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Gegenwartskunst in New York : Nichts ist mehr, wie es war

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Die New Yorker Auktionen mit zeitgenössischer Kunst bieten keine Rekordgarantie mehr. In den schmaler gewordenen Katalogen finden sich dennoch Höhepunkte.

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          Das großartige Selbstporträt des verkaterten Martin Kippenberger auf dem Cover des Sotheby's-Katalogs für die New Yorker Abendauktion am 12. Mai lässt sich als ironischer Kommentar zur Lage lesen: Die Party ist vorbei, es lebe der Antiheld. Die Auktion zeitgenössischer Kunst bei Sotheby's umfasst 49 Lose und ist auf rund 52 bis 72 Millionen Dollar geschätzt; das bedeutet einen krassen Unterschied zur Frühjahrsauktion 2008, als hier 83 Lose für 362 Millionen Dollar verkauft wurden und Sotheby's damit das beste Ergebnis in der Geschichte des Hauses feiern konnte.

          Kürzlich hat das Auktionshaus erklärt, dass die weltweit 1700 Mitarbeiter nach einer Entlassungswelle von fünfzehn Prozent dieses Jahr noch einmal um fünf Prozent reduziert werden. Christie's erwartet am 13. Mai für 54 Lose 71 bis 104 Millionen Dollar, das sind nur drei Lose weniger als im vergangenen Mai, aber der Umsatz wird nur noch auf rund ein Drittel angesetzt. Während es schwieriger geworden ist, die Auktionskataloge zu bestücken, haben sowohl Sotheby's als auch Christie's verlauten lassen, dass sich das Geschäft mit „Privates Sales“ in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt habe.

          Ohne Hirst, Prince und Murakami

          Werke von Takashi Murakami, Krankenschwestern von Richard Prince oder Butterfly-Paintings von Damien Hirst sucht man in den Abendkatalogen jetzt übrigens vergeblich, dafür gibt es grandiose Arbeiten von Dan Flavin, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter, Yayoi Kusama, Robert Gober und Richard Diebenkorn. Den größten Fang hat Christie's mit der Einlieferung von Werken aus der Sammlung von Betty Freeman gemacht, die im Januar im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

          „Medici of Modern Music“ wurde die kalifornische Mäzenin genannt, die Komponisten wie Steve Reich, John Cage und La Monte Young unterstützte und ihr Haus in Beverly Hills nicht nur akustisch mit der Avantgarde ihrer Zeit füllte. Sie sammelte Werke von Rothko, Sam Francis und Clifford Still, später kamen Arbeiten von ihrem Lieblingskünstler Dan Flavin, von Bruce Nauman und Douglas Wheeler hinzu, außerdem Claes Oldenburgs überdimensionaler „Typewriter Eraser“ (Taxe 1,4 Millionen/1,8 Millionen Dollar) und Warhols buntes Porträt von Man Ray aus dem Jahr 1977 (2/4 Millionen).

          Betty Freeman als „Houswife“

          Als David Hockney zu Besuch kam, wollte er eigentlich Betty Freemans Pool malen. Es entstand aber 1966/67 das Diptychon mit dem schelmischen Titel „Beverly Hills Housewife“, auf dem die Hausherrin im Innenhof ihrer modernen Villa verharrt. Mit einer Taxe von sieben bis zehn Millionen Dollar soll nun der bisherige Höchstpreis für Hockney bei weitem übertroffen werden.

          Auch Lichtensteins „Frolic“ von 1977 kommt aus der Freeman-Collection, eine Pop-Paraphrase von Picassos ballspielender Badenixe (4/6 Millionen). Zusammen sollen die zwanzig Arbeiten aus der Freeman-Sammlung, denen ein eigener Katalog gewidmet ist, rund dreißig Millionen Dollar einspielen.

          Andy Warhols „Last Supper“

          Aus einer europäischen Privatkollektion stammt Basquiats Gemälde „Mater“, auf dem krude Striche eine Figur mit Strahlenkranz umschreiben, die an die Freiheitsstatue erinnert (5/7 Millionen). Ein weiterer Höhepunkt ist Warhols fast neun Meter breites „Last Supper (Camel/57)“, das Leonardos Abendmahl mit Reklamesymbolen verbindet (4/6 Millionen).

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