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George Washingtons Orden : Recht und Freiheit im Namen des Cincinnatus

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Eine „heilige Reliquie“ der Vereinigten Staaten kommt unter den Hammer: Für den Cincinnatus- Orden, den einst George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg trug, erwartet Sotheby's in New York vier bis zehn Millionen Dollar.

          Das am Hudson River gelegene Beacon im Bundesstaat New York ist heute dafür bekannt, mit dem „Dia:Beacon“ ein herausragendes Museum zeitgenössischer Kunst in einer ehemaligen Keksfabrik zu besitzen. Doch der Landstrich ist geschichtsträchtiger, als es scheinen mag, wenn der Besucher heute an der verloren wirkenden Bahnstation aussteigt.

          Denn Anfang Mai 1783 lag hier ganz in der Nähe, in einem längst abgebrannten Haus in Fishkill, das Hauptquartier des Preußen Friedrich Wilhelm von Steuben, der als General der Kontinentalarmee im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg noch immer jedes Jahr mit der Steuben-Parade an der Fifth Avenue in New York gefeiert wird. Anfang Mai 1783 fand in Fishkill ein Treffen verschiedener Militärs statt, die die Gründung eines Ordens beschlossen, die „Society of the Cincinnati“.

          Meuterei für die Würde des Reichs

          Als „Meuterei, die in eine Organisation umgewandelt wurde“, bezeichnete der Historiker Minor Myers die Anfänge der Bruderschaft, herrschte doch in Teilen der Armee größte Unzufriedenheit mit der Versorgung der Soldaten, der Witwen und Waisen. Der Orden packte die Männer bei ihrer Ehre. Seine Verfassung etablierte drei Leitmotive: erstens „mit unablässiger Aufmerksamkeit die Rechte und Freiheiten der menschlichen Natur zu erhalten, für die wir gekämpft und geblutet haben“, zweitens „das Glück der Staaten und die zukünftige Würde des amerikanischen Reichs zu fördern“ und drittens „besonders jene Offiziere und ihre Familien zu unterstützen, die in ihrer Not darauf angewiesen sind“.

          Als Abzeichen wurde ein Adler mit einem goldenen Medaillon mit der Darstellung des Cincinnatus beschlossen, das zum Zeichen der Verbundenheit mit Frankreich an einem blauweißen Band hängen sollte.

          Römische Tugenden

          Cincinnatus, der im Jahr 460 vor Christus römischer Konsul war, galt als Musterbeispiel republikanischer Tugenden wie Patriotismus, Bescheidenheit, Unbestechlichkeit und Effizienz. Nach seiner Amtszeit hatte er sich aus den Regierungsgeschäften zurückgezogen, um seiner Arbeit als Bauer nachzugehen. Doch als Rom von den Aequern und Volskern bedroht wurde und der Senat ihn darum bat, als Diktator einzuschreiten, zögerte er nicht. Kaum hatte er Rom gerettet, kehrte er zur Feldarbeit zurück, ohne an der Macht festzuhalten.

          George Washington war seit 1775 Kommandeur der Kontinentalarmee und hatte, wie Cincinnatus, seinen Landbesitz und seine Familie in Mount Vernon zurückgelassen, um der amerikanischen Sache zu dienen. Washington erklärte sich auch bereit, der „Society of the Cincinnati“ als Präsident vorzustehen, ohne dass er genau wusste, was dabei von ihm erwartet wurde: „Aus Unkenntnis meiner Pflichten fürchte ich, etwas zu versäumen, was dem Verein schaden und mich beschämen würde“, schrieb er im September 1783 an Generalmajor Henry Knox.

          Alteuropäische Tradition

          Doch Washington schien bei den alle drei Jahre stattfindenden Treffen der Bruderschaft nichts zu versäumen: Bis zu seinem Tod 1799 blieb er Präsident des Ordens, obwohl er kurz erwog, den Vorstand abzugeben, als er 1789 der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Zeitgenossen wie Thomas Jefferson, der eine amerikanische Aristokratie fürchtete, kritisierten den Orden, weil er europäische Privilegien imitiere, die in den neuen Staaten nichts zu suchen hätten - wie etwa die Tatsache, dass die Ordensmitgliedschaft an den Erstgeborenen vererbt werden konnte.

          Auch für das Abzeichen selbst gab es harsche Worte; kein anderer als Benjamin Franklin schrieb von Paris aus: „Manch einer sagt, der Weißkopf-Seeadler gleiche einem Truthahn. Ich für meinen Teil hätte mir gewünscht, man hätte einen Truthahn zum Repräsentanten unseres Landes gemacht, denn der Adler ist ein Vogel von schlechter Moral, verdient er doch seinen Lebensunterhalt nicht auf ehrliche Weise.“

          Elegant, doch nicht zu kostbar

          Der Entwurf des Ordens geht auf Pierre Charles L'Enfant zurück, der unter Washington in der Kontinentalarmee gedient hatte; er ließ noch 1783 die ersten fünfundvierzig Orden in Paris produzieren. George Washington bestellte für sich einen speziell angefertigten Orden „in meisterhafter Manier elegant ausgeführt, aber nicht in zu kostbarem Stil“: Ebendieser goldene Orden - der Adler im Lorbeerkranz mit emailliertem Medaillon - hängt noch an seinem originalen, wenngleich verblassten blauen Band und kommt am 11. Dezember in New York zur Auktion.

          Seine Provenienz macht ihn umso wertvoller für Freunde der amerikanischen Geschichte, als den Orden doch Washingtons Adoptivtochter 1824 dem Marquis de Lafayette überlassen hat, jenem französischen Adligen und amerikanischen Kriegshelden, den Washington wie einen eigenen Sohn förderte und liebte. Lafayettes Ururenkelin, Baronin Meunier du Houssoy, liefert ihn nun bei Sotheby's ein. Als „heilige Reliquie“ der Vereinigten Staaten angepriesen, liegen die Erwartungen für die „Washington-Lafayette Cincinnati Medal“ bei vier bis zehn Millionen Dollar.

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