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Impressionismus und Moderne : Zu schnell zu hoch in London

  • -Aktualisiert am

Umsatzrekorde mit Impressionismus und Moderne - trotz teurer Rückgänge: Die Preiserwartungen der Einlieferer verhindern manches Bietgefecht.

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          Die Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne in London zeigen, dass die rezenten Rekordpreise in dieser Kategorie auf herausragenden, marktfrischen Spitzenwerken basieren, die Käufer deshalb aber noch lange nicht in blinder Spendierlaune sind. Die Abendauktion bei Sotheby's erzielte solide Ergebnisse und schloss mit 112,1 Millionen Pfund ab, gut oberhalb der unteren Gesamttaxe von 101 (bis 148) Millionen. Fünfzehn der 51 Lose blieben unverkauft, was einer Verkaufsrate von 83,5 Prozent nach Wert entspricht - dabei einem eindrucksvollen Durchschnittspreis von 3,2 Millionen Pfund pro Los. Der Umsatz war der dritthöchste, den Sotheby's in London in dieser Kategorie je erzielt hat; im vergangenen Juni waren mit 27 Losen 33,5 Millionen Pfund umgesetzt worden.

          Das Spitzenlos von Manet, sein ambitioniert auf zwanzig bis dreißig Millionen Pfund geschätztes Selbstporträt mit Palette aus der Sammlung von Steven A. Cohen, fand in seinem altmeisterlichen Braun nur ein einziges Gebot. Der Auktionator Henry Wyndham fing bei sechzehn Millionen an, die „Chandelier Bids“ aus der Luft zu fischen, und arbeitete sich langsam in 500.000-Pfund-Schritten bis auf 19,5 Millionen hoch. Bei mittlerweile angespannter Stille regte sich kein Spezialist an den Telefonen oder Bieter im Saal. Als es schon so aussah, als würde das Sahnestück keinen Abnehmer finden, hob doch noch ein Mann in der Mitte des prall gefüllten Saals sein Paddel, und der Hammer fiel nach diesem einzigen Gebot bei zwanzig Millionen Pfund - doch noch ein Auktionsrekord für Manet. Bei dem Käufer soll es sich um den New Yorker Händler Franck Giraud handeln.

          Die Veranstaltung hatte fulminant begonnen, mit drei Picasso-Zeichnungen der Dora Maar, die ihr Vorbesitzer 1998 bei der Auktion des Nachlasses der Picasso-Muse gekauft hatte; sie wurden sämtlich oberhalb ihrer Taxen vermittelt: Das höchste Gebot gab dabei ein Telefonkunde mit einer Million Pfund (Taxe 400.000/ 600.000) für das „Portrait de Dora Maar endormie“ ab. Auch eine „Étude pour ,nu rose'“ mit Kohle auf Papier von Matisse fand überraschend zähe Liebhaber - und ihr Preis stieg auf sagenhafte 5,2 Millionen Pfund (1,5/2,5 Millionen) durch ein Telefongebot. Matisses fünfzig mal 65 Zentimeter messende „Odalisques jouant aux dames“ schafften durch, ebenfalls am Telefon bewilligte, 10,5 Millionen Pfund (10/15 Millionen) knapp die untere Taxe und wurden zum drittteuersten Los des Abends.

          Die Sotheby's-Spezialistin Caroline Lang aus der Schweiz sicherte ihrem Sammler am Telefon sowohl Beckmanns kecke „Frau im Bett“ für 1,9 Millionen (1,2/1,8 Millionen) als auch Corinths „Walchensee, aufgehender Mond“ für 750.000 Pfund (800.000/1,2 Millionen). Zuvor war schon das zweitteuerste Los des Abends - Derains „Arbres à Collioure“ aus der ehemaligen Sammlung von Ambroise Vollard - zum Hammerpreis von 14,5 Millionen Pfund (9/14 Millionen) an dieselbe Telefonbieter-Nummer gegangen. Der Düsseldorfer Kunsthändler Michael Beck ersteigerte Mackes marktfrische „Frauen im Park (mit weißem Schirm)“, einst in der Krefelder Lange-Sammlung, für eine deutsche Privatsammlung mit 1,7 Millionen Pfund (1,6/2,5 Millionen), gegen das Telefon der russischen Sotheby's-Spezialistin.

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