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Impressionismus und Moderne : So viel Matisse war lange nicht

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Jetzt ist die Zeit für die Prestige-Auktionen überhaupt. In New York stehen die Versteigerungen mit Impressionismus und Moderne an. Ein Blick auf das Angebot zeigt: Matisse ist in diesem Jahr der Hoffnungsträger.

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          In New York wird in der ersten Novemberhälfte wieder Kunst vom Impressionismus bis zu den Zeitgenossen versteigert. Traditionell sind es weltweit die umsatzstärksten Auktionen des Jahres. Die erste Woche gehört den Werken vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Malerei von Monet, Bonnard, Gauguin, Klee und Beckmann, Zeichnungen von Seurat, Degas und Picasso, Bronzen von Rodin, Maillol, Giacometti und Moore - sie alle buhlen um die Aufmerksamkeit einer kaufkräftigen internationalen Klientel.

          Dabei scheint Matisse in dieser Saison dem alten Rivalen Picasso den Rang abzulaufen. Bei Sotheby's sind ganze sieben der 61 Lose der Abendauktion von Matisse, aber nur fünf von Picasso. Bei Christie's stammt das Spitzenlos unter den 85 Werken des Abends von Matisse: Bei dem monumentalen Bronzerelief „Nu de dos, 4 état“ von 1930 handelt es sich um den vierten, abstraktesten und am stärksten architektonischen Akt seiner berühmten Serie von Frauenkörpern.

          Andere Güsse der Bronze, die in einer Auflage von zwölf erst gegen Ende seines Lebens und postum entstanden sind, befinden sich in der Londoner Tate Gallery, im MoMA in New York und im Centre Pompidou in Paris. Der Guss jetzt bei Christie's ist von 1978 und soll 25 bis 35 Millionen Dollar einspielen. Noch teurer soll ein betörender Akt von Amedeo Modigliani werden, das Spitzenlos bei Sotheby's: Der chronisch mittellose Künstler malte „Nu assis sur un divan (La Belle Romaine)“ im Jahr 1917 in der Pariser Wohnung des polnischen Dichters Leopold Zborowski.

          Der handelte mit Kunst und hatte Modigliani beauftragt, Akte zu malen, wofür Zborowski auch die Modelle bezahlte. Eine Serie von sieben Akten, darunter vielleicht auch „La Belle Romaine“, wurden noch im selben Jahr in der Galerie Berthe Weill gezeigt - aber sie schockierten das Pariser Publikum so sehr, dass die Polizei die Ausstellung schon nach wenigen Stunden sperrte. Auf Anfrage heißt es, die Schätzung liege bei vierzig Millionen Dollar: Das sind zehn Millionen mehr als der bisherige Höchstzuschlag für ein Gemälde von Modigliani, aber zehn Millionen weniger als der Preis für seine Skulptur, die Anfang dieses Jahrs bei Christie's in Paris versteigert wurde.

          Ein Monet aus der Reader's Digest Collection

          Übrigens ist das hundert mal 65 Zentimeter messende Bild schon einmal bei Sotheby's unter den Hammer gekommen, als Einlieferung aus einer asiatischen Privatsammlung: 1999 bezahlte sein Käufer knapp achtzehn Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) dafür. Er hat nun eine garantierte Summe mit Sotheby's vereinbart, die sich das Auktionshaus durch das unwiderrufliche Gebot einer dritten Partei absichern ließ.

          Sotheby's versteigert außerdem Modiglianis Bildnis seiner jungen Geliebten, „Jeanne Hébuterne (au chapeau)“, ebenfalls von 1917 (Taxe 9/12 Millionen Dollar); der Erlös für das Porträt kommt einer Stiftung namens „Youngarts“ zur Förderung junger Talente zugute, die 1981 von dem Kreuzfahrtschiffunternehmer Ted Arison gegründet wurde.

          Für denselben guten Zweck wird ein fast zwei Meter breites Bild von Claude Monet aufgerufen, das seinen berühmten Seerosenteich in Giverny zum Motiv hat: Hier bilden die sorgsam gepflegten Wasserpflanzen Inseln als lockere Farbflecken, zwischen denen sich der blaue Himmel spiegelt und dunkelgrüne Flächen den Blick in die Tiefe ziehen: Von 1917 bis 1919 entstanden, befand sich das Gemälde über vier Jahrzehnte in der Reader's Digest Collection, bis es 1998 bei Sotheby's für knapp zehn Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) verkauft wurde.

          Notfalls auch zu einem Verlustgeschäft bereit

          Nun steht die Taxe bei zwanzig bis dreißig Millionen Dollar. Zu den schönsten Bildern des Abends gehört die 46 mal 55 Zentimeter große „Danseuse dans le fauteuil“ von Matisse. Mit herrlich lockerem, gekonntem Pinselstrich malte er im Sommer 1942 verschiedene Variationen der jungen italienischen Gräfin Carla Avogardo, die für ihn im Tutu posierte. Auf dem schwarzweißen Marmorboden wirkt sie wie eine extravagante, langbeinige und selbstbewusste Königin auf einem Schachbrett.

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