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Jahresrückblick Österreich : Von Schiele bis nach China

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Der Erfolg verteilt sich auf alle Schultern: Die Bilanz von Österreichs Auktionshäusern für das vergangene Jahr offenbart Spitzenergebnisse und historische Rekorde für einzelne Künstler.

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          Für die Wiener Auktionshäuser war 2010 nicht nur ein ungeheuer erfolgreiches, sondern auch ein sehr spannendes Jahr. Sowohl das Traditionshaus Dorotheum als auch die Konkurrenz Im Kinsky erzielten die höchsten Umsätze in ihrer Unternehmensgeschichte. Und jedes der beiden großen Häuser hatte ein Spitzenlos als Trumpf im Ärmel, für das es die Werbetrommel kräftig rührte.

          Als Überraschung kam das herrliche Tableau „Der Mensch zwischen Tugend und Laster“ des Alten Meisters Frans Francken II auf den Markt. Von seinem deutschen Besitzer arg unterschätzt, erkannte das Dorotheum in dem verschollenen Bild dennoch seine Chance und inszenierte seine Altmeister-Auktion im Frühling entsprechend. Anstatt der taxierten 400.000 bis 500.000 Euro trat das hervorragend erhaltene Ölbild einen Siegeszug an, der erst beim Meistgebot von 6,1 Millionen Euro durch den britischen Kunsthändler Johnny Van Haeften stoppte.

          Wenngleich weniger marktfrisch, so wurde doch auch dem Auktionshaus Im Kinsky ein rares Meisterwerk anvertraut: Ein Gemälde von Egon Schiele in der Qualität des quadratischen Ölbilds „Prozession“ war in Österreich zuletzt 1998 zu haben. Der Ankauf von Gustav Klimts Goldbild „Adele Bloch-Bauer I“ 2006 hatte es für Ronald Lauders Neue Galerie in New York notwendig gemacht, sich von einigen Sammlungsstücken zu trennen.

          Schieles düstere Darstellung von drei Frauen wurde bereits 2007 bei Christie's in London erfolglos angeboten. Mit einer kräftig zurechtgestutzten Taxe wagte man nun in Wien einen zweiten Anlauf, und die bescheideneren Hoffnungen wurden nach wenigen Geboten erfüllt. Der Hammer fiel bei 3,5 Millionen Euro, was zwar nur die untere Taxe einlöste, aber immerhin den nationalen Künstlerrekord überbot, den der Sammler Rudolf Leopold einst mit Schieles „Mädchen“ aufstellte.

          Auf internationalem Expansion aus

          Mit einem Jahresumsatz von 143 Millionen Euro, den das Dorotheum mit seinen mehr als vierzig Sparten erzielte, reiht sich das bis zu seiner Privatisierung 2001 als Staatsbetrieb geführte Unternehmen heute unter die fünf erfolgreichsten Auktionshäuser weltweit ein. Der Umsatz von 113 Millionen Euro im schwierigen Jahr 2009 konnte weit abgehängt werden, und auch das Spitzenresultat von 2007 mit 123 Millionen ist Geschichte.

          Schon allein rechnerisch wird klar, dass nicht nur ein Haupttreffer für dieses Spitzenergebnis verantwortlich sein kann. Im Frühjahr liefen auch die Segmente 19. Jahrhundert, Klassische Moderne, Design und Silber zu historischen Rekordauktionen auf. Außerdem wird die Geschäftsführung schon seit längerer Zeit nicht müde, ihrem internationalen Expansionskurs einen maßgeblichen Anteil an der jüngsten Erfolgsgeschichte zuzuschreiben.

          Die Akquisitions- und Absatzkanäle nach Italien funktionieren dank mehrerer Filialen exzellent, und 2010 machte sich auch die verstärkte Konzentration auf Frankreich bezahlt. So bot dem Dorotheum seine Pariser Repräsentanz einen würdigen Rahmen, um die Highlights der Wiener Versteigerungen dort auszustellen.

          Zwei Schieles für Österreich

          Ein Plus von 37 Prozent im Vergleich zu 2009 bedeuten die 28 Millionen Euro, die bei Im Kinsky erwirtschaftet wurden. Das Anfang der neunziger Jahre von einer Gruppe von Kunsthändlern gegründete Auktionshaus bemüht sich von Anfang an am stärksten um die österreichische Kunstgeschichte. In seiner Jahresbilanz kann sich Im Kinsky über so viele sechsstellige Zuschläge wie noch nie freuen, nämlich nicht weniger als 55 solche hohen Verkäufe. Stattlich ist auch die Liste der letztjährigen Künstlerrekorde, wobei neben nationalen Höchstpreisen für Fixstarter wie Adolf Loos, Arnulf Rainer oder Hundertwasser auch für bisher weniger hoch gelistete Namen Aufwertungen verbucht wurden.

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