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Gegenwartskunst in New York : Vier Abende für 650 Millionen Dollar

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Wird diese Rechnung aufgehen? Die New Yorker Auktionen mit Gegenwartskunst sind nicht zu bremsen. Für Christie's, Sotheby's und Phillips de Pury muss der Spaß schon achtstellig sein.

          Was Picasso für die Auktionen mit Moderne, ist Warhol einmal mehr für die Zeitgenossen. Allein in den Abendauktionen von Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury sollen insgesamt zwanzig Lose von Warhol knapp 200 Millionen Dollar einspielen. Der Marathon umfasst diesmal vier Abende, weil Sotheby's zusätzlich am 9. Mai einen Termin für Werke aus dem Nachlass von Allan Stone angesetzt hat. Stone gründete seine New Yorker Galerie vor genau fünfzig Jahren, und er verschrieb sich Zeitgenossen wie Willem de Kooning, John Chamberlain, Franz Klein und Joseph Cornell.

          Besonders verdient machte er sich um den damals noch unbekannten Westküsten-Künstler Wayne Thiebaud: Von ihm sind blauschattige Stillleben im Angebot, zum Beispiel sahnige Tortenstücke „Pies“ von 1961 (Taxe 2,5/3,5 Millionen Dollar), aber auch Akte und Landschaften. Kline hat 1953/54 „Herald“, ein großes schwarzweißes Gemälde, auf die Umrisse eines schwebenden Rechtecks reduziert (2,5/3,5 Millionen), und de Koonings wilde Abstraktion „Event in a Barn“ aus dem Jahr 1947 soll fünf bis sieben Millionen Dollar einspielen. Kurz nach Stones Tod vor fünf Jahren hat Christie's Teile seiner Sammlung versteigert. Jetzt ist Sotheby's am Zug und erwartet für 43 Werke zusammen mindestens 34 Millionen Dollar.

          Beim regulären Evening Sale mit Gegenwartskunst am 10. Mai versteigert Sotheby's sechzig Lose, mit einer oberen Gesamttaxe von 176 Millionen Dollar. Zu den Spitzen zählt Jeff Koons' prozellanener „Pink Panther“ aus der „Banality“-Serie. Insider wissen, dass es sich beim Einlieferer um den Verleger Benedikt Taschen handelt; er hat eine Garantie erhalten, die durch ein unwiderrufliches Gebot abgesichert ist: Die Schätzung liegt bei stolzen zwanzig bis dreißig Millionen Dollar. Die Blondine und das ausdruckslose Stofftier, das eine Tatze auf ihren nackten Rücken legt, sind 1988 in einer Auflage von drei (+ eins) Exemplaren entstanden. Eines befindet sich im MoMA, ein weiteres im MoCA in Chicago.

          Ebenfalls mit zwanzig bis dreißig Millionen Dollar ausgezeichnet sind Warhols „Sixteen Jackies“ von 1964, ein zwei Meter hohes Bild aus sechzehn Leinwänden, mit dem strahlenden Gesicht der jungen Präsidentengattin oder mit einer Nahaufnahme in Schock und Trauer nach der Ermordung ihres Mannes. Zwei weitere, allerdings runde „Jackie“-Bilder von Warhol (je 3/4 Millionen), ebenfalls von 1964, stammen aus der Sammlung der kalifornischen Society-Lady Dodie Rosekrans, die kürzlich im Alter von 91 Jahren gestorben ist und über Jahrzehnte selbst als Repräsentantin bei Sotheby's gearbeitet hat.

          Es gibt Werke von Agnes Martin, Rosemarie Trockel, Dan Flavin, David Hockney, Louise Bourgeois, Mark Tansey, Takashi Murakami, Gerhard Richter und Rudolf Stingel - und ein „Concetto spaziale“ Lucio Fontanas von 1965 weist ein Dutzend Schlitze in einer weißen Leinwand auf (6/8 Millionen). Das Detroit Institute of Arts trennt sich zugunsten seines Ankaufsetats von Adolph Gottliebs „Trinity“, einem monumentalen Gemälde von fast fünf Meter Breite, das an der Schwelle von Abstraktem Expressionismus und Color Field Painting steht (1/1,5 Millionen).

          Zwei Einlieferer für einen Bären

          Christie's hat am Abend des 11. Mai 66 Lose im Programm, die einen Bogen von Calder, Basquiat, Cindy Sherman und Kiefer bis zu Marlene Dumas und Chris Ofili spannen. Die obere Gesamttaxe liegt bei erstaunlichen 317 Millionen Dollar; allein acht der Lose sind auf mindestens zehn Millionen geschätzt. Zu Rothko, Bacon, Warhol und Koons, den Klassikern der Kategorie Contemporary Art, gesellt sich mit Urs Fischer ein junger Zeitgenosse, dessen Bronze „Lamp/Bear“ bei einer Taxe von zehn bis zwanzig Millionen Dollar ebenfalls in der Oberliga mitspielt; es ist das kurioseste Los der Woche: Die sieben Meter hohe Plastik steht derzeit in Manhattan vor Mies van der Rohes berühmtem Seagram Building und leuchtet nachts mit den umgebenden Hochhäusern um die Wette.

          Der Guss erfolgte in einer Auflage von zwei (+ eins), und Kenner wissen, wer den Bären eingeliefert hat: der Immobilienunternehmer Aby Rosen, dem das Seagram Building gehört, zusammen mit dem New Yorker Kunsthändler Alberto Mugrabi. Die zwei anderen Exemplaren gehören angeblich dem New Yorker Sammler Adam Lindemann und dem Hedge-Fond Milliardär Steven Cohen.

          Ein blutrotes Selbstporträt von Warhol

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