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Impressionismus und Moderne : Im Augenblick der Erkenntnis

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Bei den Londoner Auktionen setzt man auf prominente Provenienzen: Christie's sicherte sich die Werke aus dem Bestand der Galerie Beyeler, und Sotheby's darf ein ganz besonderes Werk von Egon Schiele aus der Sammlung Leopold aufrufen.

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          Im Februar konnte Sotheby's in London mit der Sammlung Kostelitz auftrumpfen. Nun zieht Christie's bei den Abendauktionen mit Impressionismus und Moderne nach mit dem Bestand der Basler Galerie Beyeler. Der Abend am 21. Juni beginnt mit vierzig Losen aus dem Besitz des im Februar 2010 gestorbenen Galeristen und Mitbegründers der Art Basel, Ernst Beyeler. Der Erlös aus dem Verkauf soll der von ihm und seiner Frau Hildy 1982 gegründeten Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zugute kommen. Es folgen dann weitere 52 Lose; der erhoffte Umsatz liegt bei 115 bis 164 Millionen Pfund für insgesamt 92 Lose; 37 davon sind mit einer oberen Taxe von einer Million Pfund oder mehr versehen.

          Erstes Los im Katalog ist der Schreibtisch von Ernst Beyeler (Taxe 8000/12.000 Pfund); von ihm aus führte er seit den frühen fünfziger Jahren seine Galerie. Es folgen attraktive Papier- und Keramikarbeiten von Picasso, zu Taxen von weniger als 200.000 Pfund, sowie Werke von Calder, Arp, Giacometti, Klee, Kiefer und Baselitz. Hervorzuheben sind zwei Gemälde Fernand Légers: „Le drapeau“ (2,8/4 Millionen), eine Komposition mit französischer Flagge, sie entstand nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg 1919, die „Composition architecturale ,fond bleu'“ im Jahr 1952 (1,2/1,8 Millionen).

          Auch das teuerste Werk des Abends trägt Beyeler-Provenienz: Claude Monets 150 mal 200 Zentimeter große „Nymphéas“ von 1916/19 sollen siebzehn bis 24 Millionen Pfund bringen; sie waren im vergangenen Jahr in der Monet-Ausstellung bei Gagosian in New York zu sehen. Viele der hochpreisigen Beyeler-Lose - wie Gauguins Tahiti-Landschaft „Le vallon“ (5,5/8,5 Millionen), Renoirs „La source (Nu allongé)“ (4/6 Millionen) und Toulouse-Lautrecs Gouache „Miss May Belfort“ (1,8/2,4 Millionen) kommen mit einer Ausstellungsgeschichte, die die Großzügigkeit der Beyelers mit Leihgaben bescheinigt. Von Picasso ist eine auf Holz gemalte „Buste de Françoise“ (7/10 Millionen) im Angebot, die Beyeler um 1997 Maya Widmaier-Picasso in Paris abkaufte.

          Das zweitteuerste Los bei Christie's hat die University of Sydney eingereicht, der es 2010 von einem unbekannten Sammler vermacht wurde; es ist einer von insgesamt acht Picassos des Abends: Das Porträt der jungen Marie-Thérèse Walter, deren Bildnisse zu Picassos teuersten Werken gehören, ist mit neun bis zwölf Millionen Pfund beziffert. Der Erlös dieser „Jeune fille endormie“ von 1935 soll wissenschaftlicher Forschung im Gesundheitsbereich zugutekommen.

          Von Brancusi beeinflusst

          Von Miró sind, passend zur aktuellen Retrospektive in der Londoner Tate Modern, „Oiseau, insecte, constellations“ (2/3 Millionen) auf Leinwand, das sein Einlieferer dem Hakoné-Museum in Japan abkaufte, und „Tête et oiseau“ (800.000/1,2 Millionen) auf Karton vertreten. Magritte steuert „Souvenir de voyage“ (3,5/4,5 Millionen) bei, das Bild eines versteinerten monumentalen Apfels und einer Birne am Strand; sie erinnern an ein altes Ehepaar. Kees van Dongens elegante Frau im Abendkleid mit Bubikopf auf „Le lévrier bleu“ (2,8/3,5 Millionen) aus dem Jahr 1919 war 1920 in der französischen „Vogue“ abgedruckt und hing in den neunziger Jahren an der Wand des Büros von Fürst Rainier von Monaco.

          Den Einfluss von Brancusi kann ein bronzener Vogel des Russen Ossip Zadkine nicht verleugnen, der von 1908 an in Paris lebte und „L'oiseau d'or“ im Jahr 1924 entwarf. Das 1925 gegossene, glänzende Tier (Nummer 2 von 5) kommt zum ersten Mal bei einer Auktion zum Aufruf und soll 400.000 bis 600.000 Pfund kosten. Mit einer durch eine dritte Partei abgesicherten Garantie ist Kandinskys „Bayerisches Dorf mit Feld“ (2/3 Millionen) versehen; gemalt 1908 und eingeliefert aus einer europäischen Privatsammlung, für die es 2008 bei Dickinson Roundell in London erworben wurde.

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