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Impressionismus und Moderne : Wo ist die Leidenschaft geblieben?

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Einen Picasso? Ja, gerne! Aber bitte nicht für mehr als 19 Millionen Dollar. Das Angebot der New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby's und Christie's war zu brav für hitzige Bietgefechte.

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          Vor einem Jahr hat Picassos „Akt mit grünen Blättern und Büste“ aus dem Nachlass von Frances Brody bei Christie’s einen Rekord von 106,5 Millionen Dollar aufgestellt. In dieser Saison wurde Picasso zwar auch besonders groß geschrieben, aber vergleichbare Sammlungen wie die der Brodys waren nicht aufzutreiben. So sind die Ergebnisse der New Yorker Frühjahrsauktionen von Impressionismus und Moderne insgesamt unspektakulär, aber solide ausgefallen.

          Sotheby’s machte den Auftakt. Viele der 59 Lose überrundeten ihre Taxen, aber manch ein teures Stück wechselte unterhalb der Schätzung den Besitzer, und fünfzehn fanden gar keinen Abnehmer. Das Aufgeld eingeschlossen, liegt der Gesamtumsatz der Abendauktion bei Sotheby’s mit 170 Millionen Dollar innerhalb der Erwartungen. Den höchsten Preis erzielte dabei wie erhofft Picassos „Femmes lisant (deux personnages)“ von 1934, allerdings fiel der Zuschlag schon bei neunzehn Millionen Dollar, weit unterhalb der Schätzung von 25 bis 35 Millionen.

          Picasso war mit Marie-Thérèse leidenschaftlich verbunden, aber sie und ihre Schwester beim Lesen am Schreibtisch schienen dem zahlungskräftigen Publikum vielleicht zu brav und züchtig. Da das letzte Gebot von einem Unbekannten im Publikum kam, der angeblich Chinesisch gesprochen haben soll, kann man vermuten, dass die lesenden Schwestern auf dem Weg ins Reich der Mitte sind.

          Erfolgreiche Gebote gab es außerdem für Picassos großes Gemälde mit einem verschlungenen „Couple à la guitare“ von 1970 für 8,5 Millionen Dollar (Taxe 10/15 Millionen Dollar) und das beeindruckende Knochengesicht „Femme“ von 1930 für sieben Millionen Dollar (3/5 Millionen), beide aus dem Nachlass von Dodie Rosekrans.

          Victoria Gelfand, eine Agentin der Gagosian Gallery mit guten Verbindungen nach Russland und in die Ukraine, wurde dabei beobachtet, wie sie Paul Delvaux zu einem neuen Rekord von acht Millionen Dollar (3/5 Millionen) verhalf. Seine kühle surrealistische Phantasie „Les Cariatides“ von 1946 wirkt wie eine Collage aus nackten, blassen Frauen mit übergroßen Rehaugen, violettem Himmel und antiker Tempelarchitektur.

          Lebhaftes Interesse an einem Denker von Rodin

          Ausgerechnet Guy Wildenstein, der sich derzeit in Frankreich unter anderem gegen der Vorwurf der Steuerhinterziehung wehren muss, soll für Manets „Portrait de Monsieur Brun“ 4,75 Millionen Dollar (4/6 Millionen) ausgegeben haben. Auf dem Bild schiebt ein stolzer junger Mann mit Zylinder trotzig die Hände in die Jackentaschen. Eines der Spitzenlose ist wie erwartet Jawlenskys expressionistisches Ölbild „Frau mit grünem Fächer“, gemalt 1912 in München, mit einem Zuschlag bei zehn Millionen Dollar (8/12 Millionen).

          Nur selten kommen Skulpturen von Gauguin auf den Markt, deshalb ist seine mit Korallenketten geschmückte „Jeune Tahitienne“, um 1893, eine besondere Kostbarkeit. Erst am Abend kündigte der Auktionator an, dass das Los eine Garantie mit einem unwiderruflichen Gebot trug. So wurde es telefonisch zur unteren Taxe von zehn Millionen Dollar abgegeben. Lebhaftes Interesse motivierte eine knapp 38 Zentimeter hohe Bronze von Rodins Denker, gegossen zwischen 1915 und 1917.

          Der New Yorker Kunsthändler Guy Bennett, der selbst einmal die Impressionismus-Abteilung bei Christie’s leitete, wurde beobachtet, wie er das Bietgefecht bei 3,5 Millionen Dollar (1,5/2 Millionen) für sich entschied. Vor zehn Jahren, im November 2001, erzielte die kleine Bronze in New York einen Hammerpreis von knapp 450.000 Dollar.

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