geschätzt auf um die tausend Franken pro Stück, kamen sie als Paar auf eindrucksvolle 30.000 Franken.

          Ein Bacchus für die Schweiz

          Zum Star geriet gegen Ende eine wohl im Süddeutschland des 16. Jahrhunderts gefertigte Bronzestatuette des Bacchus, die am Ende des 18. Jahrhunderts Prinz Christian August von Waldeck gehörte: 72.000 Franken (15.000/ 25.000) investierte ein Schweizer Connaisseur in den Kleinen mit der schönen Patina. Ebenfalls süddeutscher Herkunft ist ein Christophorus mit Jesuskind, mehr als einen Meter hoch und vollrund aus Lindenholz geschnitzt, dessen obere Schätzung ein Bieter aus den Niederlanden mit 26.000 Franken mehr als verdoppelte.

          Auch viele Möbel und Kleinkunst fanden neue Besitzer: 24.000 Franken (30.000/ 50.000) gab jemand für eine reich intarsierte Louis-XIV-Kommode aus, die gleiche Summe bewilligte ein deutscher Käufer für einen originellen venezianischen Tuchhändlertisch (12.000/20.000). Ein kapitaler Türklopfer war einstmals die Zierde einer Renaissance-Pforte in Venedig, jetzt notierte man in Zürich 30.000 Franken (20.000/30.000) dafür. 32.000 Franken (15.000/25.000) erreichte ein Corpus Christi , der vor rund 800 Jahren in Limoges gefertigt wurde.

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