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Herbstauktion in Zürich : Es steht ein Soldat und lugt ins Land

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Carl Spitzwegs Gemälde „Lug ins Land“ wurde bei Koller in Zürich zum teuersten Los. Jetzt geht das Bild nach München, zurück in die Stadt in der es gemalt wurde.

          Ein wenig überraschend avancierte Carl Spitzwegs „Lug ins Land“ in Zürich zum Spitzenlos in Kollers Gemälde-Angebot. Das Mittelformat um 1870 zeigt einen gealterten Soldaten vor einer Stadtkulisse; es ging mit taxierten 300.000 bis 400.000 Franken ins Rennen. Die Ziellinie durchlief es bei 850.000 Franken, was mit Aufgeld exakt eine Million bedeutet.

          Für diese runde Summe kommt das aus Schweizer Privatbesitz eingelieferte Werk wieder zurück an seinen Entstehungsort München, wo es einst Teil der Sammlung Barlow und später Leihgabe in der Neuen Pinakothek war. Auch Courbets Segelboote auf dem Genfer See (Taxe 35.000/45.000 Euro) waren reizvoller Bestandteil der Offerte des 19. Jahrhunderts, gingen jedoch ohne ausreichende Gebote zurück. Courbets Landschaft „Falaise et rochers“, 1876 in Öl auf Holz gemalt, näherte sich mit dem Zuschlag bei 15.000 Franken der unteren Schätzung.

          Die niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts wurden durchweg mit soliden Zuschlägen honoriert. Wiederentdeckt in Schweizer Privatbesitz und geschätzt auf bis zu einer halben Million Franken kam ein Gemeinschaftswerk von Pieter Brueghel d. J. und Josse Momper zum Aufruf. Für das vielfigurige Panoramabild mit dem biblischen Geschehen am Kalvarienberg stand am Ende deutlich mehr zu Buche: Der Hammer fiel bei 840.000 Franken.

          Unter den Stillleben fand sich eine originelle Version der Clara Peeters mit lebendem Eichhörnchen neben Früchten, die ihre untere Taxe von 400.000 Franken erreichte. Ebenfalls innerhalb der Erwartungen blieben ein Blumenstück von Johannes Bosschaert, das mit 190.000 Franken seine obere Taxe fast erreichte, und ein großformatiges Wildstillleben von Frans Snyders, das auf 130.000 Franken stieg. Ein üppiges Blütenbouquet des Deutschen Jacob Marrel fand für 410.000 Franken (320.000/380.000) in eine Sammlung, und Abraham Mignons kleines Blumenstillleben konnte für 65.000 Franken vermittelt werden.

          Mailandansicht von einem Unbekannten

          Eines der ältesten angebotenen Kunstwerke war eine fünfteilige Arbeit des in Sienna tätigen Andrea di Bartolo. Die Tafeln mit den Darstellungen Christi und der zwölf Apostel entstanden um 1405, als Predella eines Altars. Die goldgrundigen Halbfigurenbilder, taxiert auf bis 200.000 Franken, erreichten 140.000 Franken. Einen erstaunlichen Sprung machte bei den Zeichnungen und der Graphik ein Blatt von Hans Burgkmair d. Ä. mit zwei Darstellungen des heiligen Ulrich von Augsburg aus der Zeit um 1505/08: Die als Studie für ein heute in der Veste Coburg verwahrtes Altarbild entstandene Tuschfederzeichnung auf Bütten wechselte bei 100.000 Franken den Besitzer und ließ damit die Schätzung von bis zu 35.000 Franken deutlich hinter sich.

          Besonders erfolgreich schlug sich eine Ansicht des Mailänder Doms, um 1840 als gouachierte Lithographie von unbekannter Hand virtuos ausgeführt; statt geschätzter 2000 mussten hier 10.200 Franken investiert werden. Ein sitzender Orientale gab das Motiv für Giovanni Battista Tiepolos hochformatige Kreidezeichnung, für die schließlich ein Preis von 35.000 Franken (18.000/25.000) notiert werden konnte.

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