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Kunst bei Van Ham : Die Zeichen stehen auf Expansion

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Mit einer erfolgreichen Auktion beschloss das Kölner Auktionshaus Van Ham ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr: Zu dem guten Endergebnis trugen vor allem Raoul Dufys „Les navires vers le large“und die Zeitgenossen der achtziger und neunziger Jahre bei.

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          Mit einem Umsatz von rund zwanzig Millionen Euro beschließt das Kölner Auktionshaus Van Ham das Jahr, das bedeutet eine Steigerung von fünfzehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresumsatz. Besonders kann sich Auktionator Markus Eisenbeis vor allem über Umsatzsteigerungen in der modernen und zeitgenössischen Kunst freuen: Bei der letzten Versteigerung dieses Herbsts setzte er in diesem Bereich 3,1 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) mit ungefähr 1800 Losen um und kann so für sein Haus einen Zuwachs von 45 Prozent verbuchen.

          Dazu beigetragen hat unter anderem Raoul Dufys langgestreckte, leuchtend blaue Leinwand „Les navires vers le large“, um 1930, die zu ihrer Taxe von 80.000 Euro den Besitzer wechselte. Ein griechischer Händler ersteigerte am Telefon gleich beide Werke von Henri Rousseau: Sein naives Stillleben „Nature Morte aux verres et aux faiences“ schaffte ebenfalls 80.000 Euro, der Schätzung entsprechend. Das Gemälde „Vue de pont de Sèvres et de Saint-Cloud“, um 1896, ging mit einem Gebot in Höhe von 50.000 Euro (Taxe 45.000 Euro) über den Tisch.

          Erfolge bei den Zeitgenossen

          Eine Komposition Auguste Herbins aus dem Jahr 1929 übertraf mit einem Zuschlag in Höhe von 43.000 Euro ihren Schätzpreis (40.000), während die „Ile d'ouessant - Port d'Harant“ von Andreas Jawlensky, ein Gemälde in Öl auf Malpappe aus dem Jahr 1927, zu einem Vielfachen seines Schätzpreises in Höhe von 15.000 Euro abgegeben wurde: Stolze 56.000 Euro war das Bild einem Bieter wert. Das sehr schöne Blatt seines Vaters Alexej Jawlensky, ein sitzender Akt, konnte dagegen nur unter Vorbehalt für 2300 Euro (2800) zugeschlagen werden. Otto Modersohns frühes Gemälde „Sonniger Herbsttag“ aus dem Jahr 1887 wurde zum Taxpreis von 30.000 Euro an ein deutsches Museum abgegeben, während sein „Herbststrauß“ von 1939, auf 15.000 Euro geschätzt, nicht verkauft wurde. Auch die 1903/04 entstandene Bleistiftzeichnung „Mutter mit Kind auf dem Arm“ seiner Frau Paula Modersohn-Becker, auf 5500 Euro taxiert, blieb liegen.

          Bei den Zeitgenossen waren es vor allem Arbeiten der achtziger und neunziger Jahre, die zum Erfolg der Auktion beitrugen: Karel Appels Gemälde „The Kiss“ sicherte sich der europäische Handel zum Schätzpreis von 50.000 Euro; „Polare“, ein großformatiges Werk von Mimmo Paladino aus dem Jahr 1992, wurde - nach einer vorsichtigen Schätzung auf 45.000 Euro - von einem italienischen Bieter für 56.000 Euro ersteigert, während für „head“ von Rainer Fetting 40.000 Euro (22.000) geboten wurden. Viele Lose von Günther Uecker konnten ihren Schätzpreis vervielfachen: Eine Collage mit Nägeln, „Splitter“ (8000), erzielte 14.000 Euro; „N.Y.“ von 1966 spielte 7500 Euro (600) ein.

          Nerly überzeugt die Bieter

          Die „Piazetta in Venedig im Mondschein“ des deutschen Romantikers Friedrich Nerly war das Titelmotiv des Kataloges „Alte Kunst“, der insgesamt mehr als 1900 Lose aus dem Bereich Alter und neuer Meister sowie Kunstgewerbe listete. Die Piazetta wurde zu einem der erfolgreichsten Kunstwerke dieser Versteigerung und erzielte 210.000 Euro - mit dem außerordentlichen Erfolg dieses auf 120.000 Euro geschätzten Bilds knüpft Van Ham an die Frühjahrsauktion an, als man für Nerly einen Auktionsrekord verbuchen konnte. Ein kleineres Gemälde Friedrich Nerlys konnte seinen Schätzpreis von 33.000 Euro behaupten. Eine dritte Ansicht von Venedig vom Belgier Ambros Ivo Vermeersch überstieg zur Überraschung der Zuschauer im Saal ihre Schätzung auf 8000 Euro und wurde erst bei 52.000 Euro zugeschlagen.

          Bei den Alten Meistern war vor allem eine Kupfertafel aus dem Umfeld Adam Elsheimers heftig beboten. Ein Schweizer Galerist setzte sich mit 51.000 Euro (40.000) durch. Eine Holztafel des Meisters des verlorenen Sohns, die „Susanna und die beiden Alten“ darstellt, ging für 52.000 Euro (16.000) an einen französischen Sammler. Den zweithöchsten Zuschlag konnte Auktionator Markus Eisenbeis mit einem der seltenen Werke des javanischen Künstlers Prinz Raden Sarief erzielen: „Löwen mit totem Pferd und Schlange“ wurde von einem indonesischen Museum zur Taxe von 120.000 Euro erworben. „Trotz aller Euphorie für den Markt der modernen und zeitgenössischen Kunst“, so teilt Markus Eisenbeis mit, will man nun bei Van Ham dezidiert die Bereiche Alte Kunst und Kunsthandwerk ausbauen und künftig jeweils in Mai und November eigene Kataloge für „Malerei & Skulptur“ sowie „Europäisches Kunstgewerbe“ auflegen.

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