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Impressionismus und Moderne in Paris : In Seurats Cabaret

  • -Aktualisiert am

Solche Ergebnisse lassen sich nicht kalkulieren: Die Pariser Auktionen mit Impressionismus und Moderne brachten Rückgänge aber auch Rekordgebote.

          3 Min.

          Die internationale Finanzkrise scheint mit ihren Auswirkungen auf dem Kunstmarkt Schabernack zu treiben. Bei den zu Beginn der Woche von Christie's und Sotheby's in Paris veranstalteten Auktionen mit Impressionismus und Moderne zeigte sie sich mal von ihrer dramatischen Seite, und es gingen hochkarätige, mit tadelloser Provenienz ausgestattete, aber offenbar überteuerte Werke zurück und waren erst im Nachverkauf zu vermitteln. Dann wieder machte sich die Krise bei Spitzenwerken unsichtbar und ließ Rekordgeboten freie Bahn - wie den 4,4 Millionen Euro für Seurats Zeichnung „Au divan japonais“.

          Christie's war mit der Impressionisten-Kollektion der Modeschöpferin Jeanne Lanvin scheinbar auf Nummer Sicher gegangen. Doch von den dreißig, ursprünglich auf insgesamt zwanzig Millionen Euro geschätzten Losen wurden während der Auktion nur 23 zugeschlagen.

          Ein Werk von Degas im Nachverkauf

          Durch den Verkauf der beiden Prunkstücke der Sammlung unmittelbar nach der Auktion stieg der Gesamtumsatz auf 10,5 Millionen Euro: Degas' Pastell auf blauem Papier, „Femme au chapeau bleu“, um 1889, fand im Nachverkauf für 650.000 Euro (Taxe 800.000/ 1,2 Millionen) einen neuen Besitzer, und Renoirs „La Tapisserie dans le parc (Camille Monet)“ von 1873, mit 2,5 bis 3,5 Millionen Euro das am höchsten bewertete Gemälde des Abends, wurde im Nachhinein für 1,8 Millionen Euro vermittelt.

          Man hat die Einlieferer wohl kurzfristig noch überzeugen können, auch für diese Werke ihre Ansprüche zu senken. Für Renoirs von Velázquez inspirierte „Femme nue au canapée“, die für 680.000 Euro (800.000/1,2 Millionen) einem amerikanischen Sammler am Telefon zugeschlagen wurde, und für Boudins Strandszene „L'embarcadère à Trouville“ für ebenfalls 680.000 Euro (800.000/1,2 Millionen) hatte man sich schon vorher auf niedrigere Erwartungen geeinigt.

          Ein begehrter Renoir

          Der höchste im Saal erzielte Preis von 980.000 Euro (1,2/1,8 Millionen) galt Renoirs Ölbild „Femme à l'ombrelle assise dans le jardin (Lise Tréhot)“ von 1872. Aber erst mit dem Aufruf von „Jeune fille de profil“, einer apfelbäckigen Renoir-Schönheit in Pastell, schien der Kampfgeist der Bieter zu erwachen: Beim Zuschlag für 580.000 Euro (250.000/ 350.000) siegte ein europäischer Sammler am Telefon.

          Ein privater Saalbieter konnte Picassos kleines Ölbild von 1922, „La coiffure“, für günstige 700.000 Euro (1/ 1,5 Millionen) ersteigern. - Inklusive der Auktion am folgenden Tag setzte Christie's mit Impressionismus und Moderne insgesamt 15,7 Millionen Euro um. Für Paris, wo es vor ein paar Jahren keinen Markt in dieser Größenordnung gab, ist das eine stattliche Summe.

          Eine Meisterzeichnung von George Seurat

          Sotheby's beschränkte sich auf eine einzige Auktion, bei der 58 von 94 Losen vorwiegend moderner Kunst für insgesamt 12,7 Millionen Euro Abnehmer fanden; damit wurden immerhin achtzig Prozent der Gesamttaxe realisiert. Dazu trug das Glanzstück des Nachmittags maßgeblich bei: eben „Au Divan Japonais“ von Georges Seurat, 1887/88 zur Vorbereitung des Gemäldes „Le Chahut“ in Conté-Kreide und Gouache zu Papier gebracht; es zählt zu den zeichnerischen Meisterwerken des Malers.

          Sieben Bieter bemühten sich um das - auf höchstens eine Million Euro geschätzte - Blatt mit der Cabaretszene. Die Gebote stiegen schnell, bis schließlich ein amerikanischer Sammler am Telefon, gegen einen europäischen Saalbieter, bei 4,4 Millionen Euro den Zuschlag erhielt, ein Rekordpreis für eine Zeichnung Seurats. Picassos Stillleben „Tête de mort et livre“ von 1946 aus der Sammlung Marina Picasso ging preisgünstig für 950.000 Euro (1/1,5 Millionen) an einen Telefonbieter.

          Ein Rekord für Gleize

          Für einen Künstlerrekord sorgte eine großformatige „Composition cubiste“ aus dem Jahr 1914 von Albert Gleizes, die für 750.000 Euro (300.000/ 500.000) in eine französische Sammlung wechselte; das Gemälde in leuchtenden Farben stammt aus der besten Periode des Malers. Auch Sotheby's musste Rückgänge hinnehmen: Dalís „Le Boléro“ von 1946 ging bei 680.000 (800.000/ 1,2 Millionen) und Delvaux' „Les courtisanes ou Hommage à Vénus“ von 1944 bei 420.000 Euro (500.000/ 700.000) unverkauft zurück; beide Bilder wurden zuletzt vor etwa zehn Jahren versteigert.

          Das trotz etwa der Lanvin-Provenienz bei Christie's enttäuschende Resultat für die Impressionisten könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich die Amerikaner - mit Ausnahmen wie dem Seurat - rar machen. Bei Christie's waren drei Viertel der Käufer Europäer, bei Sotheby's wird es ähnlich gewesen sein.

          Die Moderne hält der Krise besser stand - das belegt auch ein „Portrait de Mousquetaire“ von Picasso aus dem Jahr 1967, das bei Millon & Associés im Drouot 1,66 Millionen Euro (1,5/2 Millionen) erzielte. Derzeit bestimmen die Käufer die Preise. Die aktuelle, flexible Situation bietet Sammlern gute Chancen. Sie müssen aber auch beherzt zugreifen können, damit die Einlieferer ihre besten Stücke nicht für sich behalten.

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