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Gegenwartskunst : Mit den Klassikern der Gegenwart als Trümpfe

  • -Aktualisiert am

Auch die Zeitgenossen sollen ziehen in London: Das Angebot bei Sotheby's, Phillips de Pury und Christie's zeigt demonstrativ Stärke.

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          Während der Markt mit Spitzenwerken des Impressionismus und der Moderne wieder unter Volldampf läuft (unser Bericht auf der vorigen Seite), sind zwar die meisten Taxen, aber noch nicht wieder die Umsätze mit Zeitgenossen in London auf dem Niveau vom Sommer 2008 angekommen. Jetzt haben Christie's wie auch Sotheby's für ihre Abendtermine Erlöse angepeilt, die etwa um das Doppelte über den Ergebnissen vom Juni 2009 liegen. Yves Klein führt am 28. Juni die Riege der Spitzenlose bei Sotheby's an: Gewidmet seinem Freund, dem Fotografen und Künstler Charles Wilp, ist es ein tiefblaues Prachtstück aus der „Relief Éponge“-Serie, das mit Schwämmen und Kieselsteinen an eine Mondlandschaft erinnert.

          Das 122,5 mal 98 Zentimeter messende Werk aus dem Jahr 1961 ist mit einer Erwartung von 4,5 bis 6,5 Millionen Pfund versehen, eingeliefert aus der Sammlung der Hypo-Vereinsbank. In giftigem Grün und mit optimistischer Schätzung von 4,5 bis 5,5 Millionen Pfund kommt Lucio Fontanas ovales „Concetto Spaziale, La Fine di Dio“ daher; es wurde zuletzt im Jahr 2001 bei Christie's für 465 750 Pfund (inklusive Aufgeld) vermittelt. Gerhard Richters zwei Meter breites Gemälde „Neger (Nuba)“, ausgezeichnet mit 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund, basiert auf einem Foto von Leni Riefenstahl. Das Bild wurde zuerst 1964 in der legendären Schau „Neue Realisten: Richter, Polke, Lueg“ in der Galerie Parnass in Wuppertal gezeigt.

          Gerade erst im Mai 2008 bei Sotheby's in New York für 4,745 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) verkauft, kommt Richard Princes „Millionaire Nurse“ schon wieder auf den Markt; die obere Taxe liegt, umgerechnet fast unverändert hoch, bei drei Millionen Pfund. Ebenfalls 2008 wurde Peter Doigs „White Creep“ in London für brutto 1,364 Millionen Pfund verkauft; auch hier ist die Taxe annähernd gleich geblieben mit 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund. Insgesamt 53 Lose sollen bei Sotheby's zum Aufruf kommen, mit einer Gesamtschätzung von 38,33 bis 52,83 Millionen Pfund.

          Einen Höhepunkt bilden dabei acht Werke von Künstlern der „School of London“ wie Freud, Kossoff und Auerbach, neben Paula Rego und Patrick Heron, aus einer anonymen Privatsammlung. Sie wurden fast alle zwischen 1999 und 2001 angekauft. Unter ihnen befindet sich „Mornington Crescent, Summer Morning“ (Taxe 1,5/2 Millionen Pfund), gemalt 1991 von Auerbach, und „Memory of London“ (500.000/700.000), das Lucian Freud um 1939/40 als siebzehnjähriger Kunststudent während eines Aufenthalts im Norden von Wales malte.

          Ein Doppelkopf von Thomas Schütte

          Den folgenden Abend des 29. Juni bei Phillips de Pury führt Roy Lichtensteins „Prop for a Film“ von 1969 (500.000/ 700.000) an. Das fast 2,5 Meter breite Gemälde entstand in der Zusammenarbeit Lichtensteins für eine Installation mit den Universal Studios und dem Filmemacher Joel Freedman, die das Los Angeles County Museum initiiert hatte. Diese Installation wurde dann 1970 auf der Weltausstellung in Osaka gezeigt.

          Auf jeweils 400.000 bis 600.000 Pfund geschätzt sind Emilio Vedovas abstraktes „Ciclo“, gemalt in Venedig Anfang der sechziger Jahre, und ein in schwarz glasiertem Ton dämonisch wirkender „Doppelkopf“ von Thomas Schütte, eine zeitgenössische Interpretation des römischen Gottes Janus. Einen ähnlich hohen Einsatz erfordert Bridget Rileys fließende geometrische Komposition „Out There“ aus dem Jahr 2004 (400.000/ 500.000). Warhols „Hamburger Michel“ (200.000/300.000) entstand 1980/83, als er mehrere Ausstellungen in Deutschland hatte. Insgesamt sollen 45 Lose abends 6,075 bis 8,575 Millionen Pfund einspielen.

          „Silver Liz“ mit „violet eyes“

          Der dritte Abendtermin bei Christie's am 30. Juni setzt auf 63 Lose im Gesamtwert von 40,59 bis 57,64 Millionen Pfund. Im Juni 2008 hatten 59 Lose bei Christie's mehr als achtzig Millionen Pfund umgesetzt, im Juni 2009 waren es neunzehn Millionen für vierzig Lose. Das Spitzenstück ist, wie schon bei Christie's im Mai in New York, eine „Silver Liz“ von 1963: Seit 1988 „Property of a Gentleman“, der sie bei Gagosian kaufte, soll die Hollywood-Göttin vor silberfarbenem Hintergrund sechs bis acht Millionen Pfund einbringen; in New York wurden 16,3 Millionen Dollar für ihr Pendant geboten.

          Das Auktionshaus betont, es sei einer von nur zwei Siebdrucken, welche die Schauspielerin mit veilchenblauen Augen - für die sie so berühmt ist, dass auch ihr Parfum „Violet Eyes“ genannt wurde - zeigen. Ein weiterer Höhepunkt ist Alighiero Boettis mehr als zwei Meter breite „Mappa“ (900.000/1,2 Millionen) aus einer Serie von Weltkarten, die er von afghanischen Weberinnen herstellen lies. Die Flächen der Länder sind mit dem Design ihrer jeweiligen Flaggen überzogen, und das Meer ist dunkelblau; einer der insgesamt drei existierenden Wandteppiche mit dunkelblauem Meer befindet sich im Museum of Modern Art in New York. Auch Sotheby's hat eine von Boettis „Mappas“, gewebt in Kabul 1984, im Programm - allerdings nur 167 Zentimeter breit und mit hellblauem Meer (600.000/800.000).

          Bei Christie's sind außerdem drei Arbeiten der einstigen „Young British Artists“ geboten, die Charles Saatchi in der „Sensation“-Schau 1997 in London, Berlin und New York zeigte. Eine davon ist Glenn Browns „Dalí-Christ“ (700.000/ 1 Million), die in den Dimensionen veränderte Kopie nach Dalís Gemälde „Construction molle avec haricots bouillis: Prémonition de la guerre civile“ von 1936, ins Monumentale vergrößert. Chris Ofilis afrikanische Schönheit „Orgena“, für die er 1998 mit dem Turner Prize ausgezeichnet wurde, erfordert den Einsatz von 700.000 bis einer Million Pfund. Gerhard Richters „Porträt Schniewind“ von 1964 ist ein vertikal ausgerichtetes, dreiteiliges Porträt des Düsseldorfer Kunstsammlers und Industriellen, beziffert mit einer bis 1,5 Millionen Pfund.

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