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Impressionismus-Auktionen in New York : Some apples a day keep the money away

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr und nicht weniger: Die New Yorker Auktionen mit Impressionismus und Moderne bringen Christie's und Sotheby's solide Ergebnisse. Den höchsten Preis haben Cézannes Äpfel erreicht.

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          Am Ende fällt die Bilanz für Sotheby’s und Christie’s ähnlich aus: Solide ist das passende Wort für die großen Auktionen mit Impressionismus und Moderne in New York. Zumindest wenn man die Erfüllung der gesteckten Erwartungen bewertet. Beide Auktionshäuser blieben innerhalb ihrer Gesamtschätzungen. Doch Sotheby’s hatte das bessere Programm, machte den Anfang und dann auch das Rennen: 71 Lose brachten dort schließlich 230 Millionen Dollar. Die Gesamtschätzung lag bei 162,5 bis 235,1 Millionen Dollar - ein Ergebnis, das von Sotheby’s als zweithöchstes in der Geschichte dieser Moderne-Auktionen eingestuft wurde. Elf Lose gingen zurück, neunzehn überstiegen die Taxen. So erfüllte Tobias Meyer am Pult die Erwartungen - nicht mehr und nicht weniger.

          Bei Christie’s trat Auktionator Andreas Rumbler mit 47 Losen an, von denen drei zurückgingen. Vierzehn Lose überstiegen ihre Schätzungen. Die Überraschung des Abends war der Rückgang von André Derains „Madame Matisse au Kimono“ von 1905. Das Gemälde war auf fünfzehn bis zwanzig Millionen Dollar geschätzt und schwächte mit seinem Scheitern das Gesamtergebnis bei Christie’s, das schließlich bei 158,5 Millionen Dollar (Gesamttaxe 131,4/190,5 Millionen) lag.

          Im Fokus der Auktionen stand Cézannes ruhiges Apfelstillleben mit dem schlichten Titel „Les Pommes“ aus dem Jahr 1889/90, das bei Sotheby’s zum Aufruf kam. Das Bietgefecht um dieses Gemälde wurde zwischen David Norman von Sotheby’s und dem freien Berater Stephan Connery entschieden. Der Hammer fiel bei 37 Millionen Dollar (25/35 Millionen). Einen Rekord für den Künstler allerdings erzielte ein anderer: Georges Braque mit seiner „Paysage à la Ciotat“ aus dem Jahr 1907 für vierzehn Millionen Dollar (10/15 Millionen). 2001 erreichte das Bild ebenfalls bei Sotheby’s in New York mit Aufgeld einen Zuschlag von 3,1 Millionen Dollar.

          Die hohen Erwartungen übertroffen hat Rodins „Denker“-Skulptur, gegossen 1906 und geschätzt auf acht bis zwölf Millionen Dollar. Sie brachte 13,5 Millionen Dollar - das ist der höchste Preis, der jemals in einer Auktion für eine „Le penseur“-Bronze gezahlt wurde, und der zweithöchste Zuschlag für Rodin jemals.

          Fast als wäre nichts geschehen, erschien Helly Nahmad, Mitglied des bekannten Händlerclans, im Saal bei Sotheby’s. Gegen ihn hat man unlängst Anklage erhoben wegen Geldwäsche, Glücksspielen und Verbindungen zur russischen Mafia. Offen mitgeboten hat er allerdings nicht. Schaut man sich nun die Top-Ten-Liste der Sotheby’s-Auktion an, fällt auf, dass alle Käufer ungenannt bleiben wollen. Wo normalerweise Händler-Namen wie Nahmad auftauchen, steht nun: „Anonymous“. Sind es unbekannte Sammler in China, Indien oder Russland? Auch die resolute „Amazone“ von Amedeo Modigliani aus dem Jahr 1909 geht in eine noch ungenannte Hand. Mit 23 Millionen Dollar blieb der Zuschlag für das Gemälde innerhalb der Schätzung von zwanzig bis dreißig Millionen. Vincent van Goghs „Eglogue en Provence - Un couple d’amoureux“ von 1888 erzielte 6,2 Millionen (5/7 Millionen).

          Was gibt es sonst noch Auffälliges von Sotheby’s zu berichten? Sieben Arbeiten auf Papier wurden für je mehr als eine Million Dollar versteigert: Darunter war Chagalls „Animal dans les fleurs“ aus der Lewyt Collection für 4,1 Millionen Dollar (1/1,5 Millionen) und Daumiers „Les Avocats“ für 2,2 Millionen Dollar (600.000/ 800.000). Fernand Légers „Trois femmes à la table rouge“ aus dem Besitz der Popsängerin Madonna blieb innerhalb der Schätzung, kam aber der oberen Taxe von sieben Millionen Dollar mit 6,25 Millionen nah. Der Erlös kommt Madonnas „Ray of Light“-Stiftung zugute, die Bildung von Mädchen im Nahen Osten und Südafrika unterstützt.

          Bei Christie’s war - nach dem Rückgang des Derain-Bildes - der Weg frei für Chaim Soutines Gemälde „Le petit pâtissier“ von 1927, das auf sechzehn Millionen Dollar (16/22 Millionen) kletterte. Das schwierige Motiv aus der bekannten Konditoren-Serie ließ den alten Auktionsrekord des Künstlers hinter sich und avancierte zum Spitzenlos des Abends; gefolgt von Marc Chagalls „Les trois acrobats“ von 1926. Das Gemälde überstieg die Schätzung und wechselte erst bei 11,5 Millionen Dollar den Besitzer (6/9 Millionen), wie auch Egon Schieles extremes Querformat „Selbstbildnis mit Modell (Fragment)“ von 1913 für zehn Millionen Dollar (5/7 Millionen), bewilligt von einer europäischen Privatsammlung.

          Der Sammlerwert von Impressionismus und Moderne steht nach diesen Ergebnissen weiterhin außer Frage. Doch zunehmend wird es schwierig, wirkliche Spitzenwerke zu akquirieren. Die Käufer marktfrischer Werke hingegen fehlen nicht. Sie kamen allein bei Sotheby’s aus 35 verschiedenen Ländern, darunter viele Europäer und Amerikaner. Doch die Liste der Unbekannten wächst weiter - sie kommen aus Indien, Russland und China.

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