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Gegenwartskunst in London : Mit erhobener Faust

  • -Aktualisiert am

Gerhard Richter, Andy Warhol und Basquiat: Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury präsentieren bei den Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst ein solides Angebot und einige Überraschungen - die Vorschau.

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          Ai Weiwei ist wohl seit seiner Teilnahme an der Documenta in Kassel 2007 der berühmteste chinesische Künstler in Deutschland. In London wird er noch bis zum 2. Mai einem breiteren Publikum mit seiner Installation im Eingangsbereich der Tate Modern bekannt gemacht. Dort deponierte er hundert Millionen Sonnenblumenkerne, die alle einzeln in China aus Porzellan gebrannt wurden und handbemalt sind.

          Eine Ladung von hundert Kilogramm solcher Kerne, „Kui Hua Zi (Sunflower Seeds)“ für geschätzte 80.000 bis 120.000 Pfund bilden den Auftakt bei der Abendauktion von Sotheby's mit zeitgenössischer Kunst in London am 15. Februar. Den ersten Teil der Versteigerung mit insgesamt sechzig Losen bestreiten besonders viele rezente Kunstwerke, bevor es mit älteren Werken der Zugpferde Fontana, Warhol, Richter, Auerbach und anderen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitergeht. Es sollen mehr als dreißig Millionen Pfund umgesetzt werden; damit liegt der Durchschnittspreis bei einer halben Million.

          Zu den Aufsteigern unter den jüngeren Künstlern gehört die 1970 in Addis Abeba geborene, in New York lebende Julie Mehretu, die in London von der White Cube Gallery vertreten wird. Ihre an Kandinsky erinnernde Komposition „Ruffian Logistics“ aus dem Jahr 2001 wurde schon in zahlreichen Museen gezeigt und soll nun 700.000 bis eine Million Pfund kosten.

          Auch der Engländer Ged Quinn, der im Oktober schon viel Beachtung gefunden hatte, ist mit der Leinwand „The Wintry Wind of the Bone“ (Taxe 60.000/80.000 Pfund) wieder dabei. Selten sieht man Glenn Brown bei Auktionen, von dem „Declining Nude“ (600.000/800.000), das Porträt eines bärtigen alten Mannes, aus der Sammlung von Marcel Brient in Paris eingereicht wurde.

          Franz Gertschs „Luciano I“ aus Bremen

          Das teuerste Los ist ein „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter aus einer amerikanischen Sammlung, das den Einsatz von fünf bis sieben Millionen Pfund erfordert. Anstatt sich auf das Glück der Losnummer dreizehn zu verlassen, wurde es mit Garantie und unwiderruflichem Gebot abgesichert.

          Auf Andy Warhols „Nine Multicolored Marilyns (Reversal Series)“ (2/3 Millionen) folgt in der Riege der Spitzenlose David Hockneys „Hotel L'Arbois, Sainte-Maxime“ (1/1,5 Millionen) und eine charakteristisch weiße Arbeit auf Papier von Robert Ryman: Das mehr als einen Quadratmeter messende „Rule“ soll 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund einspielen.In dieser Folge wird auch Franz Gertsch mit „Luciano I“ (500.000/700.000) aus der Stiftung Neues Museum Weserburg in Bremen verkauft.

          Dort waren auch die drei Installationen von Juan Muñoz aus einer deutschen Privatsammlung für einige Jahre als Dauerleihgabe ausgestellt, die nun bei Sotheby's zum Aufruf kommen: Zwei davon tragen den Titel „Conversation Piece“; eine Gruppe von drei Figuren in langen Kleidern, die an Bettdecken erinnern, aus Polyesterharz (800.000/1,2 Millionen) sowie ein weiteres Paar aus Bronze (600.000/800.000). Uecker ist mit dem Nagelbild „Lichtfeld“ (300.000/400.000) aus der Sammlung von Hans Möller in Hubbelrath vertreten, der es 1960 direkt vom Künstler übernahm.

          Zwei Bären geben Adam und Eva

          Bei Christie's werden am folgenden Abend 64 Lose zum Aufruf kommen, die insgesamt 36 bis 54,94 Millionen Pfund einspielen sollen. Ein monumentales rot-weißes Selbstporträt von Warhol, entstanden 1967 und aus einer Serie von zehn, stellt das Spitzenlos. Es befand sich seit 1974 im Besitz eines amerikanischen Privatsammlers, der es bei Warhols Galerist Leo Castelli in New York kaufte (3/5 Millionen).

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