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Impressionismus und Moderne : So teuer können Musen sein

  • -Aktualisiert am

Bei den traditionellen Frühjahrsauktionen mit Impressionismus und Moderne in London soll bei Sotheby's Picassos Muse die Sammler verführen. Christie's setzt auf die Strahlkraft eines Stilllebens von Paul Gauguin.

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          Picassos Porträts seiner jungen Muse Marie-Thérèse Walter gehören zu den kostspieligsten Werken des Auktionsmarkts. Auch der derzeitige Rekord für das teuerste je bei einer Auktion vermittelte Gemälde wird von einem 1932 gemalten Stillleben mit der nackten Geliebten „Nu au plateau de sculpteur“ - verkauft im vergangenen Mai bei Christie's in New York zum Hammerpreis von 95 Millionen Dollar - gehalten.

          Nun will Sotheby's in London bei seiner Abendauktion mit Impressionismus und Moderne am 8. Februar mit einem weiteren Bild von Marie-Therèse aus dem gleichen fruchtbaren Jahr nachziehen: „La Lecture“ wurde eingeliefert aus einer ungenannten amerikanischen Privatsammlung und war seit der Retrospektive Picassos in der Galerie Petit in Paris und im Kunsthaus Zürich, kurz nach seiner Fertigstellung 1932, nicht mehr öffentlich in Europa ausgestellt.

          Bis vor wenigen Wochen hat das Kunsthaus Zürich eine Rekonstruktion dieser Picasso-Ausstellung gezeigt, in der „La Lecture“ jedoch nur mit einer Abbildung vertreten war. Es wurde zuletzt 1996 in New York bei einer Auktion eingeliefert, wo es, mit der unteren Taxe von sechs Millionen Dollar versehen, jedoch keinen Bieter fand.

          Ebenso wie das New Yorker Rekordlos vom Mai 2010 kommt auch „La Lecture“ - das Bild einer schlafenden Frau, ein Buch aufgeschlagen in ihrem Schoß - garantiert und mit einem unwiderruflichen Gebot abgesichert zum Aufruf. Allerdings ist es mit den Maßen 65,5 mal 51 Zentimeter nicht einmal halb so groß wie „Nu au plateau de sculpteur“ und wurde mit der eher konservativen Taxe von zwölf bis achtzehn Millionen Pfund versehen.

          „La Lecture“ ist im Stil außerdem vergleichbar mit Picassos Werk ähnlichen Motivs „Le Rêve“, ebenfalls aus dem Jahr 1932, das zweifelhafte Berühmtheit erlangte, als sein Besitzer, der Las-Vegas-Casino-Mogul Steve Wynn, die Leinwand mit seinem Ellbogen beschädigte, nachdem er sich schon mit dem potentiellen Käufer Steve Cohen auf den Preis von 139 Millionen Dollar geeinigt hatte. Auch „Le Rêve“ ist etwa doppelt so groß wie das auf Holz gemalte „La Lecture“.

          Ein Feininger aus dem Nachlass von Fritz Katz

          Zu den aufregendsten Losen der Auktion bei Sotheby's gehört auch ein Bild von Feininger, gemalt 1912 während seiner Zeit als Mitglied der „Brücke“, in dessen zersplitterter Perspektive und intensiver Farbigkeit sich sein Interesse für den Kubismus zeigt: „Raddampfer am Landungssteg“ von Heringsdorf in Usedom erwartet Gebote zwischen einer und 1,2 Millionen Pfund.

          Es wurde aus dem Nachlass von Fritz Katz eingereicht. Ein Teil des Erlöses wird an die Erben des Berliner Bankers und Kunstsammlers Hugo Simon gehen, der 1933 aus Deutschland floh und das Bild in der Amsterdamer Kunsthandlung Goudstikker zurücklassen musste. Von der Nolde-Erbin Jolanthe Nolde aus Heidelberg wurden zwei Werke von Emil Nolde, die Gartenansicht „Zinnien und Stockrosen“ für geschätzte 900.000 bis 1,4 Millionen Pfund und „Überschleierte Sonne“ für 500.000 bis 700.000 Pfund eingereicht.

          Sonderauktion für Werke aus einer Privatsammlung

          Ein weiteres Los ist mit Garantie und unwiderruflichem Gebot versehen: Marino Marinis handbemalter, monumentaler Reiter „L'idea del cavaliere“ von 1955, für den im Gefolge seines erst im Oktober in London aufgestellten Rekords 3,7 bis 4,5 Millionen Pfund erwartet werden. Daneben sind Bronzen von Henry Moore und Maillol sowie Giacometti - diesmal eine „Grand buste de Diego avec bras“ (Taxe 3,5/5 Millionen Pfund) - vertreten. Insgesamt soll die Abendauktion bei Sotheby's mit 42 Losen 55,6 bis 79,2 Millionen Pfund einspielen.

          Publikumsinteresse erhofft sich Sotheby's auch zwei Tage später bei der Abendauktion „Looking Closely: A Private Collection“ am 10. Februar mit sechzig Losen der europäischen Moderne und von Zeitgenossen mit einer Gesamtschätzung auf 39,2 bis 54,9 Millionen Pfund, deren Einlieferer nicht genannt wird. In der Sammlung befindet sich auch eine Gruppe von eigens bei Chagall in den sechziger Jahren für das Esszimmer der Familie in Auftrag gegebenen Leinwänden, darunter die Großformate „Bethsabée“ und „David“ (je 2,5/3,5 Millionen).

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