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Gegenwartskunst in London : Die Weltformel

  • -Aktualisiert am

Während sich die britischen Banken in London selbst zerfleischen, setzen die drei großen Auktionshäuser mit ihren Zeitgenossen-Auktionen todesmutig auf ein Anhalten des Booms: das Angebot

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          Scheinbar losgelöst von der sich international zuspitzenden Finanzkrise präsentierten sich in den vergangenen Monaten die Londoner Auktionshäuser. Die Spezialisten beschworen wiederholt die totale Globalisierung des Marktes - mit breit gestreuter Kundschaft und einer Konzentration des internationalen Wohlstands in London - als Erfolgsformel für die schwindelerregenden Höhen der Zuschläge. Dementsprechend sollen marktfrische Spitzenwerke mit einwandfreier Provenienz, von der Krise unberührt, weiterhin ihren Weg in die Sammlungen der Reichsten der Welt finden: russischer Oligarchen, amerikanischer Kasino-Magnaten oder arabischer Emire. Seit der vergangenen Woche, in der sich die internationale Finanzkrise weiter dramatisch zuspitzte, scheint es aber kaum noch vorstellbar, dass dies keinen Effekt auf die vom 17. bis zum 21. Oktober anstehenden Zeitgenossen-Auktionen bei Sotheby's, Christie's und Phillips de Pury in London haben sollte.

          Im Oktober kommt in London - parallel zur Frieze Art Fair und anders als zu den Hauptterminen im Februar und Juni - jüngere und weniger kostspielige Kunst zum Aufruf. Allerdings ist im Vergleich zum Jahr 2006 das Preisniveau auch hier stark angestiegen: Konnten die Spitzenlose vor zwei Jahren bei den Abendauktionen knapp die Eine-Million-Pfund-Grenze übersteigen, so zieht Christie's der Konkurrenz jetzt mit einem Spitzenlos „in the region of“ zwölf Millionen Pfund davon, einem zerlöcherten, schwarzen Ei von Fontana, „Concetto Spaziale, La fine di Dio“ aus der Sammlung der Erben von Philippe und Denyse Durand-Ruel. Man hofft wohl, dass diese ovale Mondlandschaft mehr Glück hat als eine Version in Pink, die bei Christie's erst im Juni dieses Jahres, auf acht Millionen Pfund geschätzt, abgelehnt wurde. Offenbar will Christie's den im Februar von Sotheby's in London mit 9,2 Millionen Pfund aufgestellten Künstlerrekord für ein goldenes Leinwand-Oval Fontanas brechen.

          Die erwartete Summe ist eine Rekordgröße

          Christie's hat seinen Oktobertermin aufgewertet; das Haus erwartet 57,8 bis 75,6 Millionen Pfund für 47 Lose, das ist mit Abstand der höchste Umsatz für eine der Abendveranstaltungen (und entspricht einer durchschnittlichen Erwartung von 1,2 bis 1,6 Millionen Pfund). Sotheby's ist bescheidener und rechnet mit 30,62 bis 42,75 Millionen Pfund für 64 Lose. Zum Vergleich: Im Oktober 2007 setzte bei der Abendauktion Sotheby's 34,9 Millionen und Christie's 39,8 Millionen Pfund um. Phillips de Pury endlich erhofft sich diesmal zwischen 18,7 und 26 Millionen Pfund für 71 Lose. Den Abend bei Sotheby's am 17. Oktober führt Gerhard Richter an, gemeinsam mit „Skulls“ von Andy Warhol: Fünf bis sieben Millionen Pfund werden sowohl für Richters Stadtansicht „Jerusalem“ von 1995 erwartet wie für die zehn Totenköpfe des amerikanischen Pop-Art-Stars; beide Lose sind mit Garantiesummen für den Einlieferer versehen. An dritter Stelle folgt ein zwei mal 1,4 Meter großes „Abstraktes Bild“ von Richter (Taxe 3/4 Millionen Pfund). Auch andere deutsche Künstler sind vertreten, darunter Polke, Baselitz und Kiefer.

          Ein Druck aus der „Carpet Series“ des aufsteigenden pakistanischen Künstlers Rashid Rana, auf dem Tausende von kleinen Bildern geschlachteter Ziegen den Eindruck eines Teppichmusters erzeugen (150.000/250.000), leitet bei Sotheby's den Hauptteil des Abends ein (nach einer Benefizauktion von fünf Losen zugunsten des Institute of Contemporary Art in London); es folgen Arbeiten indischer Künstler: ein mit Aluminium-Kannen behängtes bronzenes Fahrrad (250.000/350.000) und eine Leinwand mit hängenden Aluminium-Töpfen (300.000/400.000) von Subodh Gupta - eine ähnliche Arbeit Guptas überschritt im Juni mit 500.000 Pfund deutlich ihre obere Taxe von 300.000 - sowie der goldene „Head of Vasundra“ (180.000/250.000) von Ravinder Reddy. Ein mehr als sechs Quadratmeter messender, aus Aluminiumkapseln afrikanischer Flaschen zusammengehefteter Teppich des in Nigeria lebenden Künstlers El Anatsui, erfordert viel Wand und den Einsatz von 180.000 bis 250.000 Pfund.

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