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Gegenwartskunst : London bleibt das Tor zur Welt

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Jetzt ist das schwache Pfund ein Segen: Das Programm der Zeitgenossen-Auktionen bei Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury in London kann sich wieder sehen lassen.

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          Trotz der deutlichen Umsatzrückgänge bei der Gegenwartskunst stand Ende des Jahres 2009 fest, dass bei alten und neuen Kunstsammlern und -händlern weiterhin sowohl das Interesse wie auch das nötige Kapital für Spitzenwerke vorhanden ist. Entsprechend wollen die Auktionshäuser jetzt vor dem Hintergrund sich konsolidierender Preise und wieder vermehrter Einlieferungen mit marktfrischen Werken von Künstlern glänzen, die sich als resistent erwiesen oder in den vergangenen Monaten gar an Wert hinzugewonnen haben. Das schwache Pfund kann sich da als Segen erweisen: Zwar bleiben die Wirtschaftsprognosen für England, trotz des vorläufigen Endes der achtzehn Monate dauernden Rezession, wenig optimistisch, doch London gilt weiterhin als Tor zu Sammlern aus aller Welt.

          Am 10. Februar lädt Sotheby's zum Contemporary Art Evening in der New Bond Street. Es sollen achtzig Lose mit einer Erwartung um 32 Millionen Pfund unter den Hammer kommen. Im Februar 2008 hatte das Haus mit 95,03 Millionen Pfund für 56 verkaufte Lose den europäischen Auktionsrekord für Zeitgenossen aufgestellt. Allein das Spitzenlos, „Study of Nude with Figure in a Mirror“ von Francis Bacon, erzielte damals 17,8 Millionen - die Summe, die im Februar 2009 mit sämtlichen 25 Losen der Abendauktion eingespielt wurde.  

          Ein kleines Selbstporträt von Lucian Freud

          Den Auftakt des aktuellen Abends bilden 49 Werke aus der Sammlung Lenz Schönberg, einer der wichtigsten Sammlungen europäischer Nachkriegskunst, die Zero-Künstlern gewidmet ist. Sie stellen einen repräsentativen Querschnitt der mehr als 600 Arbeiten umfassenden Sammlung dar, die bald von einer Stiftung verwaltet werden soll. Die neun teuersten Lose kommen von Yves Klein, Lucio Fontana und Piero Manzoni; die Spitze markiert „F 88“ - das größte Werk aus Kleins Serie von Feuerbildern, das jemals bei einer Auktion zum Aufruf kam, mit einer Schätzung von 2,8 bis 3,5 Millionen Pfund.

          An die Zero-Auktion schließen sich dreißig weitere Lose an. Unter ihnen führt Lucian Freud mit dem nur 18,8 mal 14,3 Zentimeter messenden „Self-Portrait with a Black Eye“ von 1978 (Taxe 3/4 Millionen Pfund), das nach einer Auseinandersetzung mit einem Taxifahrer entstand. Willem de Kooning bleibt attraktiv: Von ihm geht bei Sotheby's „Untitled XIV“ aus dem Jahr 1983 ins Rennen (2/3 Millionen Pfund); sein derzeitiger Besitzer hat das Bild direkt aus dem Nachlass des Künstlers nach dessen Tod 1997 erworben. Ein „Abstraktes Bild“ von 1988 kaufte sein Einlieferer direkt seinem Schöpfer Gerhard Richter ab (2/3 Millionen).

          Andreas Gurskys „Madonna I“

          Zwei bis drei Millionen Pfund erwartet man auch für Peter Doigs Schneelandschaft „Saint Anton (Flat Light)“ von 1996. Andreas Gursky schenkte der Popsängerin Madonna ein Exemplar seiner Fotografie ihres Konzerts in Los Angeles, das am 13. September 2001 stattfand, zwei Tage nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York.

          Deshalb wird „Madonna I“ (Auflage 6) im Katalog als Meisterwerk in der Tradition der Historienmalerei des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Es soll 900.000 bis 1,3 Millionen Pfund für seinen Eigentümer einspielen, der es Madonna abkaufte. Die Offerte runden vier weitere kleinformatige Porträts von Lucian Freud ab, neben Arbeiten von Blinky Palermo und Karel Appel, Sean Scully und Leon Kossoff. Warhol und Hirst sind diesmal je nur einmal vertreten, mit einer kleinen „Jackie“ von 1964 (800.000/1,2 Millionen) und mit einem Schmetterlingsbild „Por and Tor of Distances“ (350.000/ 450.000).

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