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Impressionismus und Moderne : Kein einziges Bild bleibt zurück

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Eine Privatsammlung übertrumpft die Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne in London. Zum teuersten Los wurde jedoch erwartungsgemäß Picassos Porträt seiner Marie-Thérèse bei Sotheby's. Das Spitzenlos von Christie's blieb allerdings unverkauft.

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          Die prestigeträchtigen Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne bei Sotheby's und Christie's in London wurden von der Versteigerung einer Privatsammlung in den Schatten gestellt: Jedes der sechzig Lose der Auktion „Looking Closely: A Private Collection“ bei Sotheby's wurde verkauft, und die Erwartung eines Umsatzes von 39,2 bis 54,9 Millionen Pfund wurde mit einem Ergebnis von 93,52 Millionen Pfund weit überschritten. Bei den Einlieferern handelt es sich wohl um die Familie des verstorbenen Sammlers Georges Kostelitz und seiner Frau Ira, deren Auge für Qualität jetzt überzeugte.

          Die Auktion stellte damit einen Rekord für eine Privatsammlung mit moderner und zeitgenössischer Kunst auf, die je in London verkauft wurde. 62 Prozent der Lose wurden an europäische Käufer vermittelt, 35 Prozent nach Amerika und drei Prozent nach Asien. Das Spitzenlos, ein kleines Bacon-Triptychon „Three Studies for Portrait of Lucian Freud“, stieg auf 20,5 Millionen Pfund (Taxe 7/9 Millionen Pfund) durch einen Sammler vorne im Saal. Ein eigens aus den Vereinigten Staaten angereister Sammler setzte sich mit 2,9 Millionen für das wohl kleinste Werk der Auktion, ein 12,5 mal 9,5 Zentimeter messendes „Self Portrait“ (600.000/ 800.000) Lucian Freuds, gemalt auf Kupfer, durch.

          Spektakulär war auch die Versteigerung von Dalís „Portrait de Paul Eluard“ aus dem Jahr 1929, das unter Geboten von wenigstens sechs Bietern schnell auf mehr als neun Millionen Pfund stieg, bis schließlich ein Sammler am Telefon des Direktors für Privatverkäufe Stephane Cosman Connery mit einem Gebot von zwölf Millionen Pfund (3,5/5 Millionen) triumphierte. Damit stellte Sotheby's einen Weltrekord für Dalí und für den Surrealismus auf. Viele der Werke konnten ihre Schätzungen teils deutlich übersteigen.

          Dazu gehörte auch der Rekord für Julio González: Seine 25 Zentimeter hohe Eisenskulptur „Masque ,Ombre et lumière'“ (800.000/1,2 Millionen) von 1930 stieg auf 4,2 Millionen Pfund durch einen Telefonbieter. Die Seltenheit von Wols, der in seinem kurzen Leben nur um die vierzig Werke schuf, wurde mit leidenschaftlichem Einsatz belohnt: Die Taxe von 100.000 Pfund für die Leinwand „Sans Titre“ war schließlich nur noch Makulatur. Am Ende stand der Rekordpreis von 2,3 Millionen Pfund zu Buche. Der vierte Rekord des Abends wurde mit 2,2 Millionen Pfund (700.000/ 900.000) für Jean Fautriers „Corps D'Otage“ notiert.

          Marinis bronzener Reiter ausgebremst an der unteren Taxe

          Sotheby's hatte zwei Abende zuvor bei der Abendauktion schon ein gutes Ergebnis vorgelegt. Hier wurden 32 von 42 Losen für 68,83 Millionen Pfund verkauft, bequem innerhalb der Taxe von 55,63 bis 79,25 Millionen. Damit war die Auktion allerdings nur das viertbeste Ergebnis, das Sotheby's in London im Februar mit Moderne und Impressionismus erzielt hat. Das Spitzenlos, Picassos Darstellung seiner Muse Marie-Thérèse Walter von 1932, überstieg ihre Taxe von zwölf bis achtzehn Millionen Pfund: Lord Mark Poltimore, der bei Sotheby's vor allem russische Kunden vertritt, setzte sich mit 22,5 Millionen Pfund für die Arbeit auf Holz durch.

          Zuvor hatte derselbe Sammler an seinem Telefon auch schon die Zeichnung eines nackten Models „Nu allongé au chien“ von Matisse (400.000/600.000) für 620.000 Pfund erstanden. Weniger Interesse bestand für Marinis großen, bronzenen Reiter „L'idea del Cavaliere“ (3,5/4,5 Millionen), auf den nur das vor der Auktion vereinbarte unwiderrufliche Gebot von 3,7 Millionen am Telefon eines amerikanischen Sotheby's-Spezialisten abgegeben wurde.

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