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Halbjahresbilanz aus Paris : Der Markt hat seine Augen überall

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Erstmals liefern sich Sotheby's und Christie's auch in Paris ein Wettrennen um die Umsätze - das teuerste Kunstwerk des ersten Halbjahres aber wurde im Süden angeboten.

          Der Pariser Auktionsmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2008 als stabil erwiesen und leichte Gewichtsverschiebungen zwischen den führenden Auktionshäusern aufgezeigt. Drouot, als Zusammenschluss von rund siebzig Auktionatoren, gab mit 251 Millionen Euro ein konstantes Ergebnis im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007 bekannt. Christie's, dessen Umsatz um knapp fünf Prozent zurückgegangen ist und nun 85,9 Millionen Euro beträgt, sieht sich zum ersten Mal auch in Frankreich einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Sotheby's ausgesetzt. Sotheby's hat 87,5 Millionen Euro eingespielt, jedoch einschließlich ihrer Juli-Auktionen. François Curiel, der Vorstandsvorsitzende von Christie's France, begründet den Rückgang mit „einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld“.

          Sotheby's aber hat um 104 Prozent zugelegt, weil sie das Potential einer mit starkem Euro ausgestatteten europäischen Kundschaft entdeckte: Bei Sotheby's sind 71 Prozent der Käufer in Paris europäische Sammler, achtzehn Prozent Amerikaner und sieben Prozent Asiaten. Das Folgerecht und die Mehrwertsteuer bei der Einfuhr von Kunst, die oft als Hindernisse für die Entwicklung des französischen Auktionsmarkts für moderne Kunst beklagt wurden, fielen nach Aussagen von Guillaume Cerutti, Generaldirektor von Sotheby's France, nicht wesentlich ins Gewicht.

          Bacon führt bei der Malerei

          Mit der Einlieferung hochkarätiger Objekte nach Paris, wie das im Dezember 2007 für 12,2 Millionen Euro bei Sotheby's zugeschlagene Gemälde Bacons, „Seated Woman (Portrait of Muriel Belcher)“, entwickelt sich der französische Markt vom Kunstreservoir zum internationalen Handelsplatz. Die heimischen Unternehmen sind dadurch einer verschärften Konkurrenz ausgesetzt. Artcurial-Briest-Poulain-F. Tajan, konstant mit einem Halbjahresumsatz von 58,1 Millionen Euro, musste seinen Platz als Marktführer bei moderner und zeitgenössischer Kunst an Sotheby's abtreten. Tajan, bislang an vierter Stelle der Pariser Rangliste, hat keine Halbjahresbilanz bekanntgegeben. Piasa, seit Mai zu sechzig Prozent in der Hand einer privaten Investorengruppe (der Rest gehört weiter François Pinaults Holding Artemis), verzeichnete mit 27,5 Millionen Euro eine Umsatzsteigerung von zwölf Prozent.

          Zu den Höhepunkten der Saison gehörten die Auktionen moderner und zeitgenössischer Kunst bei Sotheby's und Christie's im Mai und Juli. Mit 4,1 Millionen Euro stellte Bacons „Untitled (Pope)“ der Jahre 1957 bis 1959 bei Sotheby's den höchsten Anteil am Erlös der Abendauktion, die mit einem Umsatz von 20,4 Millionen Euro für 35 Lose abschloss. Einen starken Zuschlag verzeichnete auch Joan Mitchells „La ligne de la rupture“ mit 3,4 Millionen Euro. Die französische Kunst der Nachkriegszeit erfuhr mit dem Rekordpreis von einer Million Euro für Georges Mathieus Großformat „L'abduction d'Henri IV par l'archevêque Anno de Cologne“ von 1958 eine Aufwertung. Anfang Juli ging bei Sotheby's ein Gemälde von Picasso, „Nu assis dans un fauteuil“ von 1963, für 2,4 Millionen Euro in europäischen Sammlerbesitz.

          Ein Rekord für Louise Bourgeois

          Auf der Auktion mit Moderne bei Christie's im Mai belegte Kees van Dongens „Moulin de la Galette“, von 1904 bis 1906, mit 2,45 Millionen Euro den ersten Platz. Für Picassos Zeichnung „Nu allongé“ von 1938, ein die Züge von Dora Maar und Marie-Thérèse Walter verschmelzender liegender Akt, bewilligte europäischer Handel 1,34 Millionen Euro, den dreifachen Schätzwert. Louise Bourgeois' „Spider“ aus Stahl und Teppichgewebe von 2003 krönte die Abendauktion bei Christie's mit dem Rekordpreis in Höhe von 2,55 Millionen Euro. Drouot vermeldete Millionenerlöse für Kandinskys „Epanouissement“ von 1943 für 1,5 Millionen Euro (bei Aguttes aus einer amerikanischen Sammlung eingeliefert) und 1,4 Millionen Euro für eine orientalisch inspirierte Szene von Etienne Dinet, „Jeunes baigneuses au bord de l'Oued“ von 1913, bei Gros Delettrez.

          Das Art déco schlug bei Christie's Ende Mai mit dem Rekorderlös von 1,1 Millionen Euro für eine Bibliothek von Eugène Printz und Jean Dunand zu Buche. Anfang Juni erzielten Baron, Ribeyre & Associés im Drouot für ein Paar Fauteuils von Armand-Albert Rateau mit 1,32 Millionen Euro ein Vielfaches der Taxe. Die Spitzenpreise für Gemälde Alter Meister fielen weniger zahlreich aus: Im April adelte der Zuschlag in Höhe von 900.000 Euro bei Delvaux im Drouot den Frührenaissancemaler Bernard Strigel mit einem Rekordpreis für das Gemälde eines „Engels mit Weihrauchfass“; bei Christie's war Ende Juni die „Anbetung der Könige“ Pieter Brueghels des Jüngeren einer europäischen Galerie 1,02 Millionen Euro wert.

          Der höchste Zuschlag des ersten Halbjahres ging indessen nicht auf das Konto eines der großen Häuser und wurde fern der Hauptstadt erzielt: Für 4,7 Millionen Euro versteigerte das Auktionshaus Chassaing-Marambat in Toulouse im April ein Siegel aus beigefarbenem Speckstein des Kaisers Kangxi (1662 bis 1722) an den chinesischen Handel. Der Eifer von mehr als einem halben Dutzend Bietern ließ den Preis in Windeseile auf das Zehnfache der Schätzung steigen. Im Zeitalter der globalen Vernetzung ist der Markt immer dort, wo ein begehrenswertes Objekt zum Aufruf kommt.

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