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Gegenwartskunst : Schmetterlinge in allen Farben

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Bei den Auktionen mit Gegenwartskunst in London stellt die Sammlung Dürckheim bei Sotheby's den Rest des Angebots in den Schatten. Doch auch Phillips de Pury und Christie's haben wieder erfolgreich akquiriert.

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          Nach einer vollgepackten Londoner Auktionswoche mit Moderne und Impressionismus vermitteln auch die dicken Kataloge mit zeitgenössischer Kunst den Eindruck, als kenne der weltweite Hunger nach Kunst kaum Grenzen. Besonders Sotheby's kann am 29. Juni alles überstrahlen mit seinem Angebot aus der Sammlung Dürckheim. Im vergangenen Jahr hatte Sotheby's mit der erfolgreichen Versteigerung der Sammlung Lenz-Schönberg das Preisniveau für Künstler der Zero-Gruppe deutlich nach oben korrigiert - nun sind neue Rekorde für Polke und Baselitz wahrscheinlich.

          Doch dazu später mehr, denn den Anfang macht am 27. Juni Phillips de Pury und hat sich für seine Abendauktion einen neuen Veranstaltungsort ausgesucht, der zusätzlichen Erlebnischarakter verspricht: den Ballsaal des Art-déco-Luxushotels Claridge's in Mayfair, nicht weit von Sotheby's. Das Spitzenlos ist, wie schon wiederholt in der Vergangenheit, ein Werk von Basquiat: Sein „Self-Portrait“ aus dem Jahr 1985, überzogen mit Kronkorken, ist auf zwei bis drei Millionen Pfund geschätzt und mit einer Garantie abgesichert. Unter den Skulpturen sticht das 46 Zentimeter hohe Pferd „Cavallo“ (Taxe 400.000/ 600.000 Pfund) mit abgeknickten Vorderbeinen von Marino Marini von 1952 hervor.

          Ein weiterer Bronzeabguss der Edition mit einer Auflage von sechs war 1959 bei der Documenta II in Kassel ausgestellt. Urs Fischer und Ugo Rondinone verbindet in dieser Auktion, dass sie ihre Skulpturen aus Aluminium gegossen haben, sie sind weiß angemalt und mit schrägen Titeln versehen: Auf 600.000 bis 800.000 Pfund ist Fischers Konstruktion aus Waschmaschine, Treppenleiter und Kopfkissen „Thank You Fuck You“ geschätzt, das für eine Ausstellung in der Galerie Eva Presenhuber in Zürich entstand und bereits mit einem unwiderruflichen Gebot versehen ist. Seinen Abguss eines zweitausend Jahre alten, kahlen Olivenbaums aus dem Jahr 2006 nennt Rondinone „Get up girl a sun is running the world“ (200.000/300.000).

          Ein weiterer Baum aus dieser Serie wurde im vergangenen Juni bei Phillips de Pury für 300.000 Pfund bei gleicher Taxe vermittelt. Cindy Shermans „Untitled Film Still #4“ (250.000/350.000, Edition von drei) aus dem Jahr 1977 ist eines der ersten sechs Bilder mit blonder Perücke aus ihrer begehrten „Film Still“- Serie, die insgesamt aus 69 Fotos besteht. In das überwiegend schwarz, weiß und blau kuratierte Programm passt auch das zweitteuerste Los des Abends: Mark Tanseys sich über fast fünf Metern Länge windende, apokalyptische „Library (of Babylon)“ für 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund, neben Damien Hirsts Schmetterlingsbild „Confessions“ (600.000/800.000) in strahlendem Blau. Die 32 Lose der Abendauktion sollen bei Phillips de Pury insgesamt 10,25 bis 14,82 Millionen Pfund umsetzen.

          Lucian Freuds Porträt von Suzy Boyt

          Die Offerte des folgenden Abends bei Christie's in der King Street wird angeführt von Francis Bacons tragisch-düsterer „Study for a Portrait“ aus dem Jahr 1953, das sich ehemals im Besitz des Malers Rodrigo Moynihan befand. Es ist das letzte Gemälde, das Bacon in seinem Atelier im Royal College of Art fertigstellte, in dem er auch die ersten Papst-Bilder malte - und ist mit einer Schätzung „in the region of“ elf Millionen Pfund versehen.

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