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Gegenwartskunst : Kunst ist doch die schönste Währung

  • -Aktualisiert am

Trotz schmerzhafter Rückgänge spielten die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips de Pury in New York stolze sechshundert Millionen Dollar ein.

          5 Min.

          In der vergangenen Woche fanden in New York die Auktionen mit Kunst von 1945 bis zur Gegenwart statt. Sie demonstrierten, dass Kunst nicht nur die schönste Währung ist, sondern derzeit auch eine sehr beliebte: Die drei Abendauktionen generierten zusammen weit mehr als 600 Millionen Dollar. Den Löwenanteil davon bestreitet Sotheby’s mit einem Umsatz von rund 316 Millionen, während Christie’s mit rund 248 Millionen und Phillips mit 71 Millionen solide Erfolge feiern konnten. Es gibt viele neue Rekorde zu vermelden, allen voran für ein Werk von Clyfford Still mit 55 Millionen Dollar, aber auch für Roy Lichtenstein, Gerhard Richter, Louise Bourgeois, Andreas Gursky, Cady Noland, Albert Oehlen und vielen anderen.

          Phillips de Pury gab den Auftakt an. 37 von 44 Losen verkauften sich, das entspricht einer Rate von 84 Prozent, nach Wert sogar gut 94 Prozent. Dabei ist aber zu bedenken, dass die meisten teuren Lose mit einer Garantie versehen waren. Die höchsten Preise haben wie erwartet Cy Twomblys spätes Schlaufenbild und Andy Warhols goldenes Negativ-Bild von Marilyn erzielt, als sie zu den jeweils unteren Taxen von acht und sieben Millionen Dollar zugeschlagen wurden. Auf Platz drei kam die sexy „Runaway Nurse“ aus der Krankenschwester-Serie von Richard Prince für sechs Millionen Dollar (Taxe 5/7 Millionen Dollar). Der Modedesigner Tommy Hilfiger wurde dabei beobachtet, wie er Damien Hirsts Schmetterlingsbild „Disintegration - The Crown of Life“ von 2006 zur unteren Schätzung von 1,2 Millionen Euro ersteigerte. Eines seiner „Dot Paintings“ dagegen, geschätzt auf eine bis 1,5 Millionen Dollar, fand keinen Abnehmer. Rekordpreise gab es für Richard Serra und bei den 22 Sonderlosen einer Benefizveranstaltung für das Guggenheim Museum direkt vor der regulären Abendauktion, auch für Rob Pruitt, Adam McEwen, Nate Lowman, Hans-Peter Feldmann und Haegue Yang.

          Eine Bronzespinne für 9,5 Millionen Dollar

          Christie’s folgte am Dienstagabend. Wie vor einer Woche bei der Kunst des Impressionismus und der Moderne waren besonders viele Lose im Programm und die Schätzungen hoch. Diesmal ging das Konzept besser auf. Christie’s vermittelte 82 der 91 Lose - das entspricht einer Verkaufsrate von neunzig Prozent. Das Gesamtergebnis von 247,6 Millionen Dollar liegt innerhalb der Erwartung. Den vielversprechenden Anfang machten 26 Lose aus der Sammlung des Computerprogrammierers Peter Norton, der diese schon gleich nach ihrer Entstehung in den neunziger Jahren gekauft hatte. Sie brachten mit 27 Millionen Dollar rund das Doppelte der Schätzung und Rekordpreise für Werke von Sophie Calle, Mona Hatoum, Charles Ray und Paul McCarthy, dessen „Tomato Head (Green)“ als Spitzenlos für vier Millionen Dollar an den Galeristen des Künstlers, Iwan Wirth, ging (1/1,5 Millionen).

          Robert Gobers Installation „Prison Window“ von 1992 verdreifachte die Taxe mit einem Zuschlag von 2,95 Millionen Dollar. Auch der reguläre Teil der Abendauktion brachte herausragende Resultate. Louise Bourgeois’ große Bronzespinne, die 1996 in einer Auflage von sechs gegossen wurde und jetzt im Eingang des Auktionshauses am Rockefeller installiert war, kletterte bis auf 9,5 Millionen Dollar. Das ist ein Höchstpreis für die Künstlerin, bewilligt von einem anonymen amerikanischen Privatsammler (4/6 Millionen). Die größte Erwartung knüpfte sich an einen Klassiker der Pop-Art, „I Can See the Whole Room! . . . and There’s Nobody in it!“ von Roy Lichtenstein aus dem Jahr 1961. Das Bild soll aus der Sammlung der New Yorkerin Courtney Ross stammen, der Witwe des früheren Film- und Fernsehmagnaten Steve Ross. Der Hammer des Auktionators knallte bei 38,5 Millionen Dollar aufs Pult, zwar unter der oberen Schätzung von 45 Millionen Dollar, dennoch ein Rekord für Lichtenstein. Den Zuschlag soll der New Yorker Kunsthändler Guy Bennett erhalten haben.

          Warhols „Silver Liz“ ging von einer prominenten Sammlung in die andere: Peter Brant aus Connecticut trennte sich von dem Siebdruck des Jahres 1963, der Londoner Juwelier Laurence Graff trug ihn für 14,5 Millionen Dollar nach Hause (16/19 Millionen.) Zu den höchsten Preisen des Abends gehörte Mark Rothkos rotgrundiges Bild „White Cloud“ von 1956, das unterhalb der Taxe für 16,5 Millionen Dollar vermittelt wurde.

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