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Impressionismus und Moderne : Boom ist eben nicht gleich Boom

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Sotheby's glänzt dank Modigliani, doch bei der Verkaufsrate liegt Christie's vorn. Die erfolgreichen New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne waren trotz der Vielzahl an Rekorden eher eine nüchterne Angelegenheit: die Ergebnisse.

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          Bei den Auktionen mit Kunst des Impressionismus und der Moderne in New York haben Gebote aus aller Welt, vermehrt auch aus Asien und Russland, die Umsatzstärke der Auktionshäuser restauriert und Rekordpreise generiert. Dank Modigliani freut man sich nach der Abendauktion bei Sotheby's über einen Gesamtumsatz von 227,5 Millionen Dollar, innerhalb der Gesamttaxe von 195 bis 266 Millionen Dollar, so viel wie seit Mai 2008 nicht mehr.

          Doch mit fünfzehn von 61 unverkaufter Lose und vielen aggressiv geschätzten Werken, die nur mit Ach und Krach die untere Taxe erzielten, war die Auktion eine nüchterne Angelegenheit. Christie's setzte in der Abendauktion mit Rekorden für Juan Gris und Matisse 231,4 Millionen Dollar um und blieb auch innerhalb der Gesamttaxe von 199 bis 287 Millionen Dollar, wobei 67 von 84 Losen den Besitzer wechselten. Die bessere Verkaufsrate bei Christie's - achtzig Prozent - erklärt sich durch die Limite, die oft weit unterhalb der Schätzungen lagen.

          Das Spitzenlos der Woche war wie erwartet Modiglianis „Nu assis sur un divan (La belle Romaine)“ bei Sotheby's. 1917 in Paris gemalt, zeigt die Römerin viel rosige Haut und die Andeutung eines Lächelns. Ihre Verführungskunst hatte Erfolg. Das Bild hat mit 61,5 Millionen Dollar einen Rekord für den Künstler erzielt, der weit höher liegt als die 43,2 Millionen Euro, die kürzlich bei Christie's in Paris für eine seiner Skulpturen bewilligt wurden. Die Taxe lag bei „mehr als vierzig Millionen“, mit Garantie und unwiderruflichem Gebot.

          Nur noch selten wagen die Auktionshäuser, Garantien ohne die Absicherung durch dritte Parteien zu vergeben. Der Einlieferer des Modigliani, den „The Wall Street Journal“ als türkischer Bankier Halit Cingillioglu identifiziert hat, bezahlte vor elf Jahren, als das betörende Bild wohl aus der Familie des Sultans von Brunei eingeliefert wurde, 16,8 Millionen Dollar inklusive Aufpreis, was damals schon einmal einen Höchstpreis für den Künstler darstellte. Jetzt gab es ein Bietgefecht, das sich an den Telefonen zwischen Sotheby's-Repräsentanten aus Tokio, Hongkong, Paris und New York abspielte. Den Zuschlag erhielt der Kunde von Roberta Louckx, der Chefin von Sotheby's in Qatar, die unter anderem für ihre Verbindungen nach Russland bekannt ist.

          Russisches Interesse an Expressionisten

          Kurz darauf rief Auktionator Tobias Meyer auch Modiglianis Bildnis seiner jungen Geliebten auf, „Jeanne Hébuterne (au chapeau)“, ebenfalls von 1917, das aus der Sammlung der Witwe des Kreuzfahrtunternehmers Ted Arison stammt (Taxe 9/12 Millionen Dollar). Das Porträt mit den blassblauen Augen kletterte bis auf siebzehn Millionen. Aus derselben Sammlung kam auch „Le bassin aux nymphéas“ von Monet, die zwischen 1917 und 1919 entstanden ist. 1998 verkaufte es sich bei Sotheby's für knapp zehn Millionen Dollar (mit Aufpreis). Jetzt wurde das Bild telefonisch für 22 Millionen Dollar vermittelt (20/30 Millionen). Russische Käufer, erklärte David Norman von Sotheby's, hätten sich besonders für die Expressionisten interessiert.

          Das Angebot war reichhaltiger als sonst, aber von unterschiedlicher Qualität. Noldes „Sonnenblumen am Abend“ erzielten 1,5 Millionen Dollar und Schmidt-Rottluffs „Gehöft“ und Kokoschkas „Orpheus und Eurydike“ je 1,7 Millionen Dollar. Beckmanns „Nordseelandschaft I (Gewitter)“ brachte die untere Taxe von 1,5 Millionen Dollar, während sein Bildnis eines jungen Mädchens zum Rückgang wurde (2,5/3,5 Millionen). Alan Hobart von der Londoner Pyms Gallery erwarb „Deux Négresses“ von Matisse, ein Bronzeguss von 1930, für 8,5 Millionen Dollar.

          Eine echte Geduldsprobe

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