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Impressionismus und Moderne : Rekord mit Ankündigung

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen mit Impressionismus und Moderne bei Christie's und Sotheby's in London waren ein Fest der Millionen. Erfolge gab es für Picasso, Rekorde für Macke, Klee und Schiele. Für letzteren reichte nur ein einziges Gebot.

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          Als nach einer fast dreistündigen Auktion der Hammer zum letzten Mal auf das Rostrum knallte, konnte sich der Auktionator Jussi Pylkkänen auf die Schulter klopfen: Mit achtzig von 92 verkauften Losen hatte Christie's mehr als 140 Millionen Pfund umgesetzt, innerhalb der Taxe, von 115 bis 164 Millionen. Der Abend hatte stark begonnen mit dem Verkauf von vierzig Losen aus dem Nachlass des Schweizer Galeristen Ernst Beyeler. Neben Kunstwerken waren persönliche Objekte darunter: Beyelers Schreibtisch war besonders begehrt und wurde bei 240.000 Pfund, dem zwanzigfachen der oberen Taxe im Saal zugeschlagen, während ein Tisch von Alberto Giacometti mit 540.000 Pfund die unter Schätzung von 50.000 Pfund mehr als verzehnfachte.

          Auch Kunstwerke aus dem Wohnhaus der Beyelers fanden viel Interesse: Auf Beyelers Nachttisch stand Giacomettis kleine Bronze „Femme nue“ (Taxe 350.000/ 450.000 Pfund), die auf 600.000 Pfund stieg, daneben hing Paul Klees „Parklandschaft“ (400.000/600.000), die 420.000 Pfund erzielte. Beyelers Frau wählte Picassos kleines Ölgemälde „Paysage“ (550.000/850.000) für ihre Schlafzimmerwand, das für 950.000 Pfund ebenso am Telefon vermittelt wurde.

          Das teuerste Los aus dem Beyeler-Nachlass wurde Picassos „Buste de Françoise“ (7/10 Millionen), für die sich der New Yorker Galerist Acquavella mit 9,5 Millionen Pfund durchsetzte. Daniella Luxembourg sicherte sich Paul Klees „Gelände des Übermuts“ (200.000/300.000) mit 350.000 Pfund. Ein langes Bietgefecht entwickelte sich um die fast vier Meter breite Arbeit „Océanie, la mer“ (500.000/ 700.000) von Mattisse, die als Wandbespannung in seinem Atelier in Paris diente. Die weiß auf grobes Leinen gedruckten Formen, inspiriert von Algen und Meeresgetier, waren einem Telefonbieter 2,6 Millionen Pfund wert.

          Unter den Augen von Ernst Beyeler, der auf einem Poster im Auktionssaal sein Charisma wirkungsvoll auf das Auktionsgeschehen übertragen sollte, blieb jedoch das teuerste Los der Beyeler-Gruppe, Monets „Nympéas“, unverkauft. Thomas Seydoux erklärte nach der Auktion, die Schätzung sei bewusst sehr hoch angelegt worden; nun könne sich die Stiftung freuen, dass ihr die Leinwand für den Monet-Raum ihrer Ausstellungshalle erhalten bleibe. Gaugins „Le Vallon“ und Renoirs „La source (Nu allongé)“ fanden recht schnell, knapp über ihren unteren Taxen, mit Hammerpreisen von 5,7 und 4,5 Millionen neue Liebhaber. Toulouse-Lautrecs „Miss May Belfort“ zog ein einziges Gebot von 1,6 Millionen (1,8/2,4 Millionen) an. Insgesamt wurden 44,68 Millionen Pfund zugunsten der Beyeler-Stiftung erzielt.

          Sieg der Kunstgeschichte?

          Auch unter den restlichen Losen der Auktion machten Werke Furore, welche durch die Hände Beyelers gingen und sein untrübliches Auge für Qualität bescheinigen. Dazu gehörte Picassos Porträt von Dora Maar, „Femme assise, robe bleue“, mit der erstaunlich niedrigen Taxe von vier bis acht Millionen. Christie's erklärte nach der Auktion, die Einlieferer hätten eine drei Jahre alte Schätzung nicht nach oben korrigieren wollen. Nach einem Wettstreit von wenigstens sieben Bietern wurde das Porträt im blauen Kleid mit Hut bei sechzehn Millionen einem Telefonbieter zugeschlagen, den Christie's später als den Griechen Dimitri Mavrommatis identifizierte.

          Das kleinere, von der University of Sydney eingereichte Picasso-Porträt seiner jungen Muse Marie-Thérèse Walter „Jeune fille endormie“ (9/12 Millionen) wurde für zwölf Millionen an den Londoner Händler Alan Hobard vermittelt. Seydoux kommentierte den höheren Preis für Dora Maar mit den Worten: „Die Kunstgeschichte hat gewonnen.“

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